Amyloidoseforschung in Heidelberg: Molekulare Grundlagen systemischer Erkrankungen im Fokus
In Heidelberg dreht sich ein Forschungsmeeting um eine Krankheit, die im Körper oft lange im Verborgenen bleibt: systemische Amyloidosen. Unter dem Titel „The Molecular Foundation of Amyloidosis and Beyond“ sollen Grundlagenforscher:innen und klinische Expert:innen zusammenkommen – von der Biophysik bis zur medizinischen Forschung. Die Veranstaltung ist für zweieinhalb Tage geplant und richtet sich an höchstens etwa 100 Teilnehmer:innen.
Im Mittelpunkt stehen häufige ebenso wie seltene Formen der systemischen Amyloidose. In den vergangenen Jahren hat sich das Verständnis der Krankheitsentstehung und ihrer molekularen Grundlagen deutlich erweitert. Trotzdem sind viele Fragen offen. Genau darüber soll gesprochen werden: über gesicherte Erkenntnisse, aber auch über die Lücken, an denen die Forschung noch herumknabbert.
Ein Treffen ohne Industrieunterstützung
Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Weil bewusst auf Industriesponsoring verzichtet wird, gibt es allerdings weder Reisekostenzuschüsse noch Unterstützung bei der Unterkunft. Die Frist für Anmeldung und Abstract-Einreichung endet am 15. Dezember; ein konkretes Jahr nennt die Veranstaltungsinformation nicht. Die Anmeldebestätigung kommt per E-Mail.
Abstracts für eine Posterpräsentation können über ein Formular auf der Website eingereicht werden. Die Organisator:innen prüfen die Beiträge. Genannt werden Johannes Buchner, Stefano Ricagno, Ute Hegenbart und Stefan Schönland.
Der wissenschaftliche Hintergrund ist komplex, aber der Ausgangspunkt lässt sich knapp erklären: Amyloidosen sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, bei denen sich fehlgefaltete Proteine – Amyloid – ablagern. Bei lokalen Amyloidosen geschieht das nahe am Ort der Proteinsynthese. Solche Ablagerungen kommen unter anderem bei Alzheimer-Demenz und Morbus Parkinson vor; ihre Bedeutung ist teilweise noch unklar. Systemische Amyloidosen gelangen dagegen auch in entfernte Gewebe und können jedes Organsystem betreffen.
Die Einteilung richtet sich vor allem nach dem auslösenden Amyloidprotein. Das „A“ steht für Amyloidose, ergänzt durch den Code des Ursprungsproteins. Eine erworbene Amyloidose entsteht durch eine andere Erkrankung, eine angeborene durch genetische Veränderungen. Ablagerungen können sich bilden, wenn zu viele Amyloid-Vorläuferproteine produziert werden, wenn Proteine verändert sind oder ihre Verarbeitung gestört ist. Manche Mechanismen sind bis heute ungeklärt.
Wenn mehrere Organe gleichzeitig betroffen sind
Die Ablagerungen beeinträchtigen die Funktion von Organen und Geweben und können deren Struktur zerstören. Als mögliche Ursachen gelten toxische Zwischenstufen, sogenannte Oligomere, die oxidativen Stress auslösen, sowie große fibrilläre Ablagerungen, die Organe mechanisch stören. Spezifische Leitsymptome gibt es nicht. Häufig macht gerade die gleichzeitige Beteiligung mehrerer Organsysteme die Erkrankung verdächtig.
In der Niere können Proteinurie, ein vermindertes Serumalbumin und eine reduzierte glomeruläre Filtrationsrate auftreten. Am Herzen reicht das Bild von einer Kardiomyopathie mit verdickten Ventrikelwänden bis zu erhöhten Werten von BNP, NT-proBNP und Troponin. Das Nervensystem kann mit einer peripheren sensomotorischen Neuropathie oder autonomen Funktionsstörungen reagieren. Durchfall, Obstipation und Blutungen weisen auf eine mögliche Beteiligung des Darms hin; an der Leber fallen unter anderem eine erhöhte alkalische Phosphatase und normale bis erhöhte Transaminasen auf. Gelenkergüsse, Schwellungen, Weichteilmanifestationen und Hinweise auf eine Erbkrankheit kommen ebenfalls vor.
Bei ungeklärten Beschwerden mehrerer Organsysteme sollte eine systemische Amyloidose deshalb als Differenzialdiagnose berücksichtigt werden. Frühsymptome der AL-Amyloidose sind oft unscheinbar: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und sinkende Belastbarkeit. Beschwerden eines konkreten Organs zeigen sich nicht selten erst, wenn bereits eine fortgeschrittene Schädigung vorliegt. Die Zahl der betroffenen Organe hat prognostische Bedeutung, wobei bei AL häufig zunächst nur ein Organ betroffen ist.
