Heute, am 27.10.2026, ist die Formel 1 für Audi noch ein Zukunftsprojekt. Audi-Chef Gernot Döllner hat das Ziel ausgegeben, ab 2030 um die Weltmeisterschaft mitzufahren. Im Mittelpunkt seiner Interviews steht dabei die „emotionale Aufladung“ der Marke. Gesellschaftliche Verantwortung, so beschreibt es der Artikel, thematisiert Döllner dagegen nicht.

Am Wochenende trat der Audi-Chef bei einer Wahlkampfveranstaltung des US-Präsidenten Donald Trump auf. Dort kündigte er eine Milliardeninvestition im US-Bundesstaat Georgia an. In Deutschland löste der Auftritt Kritik aus. Daniela Cavallo, die Vorsitzende des VW-Konzernbetriebsrats, warf Döllner vor, nach einer Veranstaltung mit rassistischen, sexistischen, fremdenfeindlichen und transfeindlichen Äußerungen aktive Wahlkampfhilfe geleistet zu haben.

Zwischen Rennsport und Sparkurs

Audi gehört zum Volkswagen-Konzern. Der plant derzeit Sparmaßnahmen zulasten der Beschäftigten. Das macht Döllners Auftritt politisch noch heikler: Während im Konzern über Einschnitte gesprochen wird, fällt in den USA das Wort Milliardeninvestition. Zwei Nachrichten, die nicht recht gemütlich nebeneinanderpassen.

Seinen Weg in den Konzern begann Döllner mit 24 Jahren, nach seinem Maschinenbaustudium an der TU Braunschweig. Nach mehreren Jahren bei Porsche kehrte er 2021 nach Wolfsburg zurück und übernahm die Leitung der Konzernstrategie sowie des Generalsekretariats. 2023 wurde er Chef der VW-Markengruppe „Progressive“, zu der Audi, Lamborghini und Bentley gehören.

Die Strategie dieser Gruppe setzt laut Artikel vor allem auf exklusive Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Die Umstellung auf batterieelektrische Antriebe läuft langsamer. Auf dem wichtigen chinesischen Markt verzeichnet Audi dadurch deutliche Absatzrückgänge. Neue Elektroautos produziert das Unternehmen in China teilweise ohne das Vier-Ringe-Logo, um jüngere Käufer anzusprechen.

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Eine Marke mit schwerem Gepäck

Der Artikel kritisiert, dass Döllner sich nicht klar gegen rechte Positionen positioniere. Dabei trägt der Konzern historische Lasten mit sich herum: Volkswagen wurde als NS-Vorzeigebetrieb gegründet. Später arbeitete der Konzern mit der brasilianischen Militärjunta zusammen. Hinzu kommen Menschenrechtsverletzungen und die Rolle der Audi-Vorgängerin Auto Union bei der Ausrüstung der Wehrmacht.

Das ist keine Nebensache, wenn ein Konzernchef bei einer Trump-Wahlkampfveranstaltung auftritt. Die Marke soll emotional aufgeladen werden, gleichzeitig stehen Fragen nach Verantwortung und politischer Haltung im Raum. Beides gehört zur öffentlichen Wahrnehmung eines Unternehmens – auch wenn das eine glänzende Karosserie hat und das andere eher unangenehm im Magen liegt.

Audi beschränkt seine großen Auftritte außerdem nicht auf den Motorsport. Das Unternehmen engagiert sich im Fußball als Großsponsor und Anteilseigner des FC Bayern München. Döllner ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Bayern München. Von der Rennstrecke bis zur Allianz Arena reicht damit ein Netzwerk, in dem wirtschaftliche Macht, Markenpflege und öffentliche Wirkung eng zusammenliegen.

Für Audi beginnt die Formel-1-Geschichte also nicht erst 2030. Schon jetzt wird sichtbar, welche Fragen mit an die Startlinie rollen: Wie exklusiv darf eine Marke auftreten, wenn Beschäftigte von Sparmaßnahmen betroffen sind? Wie viel politische Nähe verträgt ein Unternehmen? Und wie lässt sich „emotionale Aufladung“ mit einer Geschichte verbinden, die von der NS-Zeit bis zu späteren Menschenrechtsverletzungen reicht?

Quelle: nd-aktuell