Revolution im Naturschutz: Hessen fördert tierische Bewegungsforschung
In einer Welt, in der der Klimawandel und die Biodiversitätskrise immer drängender werden, wird die Erforschung tierischer Bewegungsmuster zunehmend wichtiger. Das LOEWE-Projekt VEBITA, unter der Leitung von Prof. Nina Farwig, erforscht genau diesen Zusammenhang: Die Bewegungen von Tieren sind entscheidend für das Funktionieren von Ökosystemen und deren Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen. Das Land Hessen hat angekündigt, das Projekt ab Januar 2027 mit über 4,7 Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren zu fördern, was die Grundlagenforschung in diesem Bereich erheblich stärken wird.
Doch wie wird die Bewegung von Tieren untersucht? VEBITA verwendet modernste Tiersensoren und Künstliche Intelligenz, um Bewegungsdaten zu sammeln und zu analysieren. Diese Daten helfen nicht nur, das Verhalten von Gazellen, Zugvögeln und Rothirschen zu verstehen, sondern spielen auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Frühwarnindikatoren für Veränderungen der Biodiversität. Damit wird auch ein transformatives Umweltmonitoring geschaffen, das über einen Knowledge Hub zugänglich gemacht wird. Laut dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) kommen solche Indikatoren den Entscheidungsprozessen im Naturschutz zugute.
Von Bewegungen und Biodiversität
Ein zentraler Aspekt von VEBITA ist die Untersuchung der Beziehung zwischen Tierverhalten und dem Zustand ihrer Umwelt. Tiere ändern oft ihr Verhalten, bevor es zu einem Rückgang ihrer Population kommt. Indem Forscher diese Veränderungen entschlüsseln, können sie nicht nur die Verhaltensplastizität der Tiere sichtbar machen, sondern auch Muster erkennen, die auf potenzielle Störungen in ihren Lebensräumen hinweisen.
Die globale Forschungsdatenbank Movebank, die Daten für Hunderttausende von Tieren enthält und kontinuierlich aktualisiert wird, stellt eine wertvolle Ressource dar. VEBITA möchte diesen Datenschatz nutzen, um die Forschungslandschaft zum Thema Tierbewegungen in Hessen zu bereichern und langfristig die weltweit größte Datenbank für Biologging-Daten zu sichern.
Ein Netzwerk für den Naturschutz
Die Durchführung des Projekts erfolgt in Zusammenarbeit mit namhaften Institutionen wie dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Philipps-Universität Marburg. Zudem werden Praxispartner aus verschiedenen Bereichen – von der Wirtschaft bis hin zu NGOs – einbezogen, um die Ergebnisse optimal in die Naturschutzpraxis zu integrieren.
Ein weiteres spannendes Projekt im Bereich tierischer Bewegungen ist das Icarus-System, das vom Professor Martin Wikelski am Max-Planck-Institut entwickelt wurde. Während VEBITA sich auf die Bewegungen von Tieren konzentriert, plant die Icarus-Initiative ein „Internet der Tiere“, um durch tierische Verhaltensmuster frühzeitig auf Katastrophen wie Seuchen oder Erdbeben zu reagieren. Wikelski und sein Team setzen auf moderne Technologien und hoffen, eigene Minisatelliten für die Forschung ins All zu bringen.
In Anbetracht dieser Entwicklungen wird klar, dass es in Deutschland an innovativen Ansätzen nicht mangelt. Gemeinsam mit den Zielen der Vereinten Nationen, bis 2030 30% der weltweiten Landfläche unter Schutz zu stellen, ist die Forschung rund um tierische Bewegungen ein Lichtblick, um den Herausforderungen des Naturschutzes für die Zukunft zu begegnen.
Für alle, die sich intensiver mit den Möglichkeiten des digitalen Naturschutzes und den Auswirkungen tierischer Bewegungen befassen möchten, lohnt sich ein Besuch der Webseiten der beteiligten Institutionen: Universität Marburg, ISOE und Spektrum.