Am Herzen können Belastungsdyspnoe, Ödeme, Palpitationen, Hypotonie, Ruhetachykardie, Halsvenenstauung sowie Pleura- oder Perikardergüsse auftreten. Zur Abklärung dienen EKG, Echokardiografie, Kardio-MRT, Langzeit-EKG und Thoraxbildgebung. Bei Nierenbeteiligung kommen Ödeme durch ein nephrotisches Syndrom hinzu; Protein und Albumin werden im 24-Stunden-Urin oder über Protein-/Kreatinin- und Albumin-/Kreatinin-Quotienten bestimmt.
Der Magen-Darm-Trakt kann mit Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Durchfall und Blutungen reagieren; hier helfen Endoskopie und Biopsien. Eine harte Hepatomegalie oder Aszites sprechen für eine mögliche Leberbeteiligung, untersucht mit Sonografie, alkalischer Phosphatase und Gamma-GT. Sensomotorische Polyneuropathien werden unter anderem mittels Elektroneurografie und Elektromyografie geprüft. Beim autonomen Nervensystem können eine eingeschränkte Herzfrequenzvariabilität, Orthostase, Durchfall oder Obstipation und eine Blasenentleerungsstörung vorkommen; eingesetzt werden Schellong-Test, Langzeit-EKG und Restharnsonografie.
Zu den Weichteilzeichen zählen Makroglossie, periorbitale Einblutungen, Heiserkeit, Splenomegalie, Gerinnungsstörungen, Gelenkschwellungen, Nagelveränderungen und lokale tumorartige Ablagerungen. Auch die Lunge kann betroffen sein – mit Dyspnoe, eingeschränkter Sauerstoffdiffusion, Infiltraten oder tumorartigen Ablagerungen. Röntgen beziehungsweise CT sowie eine Lungenfunktionsprüfung mit Diffusionsmessung gehören dann zur Abklärung.
AL, AA, ATTR und die Frage nach dem Protein
Die häufigste systemische Form ist die AL-Amyloidose. Sie ist erworben und entsteht durch freie Lambda- oder Kappa-Leichtketten monoklonaler Plasmazellen. Verbindungen zu B-lymphoproliferativen Erkrankungen sind typisch. Unbehandelt kann die Erkrankung rasch fortschreiten und prognostisch ungünstig verlaufen.
Bei etwa 90 Prozent der Betroffenen liegt eine monoklonale Gammopathie oder ein asymptomatisches multiples Myelom vor, etwa zehn Prozent haben ein symptomatisches multiples Myelom oder ein B-Zell-Lymphom. Das amyloidogene Paraprotein ist bei ungefähr 80 Prozent lambda-Leichtketten-positiv; eine schwere Immunglobulinkette fehlt in der Serum-Immunfixation häufig. In mehr als der Hälfte der Fälle findet sich in den Knochenmark-Plasmazellen die Translokation t(11;14).
Die AA-Amyloidose folgt chronischen Entzündungsprozessen und kann auch Kinder treffen. Ihre Inzidenz ist in Deutschland rückläufig. Bei der ATTR-Amyloidose unterscheiden Fachleute die angeborene hATTR- beziehungsweise AF-Amyloidose von der erworbenen wtATTR-Form. Die klinischen Erscheinungsbilder sind sehr unterschiedlich. Eine weitere erworbene Form ist die Aβ2M-Amyloidose bei Dialysepatient:innen: β2-Mikroglobulin wird normalerweise über die Nieren ausgeschieden, passiert wegen seiner Größe von 11,8 kDa jedoch manche Dialysemembranen nicht und kann sich dadurch anreichern und ablagern.
Die Onkopedia-Leitlinie zur AL-Amyloidose, Stand Juli 2025 und mit Autor:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, betont einen wichtigen Wandel: Klassifiziert wird nach dem amyloidogenen Protein, nicht mehr nach den Begriffen „primär“ und „sekundär“. Systemische Formen können durch monoklonale Gammopathien, altersassoziiertes nicht mutiertes Transthyretin, chronische Entzündungen oder erbliche Erkrankungen entstehen. Bei ATTRv liegen meist TTR-Mutationen vor.
Die Häufigkeit der AL-Amyloidose steigt mit dem Alter, ebenso die Häufigkeit einer MGUS. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Für Nordamerika werden fünf bis 13 Fälle pro einer Million Einwohner:innen und Jahr angegeben. Für Deutschland gibt es wegen der erst seit 2018 bestehenden Register noch keine exakten Zahlen.
Bei einer monoklonalen Gammopathie und einem pathologischen Leichtkettenquotienten können NT-proBNP zur Abklärung einer möglichen Herzamyloidose und Albumin im Urin zur Abklärung einer möglichen Nierenamyloidose früh Hinweise liefern. Die Diagnose selbst steht aber erst nach Gewebeuntersuchung fest. Kongorot-positive interstitielle oder vaskuläre Abl
