Baden-Württemberg verfehlt die Vision Zero: Mehr Verkehrstote trotz weniger Schwerverletzter
Am heutigen 2.11.2026 treffen in den Nachrichten aus Tübingen und der Region große Wirtschaftsfragen, kleine Alltagskuriositäten und ernste Unfallmeldungen aufeinander. Ingemar Geiger kennt diese Mischung gut: Der SWR-Journalist arbeitet für Fernsehen, Online und Radio, berichtet über Wirtschaft, Bahn und den Nordschwarzwald und präsentiert sowie recherchiert Regio-News.
Sein Lebenslauf ist dabei so vielseitig wie die Themenliste: Geiger hat Currywurst gebraten, Musikunterricht gegeben, Unternehmen beraten und bei Edeka kassiert. Er studierte Musikpädagogik, Betriebswirtschaftslehre und Rhetorik. Seit 2021 arbeitet er in der Wirtschaftsredaktion des SWR, seit 2022 im SWR Studio Tübingen.
Arbeitsplätze, Impfstoffe und Roboter
Beim Albstädter Traditionsunternehmen Groz-Beckert, das Industrienadeln herstellt, fallen 120 Arbeitsplätze weg. Grund sind rückläufige Geschäfte und bereits laufende Sparmaßnahmen. Für die Beschäftigten ist das keine kleine Korrektur, sondern ein tiefer Einschnitt.
In Tübingen lehnte BioNTech unterdessen ein Übernahmeangebot für das CureVac-Werk ab. Eine Investorengruppe wollte dort mRNA-Impfstoffe für Jagdvögel und Rennkamele produzieren. Klingt zunächst nach einer Meldung, bei der man zweimal hinschaut. BioNTech sagte trotzdem Nein.
Eine engere Zusammenarbeit gibt es dagegen zwischen dem Metzinger Roboterhersteller NEURA Robotics und Amazon. Gemeinsam soll erreicht werden, menschenähnliche Roboter schneller trainieren zu können. Wie genau solche Maschinen künftig durch Lager und Fabriken gehen, bleibt offen – schneller lernen sollen sie jedenfalls.
Diesel auf der B28, ein Kajak im Neckar
Auf der B28 zwischen Bad Urach und Metzingen war nach einem Unfall mehrere Stunden Schluss. Ein Lastwagen verlor nach dem Zusammenstoß mit einem Auto bei Bad Urach rund 150 Liter Diesel. Die Polizei leitete den Verkehr um.
Weniger glimpflich endete ein Kajakunfall bei Reutlingen-Oferdingen: Eine 20-jährige Frau und ihr Begleiter kenterten im Neckar. Bauarbeiter holten die Frau mit einem Kran aus dem Wasser; sie wurde schwer verletzt. Das Bild vom Kran über dem Fluss dürfte den Helfern wohl noch eine Weile im Kopf bleiben.
Auch die Mofa-Gruppe „Rad der Zeit“ aus Münsingen ist unterwegs, allerdings freiwillig und mit deutlich mehr Vorlauf. Ihre neue Langstreckentour führt nach Wien. Die Fahrzeuge schaffen maximal etwa 25 Kilometer pro Stunde – Eile ist also nicht der Plan.
Vögel, Haare und 2.400 Biergläser
An der Uni Tübingen fangen Forschende Singvögel wie Meisen im Rahmen eines Beringungsprojekts. Sie wollen herausfinden, welche Arten vom Klimawandel profitieren und welche dadurch unter Stress geraten. Ein kleiner Vogel in der Hand, viele Fragen im Kopf.
Hoffnung ganz anderer Art steckt in einer Haarspendewoche in Tübingen. Freiwillige können sich die Haare schneiden lassen und sie spenden; daraus sollen Perücken für Kinder entstehen, die durch eine Krebsbehandlung ihre Haare verloren haben. Eine Medizinstudentin gab dafür 35 Zentimeter ihrer langen Haare ab. 35 Zentimeter – das ist nicht bloß ein kleiner Schnitt.
In Reutlingen steht derweil eine Sammlung, bei der vermutlich manche Gäste erst einmal staunen und dann nach dem Kühlschrank suchen: Günter Reicherter sammelt seit rund 40 Jahren Weizenbiergläser. In seinem Haus befinden sich etwa 2.400 Stück, darunter mundgeblasene und seltene Sammlergläser. Viel Glas, viel Staub vermutlich, und eine Menge Geschichten dazu.
Verkehr 2025: weniger Schwerverletzte, mehr Tote
Die Verkehrsunfallbilanz 2025 für Baden-Württemberg wurde am 13. Februar 2026 in Stuttgart vorgestellt. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Verkehrstoten um 20 Prozent, die Zahl der Schwerverletzten um rund 40 Prozent. Das Ziel der Verkehrssicherheitsarbeit bleibt „Vision Zero“: keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr.
