Am 11. November 2026 wird es bei der Technischen Universität Berlin um die Frage gehen, wie Unternehmen den Einstieg in die industrielle Kreislaufwirtschaft schaffen können. Das 47. BilRess-Webseminar „Circular Economy Hub Berlin“ findet von 15:00 bis 16:30 Uhr online statt. Wer dabei sein möchte, erhält den Teilnahme-Link nach der Anmeldung; die Teilnahme ist kostenlos.

Im Mittelpunkt steht der Circular Economy Hub Berlin, eine kostenfreie digitale Kompetenzplattform. Entwickelt wurde sie vom Fachgebiet Nachhaltige Unternehmensentwicklung unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Holger Kohl – im Rahmen des Masterplans Industriestadt Berlin. Die Plattform verbindet wissenschaftlich fundiertes Wissen mit praxisnahen Handlungshilfen und Good-Practice-Beispielen aus Berliner Unternehmen, darunter OpenFunk, System 180 und Vanguard.

Vom Wissen zur Anwendung

Im Webseminar wird zunächst das Projekt vorgestellt. Danach geht es um R-Strategien der Kreislaufwirtschaft und darum, wie diese in der Struktur des Hubs verankert sind. Auf dem Programm stehen außerdem die Plattform selbst und Praxisbeispiele aus der Berliner Wirtschaft. Diskutiert werden soll, ob sich der Hub auf andere Kontexte übertragen lässt und welche Anschlussprojekte seine Weiterentwicklung voranbringen könnten.

Angesprochen sind kleine und mittlere Unternehmen ebenso wie Akteurinnen und Akteure aus dem Bildungsbereich – etwa außerschulische Lernorte, Hochschulen und Lehrkräfte. Interessant ist das Seminar für alle, die sich mit ressourcenschonenden Prozessen, zirkulären Geschäftsmodellen oder der Übertragung des Hubs in eigene Bildungskontexte beschäftigen. Das Format verbindet Seminar, Workshop und Diskussion und ist als Wissenschaftskommunikation angelegt. Veranstaltungsort ist Berlin, Deutschland, auch wenn der Termin selbst online stattfindet.

Hinter dem Circular KMU Hub Berlin steht der Berliner KMU-Standortnetzwerkverbund. Beteiligt sind das NETZWERK GROßBEERENSTRAßE, der TECHNOLOGIEPARK HUMBOLDTHAIN sowie der Arbeitskreis Personal und Ausbildung des NETZWERKS MOABIT. In den drei Netzwerken sind 120 Unternehmen mit mindestens 8.400 Beschäftigten aus dem technisch-gewerblichen Bereich organisiert. Über Netzwerk- und Standortmarketing werden regelmäßig auch Unternehmen aus den jeweiligen Gewerbegebieten einbezogen, die formal keine Mitglieder sind.

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Netzwerke statt Einzelkämpfer

Der Grundgedanke dahinter ist ziemlich bodenständig: Circular Economy kann kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen, Ressourcen zu sparen und Kosten zu senken. Zugleich geht es um den Umgang mit höheren Energiepreisen und Lieferkettenengpässen. Weil Kreislaufwirtschaft in Netzwerken und nicht-linearen Systemen stattfindet, braucht es dafür Zusammenarbeit – allein dreht sich der Kreislauf eher schwer.

Das Projekt soll Unternehmen über Circular Economy informieren, sie miteinander vernetzen und mit Organisationen zusammenbringen, die entsprechendes Fachwissen anbieten. Die Wissensvermittlung erfolgt durch Vorträge, Diskussionen und Simulationsspiele. Die wachsende Kompetenz der Beschäftigten soll langfristige Verhaltensänderungen anstoßen und das Bewusstsein für Ressourceneffizienz und Kreisläufe stärken.

