Chemnitz lotet die Zukunft autonomer Busse und Bahnen aus
Heute, am 4. Oktober 2026, richtet sich der Blick in Chemnitz und Zwickau auf Busse und Taxis, die ohne Fahrer unterwegs sein könnten. Die Regionen bringen dafür laut „Freier Presse“ gute Voraussetzungen mit. Die kommenden Jahre dürften für die weitere Entwicklung entscheidend werden. Schauplatz ist unter anderem die TU Chemnitz.
Im Mittelpunkt steht ein kleiner, autonomer Minibus der Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG), der zwischen herkömmlichen Bussen präsentiert wird. Das rundliche Fahrzeug ist bunt mit der Chemnitzer Esse beklebt. Dazu kommt ein einäugiges Plüschtier-Maskottchen – ein Detail, das den technischen Auftritt etwas weniger kühl wirken lässt.
Vom RoboBus zur Fachtagung
Vorgestellt wurde der Minibus von Alexander Kovalenko, Geschäftsführer der Chemnitzer Softwarefirma Staff-Eye. Gemeinsam mit Karsten Schulze präsentierte er das Fahrzeug bereits im April beim Treffen „Next Level Media“ der „Freien Presse“. Dabei waren auch Wirtschaftsminister Dirk Panter, Rechtsanwältin Martina Flade, Chemnitzer-Verlag-Geschäftsführer Daniel Daum und Chemnitz’ Oberbürgermeister Sven Schulze.
Im August ließ sich Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar im Hof des Chemnitzer Straßenbahnmuseums einen autonomen Pix Robobus vorführen. Bei der Demonstration war Operator Sydygaly Sagynbaev anwesend.
Anfang Oktober 2026 findet in Chemnitz außerdem eine Fachtagung zur Zukunft autonomer Busse und Bahnen statt. Veranstalter ist die CVAG, Tagungsort der Garagencampus. Die Eckpunkte standen am 27. September 2026 fest. Diskutiert werden die Chancen autonomer Fahrzeuge für den öffentlichen Nahverkehr in Chemnitz, die künftige Rolle autonomer Busse und Bahnen, der technische Entwicklungsstand sowie internationale Erfahrungen und Anwendungen.
Eingeladen sind Vertreter von Verkehrsbetrieben und Verkehrsverbünden, aus Politik und Wissenschaft sowie Hersteller und Systementwickler. Ab 08:00 Uhr beginnt die Ankunft mit Registrierung und Begrüßungskaffee; zugleich wird der RoboBus der staff-eye GmbH präsentiert. Um 08:50 Uhr startet der offizielle Teil, um 09:00 Uhr begrüßt Jens Meiwald, Vorstand der CVAG, die Gäste.
Es folgen um 09:05 Uhr ein Grußwort von Sören Trillenberg, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung, und um 09:15 Uhr eines von Oberbürgermeister Sven Schulze. Um 09:25 Uhr spricht Daniel Höfler von den Leipziger Verkehrsbetrieben über autonomes Fahren weltweit, internationale Unterschiede, den Stand in Deutschland und Chancen für den ÖPNV.
Anschließend widmet sich Tobias Tannenhauer von der CVAG der Zukunft autonom fahrender Straßenbahnen und Busse in Deutschland und Schweden. Um 10:35 Uhr stellt Dr.-Ing. Sebastian Reimann von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft Automatisierungskonzepte bis GoA4 am Beispiel Karlsruhe vor. Tomáš Jiřička von der Škoda Group Transportation spricht um 11:10 Uhr über den Weg von der digitalen Vision zum autonomen Fahren.
Viele Fragen, vier Foren
Um 12:10 Uhr steht ein Technik-Forum mit der Chemnitz Automated Driving Alliance und der Technischen Universität Chemnitz auf dem Programm. Zusätzlich wird autonome Shuttle-Technologie demonstriert, danach ist ein Mittagessen vorgesehen. Um 13:20 Uhr erläutert Mario Nowack von den Leipziger Verkehrsbetrieben das Ökosystem des autonomen Fahrens und die Leipziger Vision.
Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann und Prof. Dr. Stefan Brandenburg von der TU Chemnitz sprechen um 13:55 Uhr über Automatisierung und die Erwartungen von Fahrgästen. Ab 14:30 Uhr teilen sich die Gespräche auf vier Fachforen auf.
- Forum 1: „SmarTram Chemnitz“ befasst sich mit der Entwicklung autonomer Straßenbahntechnologie. Vorgesehene Referenten sind Sascha Kubin von der CVAG und Florian Joch von der Hörmann Vehicle Engineering GmbH Chemnitz. Das Forum ist ausgebucht.
- Forum 2 ist ein Praxisdialog zu Innovation, Regulierung und „made with Europe“ als Skalierungsansatz. Referent ist Alexander Kovalenko von der staff-eye GmbH.
- Forum 3 behandelt rechtliche Perspektiven, Regulierung und neue Aufgaben für Flottenbetreiber. Dazu spricht Rechtsanwalt Till Stegemann von der Rödl GmbH in Berlin.
- Forum 4 widmet sich Stakeholderkonflikten im automatisierten Nahverkehr. Referentinnen sind Dr. Josephine Halama und Dr. Madlen Günther von der TU Chemnitz.
Um 15:35 Uhr folgt die Podiumsdiskussion „Vom Testfeld in die Praxis – wann wird autonomes Fahren Alltag?“. Auf dem Podium sitzen Mario Nowack, Dr.-Ing. Sebastian Reimann, Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann, Karsten Schulze von der FDTech GmbH, Dr. Volkmar Vogel von der Hörmann Vehicle Engineering GmbH und Rechtsanwalt Till Stegemann. Gegen 16:30 Uhr soll die Veranstaltung enden.
Seit 2016 im Versuch
Ganz neu ist das Thema in Chemnitz nicht. Bereits 2016 testete die Stadt einen autonom fahrenden Kleinbus auf dem Gelände des Klinikums Chemnitz. Seitdem wurden Fahrzeuge und Steuerungssysteme weiterentwickelt. Aus dem ersten Versuch auf dem Klinikgelände ist inzwischen ein ganzer Fachtag mit Straßenbahnen, Shuttles, Rechtsfragen und internationalen Vergleichen geworden.
Auch der rechtliche Rahmen ist Schritt für Schritt gewachsen. Mit der Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) vom 28. Juli 2021 schuf Deutschland die Grundlage für automatisiertes und autonomes Fahren. Die Anpassung der EU-Verordnung 2018/858 vom 16. November 2022 ermöglicht die Genehmigung automatisierter und autonomer Fahrzeuge in Kleinserie.
Am 25. Juli 2025 erließ das Bundesministerium für Verkehr die Straßenverkehrs-Fernlenk-Verordnung (StVFernLV). Sie bildet die gesetzliche Grundlage für die Genehmigung ferngelenkter Fahrzeuge in Deutschland.
Was das KBA genehmigt
Das Kraftfahrt-Bundesamt ist die deutsche Genehmigungsbehörde für entsprechende Fahrzeuge und Fahrfunktionen. Es wirkt außerdem an der Entwicklung nationaler und internationaler technischer Anforderungen mit. Auf Antrag erteilt das KBA nationale Betriebserlaubnisse für Kraftfahrzeuge mit autonomer Fahrfunktion ab Level 4 sowie EU-Typgenehmigungen für Level-4-Fahrzeuge in Kleinserie.
Hinzu kommen Erprobungsgenehmigungen für Fahrzeuge mit automatisierter oder autonomer Fahrfunktion ab Level 3 und Genehmigungen für nachträglich aktivierbare automatisierte oder autonome Fahrfunktionen ab Level 3. Auch nationale Betriebserlaubnisse für Fahrzeuge mit ferngelenkter Fahrfunktion gehören dazu.
Zwischen bunten Folien, Plüschtier und großen Zukunftsfragen bleibt der Weg in den Alltag trotzdem ein Stück Arbeit. In Chemnitz stehen dafür nun viele Namen, Termine und Fahrzeuge auf dem Programm – und ein kleiner RoboBus, der noch nicht ganz allein durch die Stadt fährt.
