Erbschaft, Macht und Familienkonflikte: Fritz B. Simon über die Nachfolge in Familienunternehmen
An der Uni Heidelberg geht es am 15. Oktober 2026 um eine Frage, die in reichen Familien selten leise bleibt: Was passiert mit Vermögen, Verantwortung und einem Unternehmen, wenn die nächste Generation übernehmen soll? Der Psychiater Fritz B. Simon hat zahlreiche wohlhabende deutsche Familien bei Erbschaftsproblemen und familiären Konflikten beraten. Er beschäftigt sich damit, warum Streit über Vermögen und Nachfolge entsteht – und wie sich solche Konflikte vermeiden lassen.
Ein Beitrag von Daniel Hüfner und Katja Michel trägt den Titel „Eine anständige Pleite schafft Frieden in der Familie“. Veröffentlicht wurde er am 13. Oktober 2026. Grundlage ist ein Beitrag aus dem Sonderheft „Erben & Vererben“ von Capital, Oktober 2025. Im Mittelpunkt stehen die Schwierigkeiten bei der Weitergabe von Familienunternehmen: Geld, Macht, alte Verletzungen und die Frage, wer eigentlich das Steuer übernehmen soll, liegen dabei oft unangenehm dicht beieinander.
Wenn die Nachfolge zur Familienfrage wird
Bei einer Erbschaft wird nicht bloß Besitz verteilt. In Familienunternehmen geht es zugleich um Rollen, Anerkennung und Einfluss. Wer wird Nachfolger? Wer darf mitreden? Und was passiert, wenn ein Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr trägt, die Familie aber an ihm festhält? Simons Arbeit richtet den Blick auf die Dynamik hinter solchen Auseinandersetzungen.
Auf seiner Website sind lieferbare Bücher aufgelistet, die über die angegebenen Links bestellt werden können. Darunter stehen mehrere Titel, die direkt zu diesen Fragen passen: Einführung in die Theorie des Familienunternehmens, Mehr-Generationen-Familienunternehmen und Die Familie des Familienunternehmers. Auch Einführung in die Systemtheorie des Konflikts und Zirkuläres Fragen gehören zum Angebot. Der Gedanke dahinter ist nicht schwer zu erraten: In festgefahrenen Situationen muss man manchmal die Blickrichtung ändern, bevor überhaupt Bewegung entsteht.
Das Bücherverzeichnis enthält außerdem Die kommenden Diktaturen, Stalin und der Apparat. Die Organisation der Diktatur und die Psyche des Diktators, Formen (reloaded). Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen, Lockdown: Das Anhalten der Welt. Debatte zur Domestizierung von Wirtschaft, Politik und Gesundheit von H. Kleve, S. Roth und F. B. Simon sowie Der Streit ums Nadelöhr. Körper, Psyche, Soziales, Kultur. Wohin schauen systemische Berater? von Jürgen Kritz und Fritz B. Simon.
Ebenfalls aufgeführt sind Anleitung zum Populismus oder: Ergreifen Sie die Macht!, Formen. Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen, Einführung in die (System-)Theorie der Beratung, Wenn rechts links ist und links rechts, „Zhong De Ban“ oder: Wie die Psychotherapie nach China kam von M. Haaß-Wiesegart, Z. Xudong und Fritz B. Simon sowie Vor dem Spiel ist nach dem Spiel.
Systeme, Konflikte und ein langer Heidelberger Weg
Fritz B. Simon, geboren am 27. Oktober 1948 in Siegen, ist deutscher Psychiater, Psychoanalytiker, Familientherapeut und Hochschullehrer. Er studierte Medizin und Soziologie und absolvierte Ausbildungen zum Psychiater und Psychoanalytiker. Sein aktueller Schwerpunkt liegt auf Forschung und Lehre zu systemischer Therapie und Beratung.
Von 1982 bis 1989 war Simon leitender Oberarzt der Abteilung für psychoanalytische Grundlagenforschung und Familientherapie an der Universität Heidelberg. 1983 gründete er die Internationale Gesellschaft für systemische Therapie (IGST); laut dem genannten Artikel wurde sie 1985 mit dem Ziel gegründet, systemisches Denken und Handeln weiterzuentwickeln, zu vermitteln und in psychosozialen Bereichen anzuwenden. Die IGST ist Gründungsmitglied der Systemischen Gesellschaft, des deutschen Verbands für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung.