Geplant ist außerdem eine regelmäßige Matchmaking-Börse. Dort sollen Kontakte zu Circular Startups, Thinktanks, wissenschaftlichen Einrichtungen und weiteren Unternehmen entstehen. Kooperationsworkshops können anschließend Pilotprojekte ermöglichen, etwa zur Wiederverwendung von Verpackungsmaterialien, zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen oder zum Wiedereinsatz gebrauchter IT-Geräte. Ziel ist, dass die beteiligten Akteure eigenständig Projekte zur Schließung von Material- und Ressourcenkreisläufen identifizieren und umsetzen.

Der Business Case darf mehr sehen

Dass gute Ideen nicht automatisch groß werden, zeigt der Blick auf die Wirtschaft. Unternehmen erproben bereits Rücknahme und Reparatur, Wiederaufbereitung sowie Product-as-a-Service. Die Skalierung über Pilotprojekte hinaus bleibt jedoch eine Herausforderung. Klassische Investitionsbewertungen konzentrieren sich häufig auf kurzfristige Kosten und Erlöse und erfassen damit nicht alle wirtschaftlich relevanten Effekte zirkulärer Geschäftsmodelle.

Mehrfache Erlöse über den Produktlebenszyklus, Material- und Restwerte, Resilienz gegenüber Krisen und Preisvolatilität, strategische Wettbewerbsvorteile oder die Kosten des Nicht-Handelns bleiben dabei oft außen vor. Zirkuläre Investitionen können in herkömmlichen Bewertungen deshalb wirtschaftlich weniger attraktiv erscheinen, als sie tatsächlich sind.

WWF Deutschland und Quantis haben dafür das Framework „Zirkuläre Geschäftsmodelle fundiert bewerten. Kreislaufwirtschaft im Business Case ganzheitlich abbilden – ein Framework für bessere Investitionsentscheidungen“ entwickelt. Es umfasst 10 zirkuläre Werttreiber in den drei Dimensionen Risiko und Resilienz, Strategie und Wettbewerbsfähigkeit sowie Organisation und Ökosystem. Genannt werden unter anderem Preisvolatilität, Lieferkettenresilienz, regulatorische Übergangsrisiken, die Dauer der Kundenbindung sowie operative Lern- und Skaleneffekte.

Unternehmen sollen jene Werttreiber identifizieren, die für eine konkrete Investition relevant sind, und sie soweit möglich quantifizieren. Es geht dabei nicht um einen zusätzlichen Nachhaltigkeits-Business-Case, der irgendwo danebensteht, sondern um die Integration wirtschaftlich relevanter zirkulärer Wertbeiträge in bestehende Investitionsentscheidungen. Der Umsetzungsprozess folgt drei Schritten: Analysieren, Identifizieren und priorisieren, Integrieren.

Finance- und Sustainability-Teams können damit relevante Circular Value Drivers auswählen, bewerten und in bestehende Business Cases und Entscheidungsprozesse einbeziehen. Ein Anwendungsbeispiel beschreibt einen fiktiven Kompressorhersteller, der die Einführung eines Remanufacturing-Programms prüft. Das Projekt ist eine Kooperation von WWF Deutschland und Quantis. Quantis wurde 2006 gegründet und berät weltweit Organisationen dabei, Nachhaltigkeitsziele in messbaren Unternehmenswert zu übersetzen.

Am 22. Oktober von 11:00 bis 12:00 Uhr stellen WWF Deutschland und Quantis das Framework in einem Live-Webinar vor. Dabei geht es um die Grenzen konventioneller Investitionsbewertungen bei zirkulären Geschäftsmodellen, die Funktionsweise der Circular Value Drivers und die Anwendung des Frameworks auf konkrete Investitionsentscheidungen. Unternehmen können Rückmeldungen geben und das Framework in der Praxis testen. Kontakt: kai.schwehm@wwf.de.

Das Berliner Webseminar der TU Berlin setzt an einer früheren Stelle an: bei Wissen, Kontakten und den ersten machbaren Schritten im Betrieb. Die Veranstaltungsseite ist unter idw-online.de/de/event82578 erreichbar.