Am Universitätsklinikum Halle (Saale) übernehmen Auszubildende erstmals eigenständig die Leitung eines OP-Saals. Zwei Wochen lang gehört der OP-Bereich der Gynäkologie einem Team aus angehenden Operations- und Anästhesietechnischen Assistent:innen – kurz OTA und ATA. Ein großer Schritt, aber kein Sprung ins kalte Wasser: Erfahrene Kolleg:innen begleiten die Auszubildenden und greifen ein, wenn Unterstützung nötig ist.

Das Pilotprojekt läuft unter klaren Sicherheitsvorkehrungen. In zehn Arbeitstagen arbeiten die Teilnehmenden im Frühdienst oder in der Tagschicht und wenden Ausbildungsinhalte unter realen Bedingungen an – allerdings in einem geschützten Rahmen. Täglich wird gemeinsam reflektiert, dazu kommen regelmäßige Feedbackgespräche und eine digitale Möglichkeit für Rückmeldungen.

Feste Rollen, echte Verantwortung

Pro Schicht bilden zwei OTA-Auszubildende ein festes Team. Eine Person arbeitet steril am OP-Tisch, die andere übernimmt als „Springerin“ oder „Springer“ den unsterilen Bereich. Zusätzlich unterstützt eine ATA-Auszubildende oder ein ATA-Auszubildender die Anästhesistin oder den Anästhesisten.

Die Aufgaben werden eigenverantwortlich übernommen. Dabei geht es nicht nur um Handgriffe, Instrumente und Abläufe, sondern auch um die Zusammenarbeit in einem multiprofessionellen OP-Team, klare Kommunikation, ein verlässliches Rollenverständnis und gemeinsame Entscheidungsfindung. Im OP kann schließlich nicht jede und jeder einfach drauflosarbeiten – dort müssen die Abläufe sitzen.

Das Konzept „Schul-OP“ überträgt erstmals das bestehende Ausbildungsmodell „Schulstation“ auf den operativen Bereich. Auf einer solchen Schulstation übernehmen Pflegeauszubildende zeitweise eigenständig die Organisation und Versorgung einer Station. Mit dem Schul-OP will das Universitätsklinikum auch OTA- und ATA-Auszubildenden mehr Verantwortung und Raum für die Entwicklung ihrer beruflichen Handlungskompetenz geben.

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Projektleiterin Olivia Siemon, Lehrkraft für OTA und ATA am Ausbildungszentrum für Gesundheitsfachberufe, untersucht den Verlauf im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit. Für Initiierung, Planung, Durchführung und Evaluation ist insgesamt rund ein Jahr vorgesehen. Ob das Modell später auf weitere Auszubildende sowie andere Fachbereiche und OP-Säle ausgeweitet wird, ist perspektivisch möglich.

Was ATA und OTA im Alltag lernen

Die Berufe verbinden die direkte Arbeit mit Patientinnen und Patienten mit enger Zusammenarbeit mit Ärztinnen, Ärzten, Pflegekräften und weiteren Fachbereichen. An der ATA/OTA-Schule am Gesundheitscampus der Universitätsmedizin Frankfurt werden beide medizinisch-technischen Ausbildungen angeboten.

Anästhesietechnische Assistent:innen betreuen Patientinnen und Patienten vor, während und nach einer Narkose, bereiten Narkose- und Überwachungsgeräte vor, kontrollieren die Vitalfunktionen und unterstützen das Anästhesieteam bei Anästhesieverfahren. Auch bei Notfällen helfen sie mit. Zur Ausbildung gehören außerdem die postoperative Betreuung und Einsätze in unterschiedlichen Fachbereichen – etwa in Anästhesieabteilungen, der Notaufnahme, auf der Intensivstation oder in der Schmerzambulanz.

Operationstechnische Assistent:innen arbeiten als Teil des OP-Teams. Sie bereiten Instrumente und Materialien vor, assistieren während operativer Eingriffe, achten auf Hygienestandards und Arbeitsabläufe und sorgen mit dafür, dass der Ablauf im Operationssaal nicht ins Stocken gerät. Nach dem Eingriff folgen Nachbereitung und Dokumentation. Praktische Einsätze sind unter anderem in Operationssälen, der Endoskopie, der Zentralsterilisation und verschiedenen chirurgischen Fachbereichen vorgesehen.

Beide Ausbildungen dauern drei Jahre, beginnen jährlich am 1. Oktober und enden mit einem staatlich anerkannten Abschluss: als Anästhesietechnische Assistentin beziehungsweise Anästhesietechnischer Assistent oder als Operationstechnische Assistentin beziehungsweise Operationstechnischer Assistent. Die Vergütung erfolgt nach TVAöD-Pflege.

Voraussetzung ist ein mittlerer Bildungsabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener zweijähriger Berufsausbildung. Hinzu kommen die gesundheitliche Eignung mit ärztlichem Attest und ein Nachweis über Masernimmunität.

Am Gesundheitscampus Frankfurt gehören frühzeitige praktische Einsätze in verschiedenen Fachbereichen, moderne Medizintechnik und Unterricht durch erfahrene Dozierende aus der Praxis zum Ausbildungsalltag. Im Simulationszentrum wird interprofessionell und realitätsnah gelernt. Gute Übernahmechancen und vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es dort ebenfalls.

Ein Berufsfeld mit einheitlichem Rahmen

Der Bundestag beschloss am 7. November 2019 eine bundesweit einheitliche Ausbildung für Anästhesietechnische Assistenten und Operationstechnische Assistenten. Die Neuregelungen sollten am 1. Januar 2022 in Kraft treten; dafür musste der Bundesrat dem Gesetz noch zustimmen. Hintergrund waren der hohe Bedarf und die komplexen Aufgaben in operativen und anästhesiologischen Bereichen. Bis dahin gab es keine bundesweit einheitlichen Regelungen.

ATA und OTA arbeiten gemeinsam mit Ärzten und weiteren Fachkräften in Krankenhäusern und ambulanten Einrichtungen. Die Ausbildung umfasst theoretischen und praktischen Unterricht sowie praktische Ausbildungsanteile in Krankenhäusern und geeigneten ambulanten Einrichtungen. Vermittelt werden unter anderem die sichere Versorgung von Patienten in sensiblen Arbeitsbereichen, der fachgerechte Umgang mit Arzneimitteln, Medizinprodukten und medizinischen Geräten sowie die eigenverantwortliche Herstellung der Funktions- und Betriebsbereitschaft von Einsatzbereichen.

Dazu kommen die Assistenz für Ärzte in Anästhesie und OP und eine verständliche Kommunikation mit Patienten. Die Ausbildung endet mit einer staatlichen Prüfung, wird angemessen vergütet und führt zu einem staatlich anerkannten Abschluss.

Wer vor dem Inkrafttreten des Gesetzes eine ATA- oder OTA-Ausbildung nach den damaligen Regelungen begonnen hatte, konnte sie abschließen. Für bestehende Ausbildungsschulen und Lehrkräfte sowie für Absolventen nach den bisherigen Regelungen waren Übergangs- und Bestandsschutzregelungen vorgesehen. In Halle stehen nun die Auszubildenden selbst mitten im OP – mit sterilem Kittel, Springerdienst und ziemlich viel Verantwortung.