In Chemnitz wird Anfang Oktober über eine Frage gesprochen, die im Alltag längst angekommen ist: Wie autonom können Busse und Bahnen künftig unterwegs sein? Die Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) lädt dafür zu einer Fachtagung in den Garagencampus ein. Am 27. September 2026 standen die Eckpunkte der Veranstaltung fest; heute ist der 28. September 2026.

Im Mittelpunkt steht eine öffentliche Diskussionsrunde zu den möglichen Chancen autonomer Fahrzeuge für den öffentlichen Nahverkehr in Chemnitz. Es geht um die künftige Rolle autonomer Busse und Bahnen, den technischen Entwicklungsstand sowie internationale Erfahrungen und Anwendungen. Vertreter von Verkehrsbetrieben und Verkehrsverbünden, aus Politik und Wissenschaft sowie Hersteller und Systementwickler kommen dafür zusammen.

Ein dichtes Programm von RoboBus bis Podium

Ab 08:00 Uhr beginnt das Eintreffen mit Registrierung und Begrüßungskaffee. Dazu wird der RoboBus der staff-eye GmbH präsentiert. Um 08:50 Uhr startet die Veranstaltung offiziell, um 09:00 Uhr begrüßt Jens Meiwald, Vorstand der Chemnitzer Verkehrs-AG, die Gäste. Sören Trillenberg, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, spricht um 09:05 Uhr, gefolgt vom Grußwort des Chemnitzer Oberbürgermeisters Sven Schulze um 09:15 Uhr.

Daniel Höfler von den Leipziger Verkehrsbetrieben eröffnet um 09:25 Uhr den Vortragsblock. Sein Thema: autonomes Fahren weltweit, internationale Unterschiede, der Stand in Deutschland und die Chancen für den ÖPNV. Danach geht es mit Tobias Tannenhauer von der Chemnitzer Verkehrs-AG um die Zukunft autonom fahrender Straßenbahnen und Busse in Deutschland und Schweden.

Um 10:35 Uhr stellt Dr.-Ing. Sebastian Reimann von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft Automatisierungskonzepte bis GoA4 am Beispiel Karlsruhe vor. Tomáš Jiřička von der Škoda Group Transportation spricht um 11:10 Uhr über den Weg von der digitalen Vision zum autonomen Fahren. Eine Stunde später folgt ein Technik-Forum mit der Chemnitz Automated Driving Alliance und der Technischen Universität Chemnitz. Vor Ort wird außerdem autonome Shuttle-Technologie demonstriert. Anschließend gibt es Mittagessen.

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Am Nachmittag, um 13:20 Uhr, erläutert Mario Nowack von den Leipziger Verkehrsbetrieben das Ökosystem autonomes Fahren und die Leipziger Vision. Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann und Prof. Dr. Stefan Brandenburg von der Technischen Universität Chemnitz widmen sich um 13:55 Uhr der Automatisierung und den Erwartungen von Fahrgästen.

Vier Foren, viele offene Baustellen

Ab 14:30 Uhr teilen sich die Gespräche auf vier Fachforen auf. Forum 1 trägt den Titel „SmarTram Chemnitz“ und befasst sich mit der Entwicklung autonomer Straßenbahntechnologie. Dafür sind Sascha Kubin von der Chemnitzer Verkehrs-AG und Florian Joch von der Hörmann Vehicle Engineering GmbH Chemnitz vorgesehen. Das Forum ist bereits ausgebucht.

Im zweiten Forum geht es um den Praxisdialog zwischen Innovation, Regulierung und „made with Europe“ als Skalierungsansatz. Alexander Kovalenko von der staff-eye GmbH übernimmt diesen Teil. Forum 3 behandelt rechtliche Perspektiven des autonomen Fahrens, Regulierung und neue Aufgaben für Flottenbetreiber; als Referent ist Rechtsanwalt Till Stegemann von der Rödl GmbH Rechtsanwaltsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft Berlin angekündigt.

Mit Stakeholderkonflikten im automatisierten Nahverkehr beschäftigen sich im vierten Forum Dr. Josephine Halama und Dr. Madlen Günther von der Technischen Universität Chemnitz. Um 15:35 Uhr kommen die Themen wieder auf einem Podium zusammen: „Vom Testfeld in die Praxis – wann wird autonomes Fahren Alltag?“

Auf dem Podium sitzen Mario Nowack, Dr.-Ing. Sebastian Reimann, Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann, Karsten Schulze von der FDTech GmbH, Dr. Volkmar Vogel von der Hörmann Vehicle Engineering GmbH sowie Rechtsanwalt Till Stegemann. Gegen 16:30 Uhr soll die Veranstaltung enden.

Vom Klinikums-Gelände zur Genehmigung

Dass Chemnitz nicht bei null anfängt, zeigt ein Foto aus dem Jahr 2016: Darauf ist ein autonom fahrender Kleinbus auf dem Gelände des Klinikums Chemnitz zu sehen. Seitdem ist nicht nur an Fahrzeugen und Steuerungssystemen gearbeitet worden. Auch die rechtlichen Leitplanken haben sich verändert.

Mit der Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) vom 28. Juli 2021 schuf Deutschland die gesetzliche Grundlage für automatisiertes und autonomes Fahren. Auf EU-Ebene ermöglicht die Anpassung der Verordnung (EU) 2018/858 vom 16. November 2022 die Genehmigung automatisierter und autonomer Fahrzeuge in Kleinserie.

Am 25. Juli 2025 erließ das Bundesministerium für Verkehr außerdem die Straßenverkehrs-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV). Sie bildet die gesetzliche Grundlage für die Genehmigung ferngelenkter Fahrzeuge in Deutschland. Zuständig ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das entsprechende Fahrzeuge und Fahrfunktionen genehmigt und zugleich an der Entwicklung nationaler und internationaler technischer Anforderungen mitwirkt.

Auf Antrag erteilt das KBA nationale Betriebserlaubnisse für Kraftfahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion ab Level 4 sowie EU-Typgenehmigungen für solche Fahrzeuge ab Level 4 in Kleinserie. Hinzu kommen Erprobungsgenehmigungen für Fahrzeuge mit automatisierter oder autonomer Fahrfunktion ab Level 3 und Genehmigungen für nachträglich aktivierbare automatisierte oder autonome Fahrfunktionen ab Level 3. Auch nationale Betriebserlaubnisse für Kraftfahrzeuge mit ferngelenkter Fahrfunktion gehören dazu.

Am Garagencampus treffen damit Technik, Verkehrsalltag und Paragrafen ziemlich direkt aufeinander. Und spätestens bei der Frage, wann aus einem Testfeld ein verlässliches Angebot für Fahrgäste wird, dürfte es im Saal nicht bei Folien bleiben.