Erste Bonner Stadtbahn aus den 1970ern wieder freigegeben
Heute, am Donnerstag, 22. Oktober 2026, gibt es für den Bonner Stadtbahnverkehr wieder einen kleinen, aber wichtigen Schritt nach vorn: Die Stadtwerke Bonn (SWB) haben die erste Stadtbahn aus den 1970er-Jahren erfolgreich geprüft und freigegeben. Weitere Freigaben sollen in den kommenden Tagen folgen.
Ab Montag, 26. Oktober, soll die Linie 66 wieder zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf verkehren. Die Ankündigung für die Vorwoche hatten die SWB noch zurücknehmen müssen, weil sich bei älteren Düwag-Fahrzeugen zusätzlicher Prüf- und Arbeitsaufwand ergeben hatte. Der Abschnitt vom Hauptbahnhof bis Bad Honnef wird werktags derzeit weiterhin vollständig mit Bussen bedient.
Alte Wagen, neue Prüfungen
Aktuell werden Stadtbahnen der ersten bis dritten Serie aus den 1970er-Jahren untersucht. Diese Fahrzeuge wurden zwischen 2012 und 2023 generalüberholt. Danach sind die Wagen der vierten Serie aus den 1980er-Jahren an der Reihe. Für alle Baureihen liegen inzwischen Bescheide der Technischen Aufsichtsbehörde vor.
Die bereits wieder eingesetzten Fahrzeuge der fünften Serie durchlaufen weiterhin ihre regelmäßigen Prüfungen. Für einen regulären Stadtbahnbetrieb müssen insgesamt 45 Fahrzeuge freigegeben werden. 15 Stadtbahnen des Typs K5000 sind von der Stilllegung nicht betroffen.
Bis November wollen die SWB möglichst viele weitere Freigaben erreichen. Nach Möglichkeit soll bis Ende November auch der Busersatzverkehr bis Bad Honnef beendet werden. Noch bleibt dort also der Bus das Mittel der Wahl – und für viele Pendlerinnen und Pendler vermutlich auch der tägliche Geduldstest.
Warum 60 Bahnen aus dem Verkehr gezogen wurden
Im Juli hatte die Technische Aufsichtsbehörde 60 von 75 Bonner Stadtbahnen aus Sicherheitsgründen stillgelegt. Auslöser waren mehrere Mängel, darunter der Einbau nicht zugelassener Bauteile. Vorausgegangen war eine technische Bestandsaufnahme aller Stadtbahnfahrzeuge, die SWB Bus und Bahn im Rahmen einer Flottenstrategie seit Monaten durchführt.
Dabei waren Unregelmäßigkeiten an mehreren B-Stadtbahnwagen aufgefallen. Drei Fahrzeuge wurden gemeinsam mit der Betriebsleitung der Stadtwerke und der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) vorübergehend außer Betrieb genommen, weil sicherheitsrelevante Komponenten betroffen waren. Am 20. Juli wurde vorsorglich beschlossen, 60 Fahrzeuge der betroffenen Baureihen aus dem Verkehr zu ziehen.
Bei der Überprüfung der Radsatzwellen zeigte sich, dass in Fahrzeugen der vierten Serie aus den 1980er-Jahren teilweise Wellen aus den 1970er-Jahren verbaut sind. Weil deren geplante Einsatzdauer teilweise überschritten wurde, gelten verstärkte Kontrollen. Die Wellen werden zerstörungsfrei geprüft; für Treib- und Laufradsatzwellen wurden kürzere Prüfintervalle festgelegt.
Bremsen, Getriebe und viel Werkstattarbeit
Weitere Defizite gab es bei der Dokumentation von Pressverbindungen. Außerdem wurden nicht originale Getriebeteile eingesetzt. Für die Pressverbindungen haben die SWB ein Überwachungssystem eingeführt, das Bewegungen der Bauteile unmittelbar erkennen soll. Dabei kommen unter anderem Verdrehmarkierungen zum Einsatz. Für die Getriebeteile wird noch eine technische Lösung erarbeitet.
Auch die Federspeicherbremsen wurden umfassend untersucht. Bei diesem System werden die Bremsbeläge mechanisch durch Federkraft an die Bremsscheibe gedrückt. Es arbeitet nach dem Fail-Safe-Prinzip und bremst daher auch bei einem Ausfall des Betätigungsmediums. Die Instandhaltung wird allerdings durch Materialengpässe, hohen Verschleiß sowie nicht mehr verfügbare oder veraltete Komponenten erschwert.
Für die 60 vorübergehend stillgelegten Stadtbahnen wurde ein angepasster Prüf- und Wiederinbetriebnahmeplan erstellt. Ein beauftragtes Gutachterteam sollte innerhalb von zwei Wochen gemeinsam mit Fahrzeugtechnik, Prüfgruppe und Werkstatt ein Untersuchungskonzept vorlegen. Darin musste stehen, durch welche technischen Maßnahmen und zusätzlichen Prüfungen ein sicherer Betrieb gewährleistet werden kann. Die Behörden sollten das Konzept über die SWB-Betriebsleitung mit hoher Priorität prüfen.
Das Werkstattteam arbeitete dafür rund um die Uhr und auch an Wochenenden an der Vorbereitung der Fahrzeuge. Die Wiederinbetriebnahme sollte voraussichtlich bis Mitte August ermöglicht werden. Parallel liefen die theoretischen und praktischen Prüfungen für eine Wiederinbetriebnahme; außerdem verhandelten die SWB Bus und Bahn mit der KVB über eine verlängerte Nutzung der 20 geliehenen Fahrzeuge.
Modernisierung bleibt auf der langen Bank
Die älteren Baureihen werden intensiv geprüft, weil ihre Betriebserlaubnis bis in die 2030er-Jahre verlängert werden soll. Die TAB steht dazu seit längerer Zeit mit SWB Bus und Bahn im Austausch. Spezialisten untersuchten in der laufenden und der folgenden Woche betroffene Bauteile mit speziellen Prüfverfahren. Die Ergebnisse sollen in ein Überwachungskonzept einfließen, das den Aufsichtsbehörden zur Genehmigung vorgelegt wird. Unter diesen Voraussetzungen könnten die Fahrzeuge in Abstimmung mit den Behörden weiterbetrieben werden.
Langfristig plant SWB Bus und Bahn eine vollständige Modernisierung. Vorgesehen sind unter anderem die Beschaffung einer neuen Radsatzpresse und einer Drehbank. Bislang nicht zertifizierte Bauteile sollen schrittweise ausgetauscht werden. Ziel ist laut SWB ein fehlerfreier Produktions- und Instandhaltungsprozess.
Während an der Uni Bonn heute weiter gelernt, diskutiert und vermutlich auch über verspätete Verbindungen geschimpft wird, steht die erste freigegebene Bahn aus den Siebzigern für den nächsten vorsichtigen Schritt. Ab Montag soll sie zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf wieder rollen. Bis Bad Honnef dauert es voraussichtlich noch ein bisserl.
Quelle: https://ga.de/bonn/stadt-bonn/stadtbahnen-in-bonn-bahnverkehr-nach-ramersdorf-angekuendigt_aid-157049567
Hintergrund: https://www.bonn.de/pressemitteilungen/juli-2026/swb-bus-und-bahn-setzt-auf-maximale-transparenz-und-sicherheit.php