1987 habilitierte sich Simon an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg im Bereich Psychosomatik und Psychotherapie. Zwei Jahre später gehörte er zu den zehn Gründern des Carl-Auer-Verlags in Heidelberg. 1990 war er an der Gründung und am Aufbau des Heidelberger Instituts für systemische Forschung, Therapie und Beratung beteiligt. Von 1999 bis 2004 lehrte er als Professor für Führung und Organisation am Wittener Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke; seit 2004 ist er dort weiterhin als außerplanmäßiger Professor tätig.
Gemeinsam mit Helm Stierlin und Gunthard Weber zählt Simon zu den Begründern der Heidelberger Schule. Er trug maßgeblich dazu bei, die systemischen Therapieansätze der Palo-Alto-Gruppe und der Mailänder Gruppe im deutschsprachigen Raum zu verbreiten. Gunthard Weber und Fritz B. Simon arbeiten seit 1982 zusammen und waren maßgeblich an der Entwicklung der theoretischen und praktischen Grundlagen der Heidelberger Schule beteiligt. Grundlage der IGST-Weiterbildungen sind Theorie und Praxis dieser Schule, die in den 1980er-Jahren an der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit Einrichtungen in Mailand und Palo Alto entstand.
In den Jahren 2005, 2007 und 2009 führte die Zeitschrift Personalmagazin Simon als einen der „40 führenden Köpfe im Personalwesen“. Der Carl-Auer-Verlag, 1989 von zehn Psychologen, Psychiatern, Professoren, Lehrtherapeuten, Unternehmensberatern und Philosophen in Heidelberg gegründet, veröffentlicht Literatur zu systemischer Therapie und Beratung, Hypnotherapie, Management, Organisationsberatung, Sozialer Arbeit, Coaching und Supervision. Die Carl-Auer-Akademie veranstaltet unter anderem Think-Tanks, systemische Labors, Workshops, Symposien, Tagungen und Kongresse.
Vom Familienunternehmen bis zum Fahrrad
Das lieferbare Programm versammelt neben den Titeln zu Organisation, Wirtschaft und Konflikt auch Einführung in die systemische Wirtschaftstheorie von Fritz B. Simon (Hrsg.), Survival-Tipps für Adoptiveltern von C. Rech-Simon und Fritz B. Simon, Einführung in die systemische Organisationstheorie, Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus sowie Die andere Seite der Gesundheit.
Hinzu kommen Gemeinsam sind wir blöd!?, Lebende Systeme von Fritz B. Simon (Hrsg.), Meine Psychose, mein Fahrrad und ich, Mehr-Generationen-Familienunternehmen von Fritz B. Simon, Rudolf Wimmer und Torsten Groth, Radikale Marktwirtschaft von Fritz B. Simon und C/O/N/E/C/T/A, Tödliche Konflikte, Unterschiede, die Unterschiede machen, Vom Navigieren beim Driften von Gunthard Weber und Fritz B. Simon sowie Zirkuläres Fragen von Fritz B. Simon und Christel Rech-Simon.
Mehrere Titel erscheinen im Verzeichnis doppelt beziehungsweise in unterschiedlichen bibliografischen Fassungen: Einführung in die systemische Organisationstheorie, Einführung in die systemische Wirtschaftstheorie, Einführung in die (System-)Theorie der Beratung, Einführung in die Systemtheorie des Konflikts, Einführung in die Theorie des Familienunternehmens, Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus und Mehr-Generationen-Familienunternehmen. Aufgeführt ist außerdem Die Sprache der Familientherapie von Fritz B. Simon, Ulrich Clement und Helm Stierlin.
Die ausgewählten Werke als Autor beginnen mit Der Einfluss konstitutioneller Faktoren auf die Nervenleitgeschwindigkeit, der Dissertation von 1972/1973. Es folgen Die Sprache der Familientherapie (1984), Der Prozess der Individuation (1984), Klinische Epistemologie, die Habilitationsschrift von 1987, Unterschiede, die Unterschiede machen (1988), Meine Psychose, mein Fahrrad und ich (1990),
