Zwischen Rostocker Hauptbahnhof und Stadthalle soll in den kommenden Jahren ein neues Stück Stadt wachsen: Auf rund 30.000 Quadratmetern entsteht in der Südstadt das Quartier „Kesselborn“. Drei Hektar Fläche sind es, fünf architektonisch unterschiedliche Gebäudekörper sollen dort Platz finden. Für Rostock ist das kein kleines Vorhaben – die Baustelle gilt als größte privat finanzierte in Mecklenburg-Vorpommern.

Hinter dem Projekt steht die Ostseesparkasse, die einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Geplant sind unter anderem ein 80 Meter hohes „Skydeck“, das „Office Deck“ mit Büros und Gastronomie, das „Kesseldeck“, ein Parkhaus sowie ein weiterer Gebäudekomplex am Südausgang des Hauptbahnhofs. Klingt nach viel Beton, soll aber nicht dabei bleiben: Großzügige Grünflächen sind als Orte für Begegnung und Bewegung vorgesehen.

Hochhaus mit Ostseeblick

Das Skydeck soll mit 15 Etagen zum höchsten Gebäude Mecklenburg-Vorpommerns und zum höchsten Hochhaus im Nordosten werden. Eine Sky-Bar ist ebenfalls geplant – mit Blick auf die Ostsee. Die Ostseesparkasse will dort ihre neue Zentrale für bis zu 400 Mitarbeiter einrichten, dazu kommen weitere Büroflächen.

Der Baubeginn für Skydeck und das benachbarte Office Deck ist im ersten Quartal 2027 vorgesehen. Projektgeschäftsführer Matthias Horn zufolge liegt die Baustelle derzeit im Zeit- und Kostenplan. Fertig werden soll das gesamte Quartier bis 2030. Das Kesseldeck und das angrenzende Parkhaus sollen bereits im ersten Quartal 2027 fertiggestellt sein.

Im Kesseldeck entstehen Büros, fünf Wohnungen und eine Kita des Instituts Lernen und Leben. Das Parkhaus bietet 650 Stellplätze. Seine Fassade – ebenso wie die des Kesseldecks – wird vollständig begrünt. Später soll das Parkhaus wie ein bewachsener Würfel aussehen. Ein ziemlich grüner Klotz also, mitten in der Stadt.

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Schwieriger Boden, neue Pläne

Einfach ist der Baugrund nicht. Im Mittelalter lag dort ein See, später hinterließen Kriege und sozialistische Stadtplanung ihre Spuren. Die Dekontamination des Bodens verursachte hohe Kosten. Trotzdem soll die Entwicklung weitergehen, derzeit laut Horn ohne Verzögerung.

Eine ursprünglich geplante Drei-Felder-Sporthalle wird allerdings nicht gebaut. Dort sollten unter anderem die Basketballer der Rostock Seawolves trainieren. Für die Fläche werden nun Alternativen gesucht. Im Gespräch beziehungsweise geplant bleibt ein Gebäudekomplex mit dem Digitalen Innovationszentrum, einem Hotel, möglichen Einzelhandelsflächen und zusätzlichen Wohnungen.

Wohnraum ist im bisherigen Konzept nur in überschaubarem Umfang fest eingeplant: Im gesamten Quartier sind zunächst fünf Wohnungen vorgesehen. Die Projektgesellschaft kann sich darüber hinaus 50 bis 60 weitere Wohnungen vorstellen. Die Nähe zum Hauptbahnhof sieht Horn dabei nicht als Nachteil. Im Quartier sollen ohnehin unterschiedliche Nutzungen zusammenkommen – Arbeitsplätze ebenso wie Wohnen, Hotellerie, Forschung, medizinische Versorgung, Nahversorgung, Gastronomie, Freizeitangebote und Eventflächen.

Ein Quartier für viele Wege

Gerade diese Mischung ist der Kern des Kesselborn-Konzepts. Wer dort arbeitet, soll einkaufen, essen, Veranstaltungen besuchen oder medizinische Angebote nutzen können, ohne gleich wieder quer durch Rostock zu müssen. Dazu kommen Parkmöglichkeiten und die geplante Kita. Auf dem Papier ist das ein ziemlich dicht gepackter Alltag; draußen sollen Grünflächen dafür Luft schaffen.

Heute, am 4.10.2026, ist vom späteren Hochhausblick auf die Ostsee noch nichts zu sehen. An der Uni Rostock dürfte das Projekt trotzdem schon deshalb Gesprächsthema sein, weil sich hier nicht nur eine einzelne Immobilie verändert, sondern die Verbindung zwischen Bahnhof, Stadthalle und Südstadt. Erst kommen die Gebäude, dann vielleicht der bewachsene Würfel – und irgendwann eine Sky-Bar hoch über Rostock.