2025 wurden 314.129 Verkehrsunfälle registriert, 2024 waren es 312.105 – ein Plus von 0,6 Prozent. Bei neun von zehn Unfällen blieb es bei Sachschäden. 42.802 Menschen wurden verletzt, 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 367 Menschen starben, nach 340 im Jahr 2024; das entspricht einem Anstieg von 7,9 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Schwerverletzten auf 5.561, nach 5.950 im Jahr 2024 – minus 6,5 Prozent und ein historischer Tiefstand.
Im Vergleich zu früher fällt der langfristige Rückgang auf: 2017 starben noch 458 Menschen bei Verkehrsunfällen, 2025 waren es 367, also 20 Prozent weniger. Bei den Schwerverletzten ging es vom Höchststand 2016 mit 8.992 auf 5.561 im Jahr 2025 zurück – um rund 40 Prozent.
Bei den 18- bis 24-Jährigen wurden 21.284 Verkehrsunfälle gezählt, etwa so viele wie 2024. Gegenüber 2016 mit 27.623 Unfällen bedeutet das einen Rückgang von rund 23 Prozent. 5.374 junge Menschen wurden leicht verletzt, 2016 waren es 7.151, rund 25 Prozent mehr. Schwer verletzt wurden 678, gegenüber 1.420 im Jahr 2016 ein Rückgang um 52 Prozent. Dennoch starben 50 junge Erwachsene, 19 mehr als 2024. Vier von zehn tödlichen Verkehrsunfällen wurden durch zu schnelles Fahren verursacht, bei weiteren 14 Prozent spielte Ablenkung eine Rolle. Deshalb gibt es Präventionsveranstaltungen an Schulen und Hochschulen.
Unter den Seniorinnen und Senioren starben 148 Menschen, 2024 waren es 127 – ein Plus von 16,5 Prozent. Ein Viertel der getöteten Seniorinnen und Senioren verunglückte beim Fahrrad- oder Pedelecfahren. Fast die Hälfte dieser getöteten Radfahrenden war ohne Helm unterwegs. 1.329 Seniorinnen und Senioren wurden schwer verletzt, kaum mehr als 2024 mit 1.326. Die Kampagne „SICHER fit UNTERWEGS“ soll ältere Menschen bei sicherer und möglichst langer Mobilität unterstützen.
Fahrräder oder Pedelecs waren an 13.073 Unfällen beteiligt, nach 12.343 im Jahr 2024 ein Anstieg um 5,9 Prozent. Bei 64,3 Prozent der Fahrradunfälle mit Personenschaden waren die Radfahrenden selbst Unfallverursacher. 60 Radfahrerinnen und Radfahrer starben, drei mehr als 2024. Fast zwei Drittel der Getöteten waren mit einem Pedelec unterwegs, mehr als die Hälfte trug keinen Fahrradhelm. Schwer verletzt wurden 1.713 Radfahrende, 2024 waren es 1.818, also 5,8 Prozent mehr.
Deutlich nach oben ging die Zahl der Unfälle mit E-Scootern und Segways: 1.978 Fälle wurden registriert, 2024 waren es 1.465 – ein Plus von 35 Prozent. In 70,1 Prozent dieser Unfälle verursachten die Fahrerinnen und Fahrer den Unfall selbst. 1.500 Menschen verunglückten, gegenüber 1.118 im Vorjahr ein Anstieg um 34,2 Prozent. 1.338 wurden leicht verletzt, 2024 waren es 990; 152 schwer, nach 121 im Vorjahr. Zehn Menschen starben, alle waren mit einem E-Scooter unterwegs. Neun der zehn Getöteten trugen keinen Helm. Bei rund 14,7 Prozent der E-Scooter- und Segway-Unfälle war mangelnde Verkehrstüchtigkeit unfallursächlich.
Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit blieb die häufigste Ursache tödlicher Verkehrsunfälle: 129 Menschen starben bei Geschwindigkeitsunfällen. 55 Todesfälle gingen auf Vorfahrts- oder Vorrangsverletzungen zurück, 46 auf mangelnde Verkehrstüchtigkeit und 36 auf Ablenkung, etwa durch Handynutzung. Von 150 gurtpflichtigen Getöteten waren 42 nicht oder nicht richtig angeschnallt.
Die Polizei registrierte rund 1,5 Millionen Geschwindigkeitsverstöße, 28.000 Fahrten unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss, 82.000 Handyverstöße, mehr als 82.000 Verstöße gegen die Gurt- und Kindersicherungspflicht sowie knapp 63.000 Abstandsverstöße.
Verkehrsüberwachung und Verkehrsunfallprävention sollen gemeinsam zur „Vision Zero“ beitragen. Die jährliche Aktions
