Am 13. Juni 2026 um 20:00 Uhr wird im Großen Hörsaal des Instituts für Theoretische Physik der Universität Heidelberg eine szenische Lesung des werks „Die Physikerinnen – weit weg vom Gleichgewicht“ von Sarah Calörtscher stattfinden. Diese anspruchsvolle Inszenierung überführt komplexe quantenphysikalische Konzepte in theatrale Denkfiguren und knüpft an Friedrich Dürrenmatts bekanntes Drama „Die Physiker“ an. Dabei wird die ethische Verantwortung der Wissenschaft, insbesondere aus einer feministischen Perspektive, in den Vordergrund gerückt. Die Veranstaltung wird von einer Diskussion über Kunst und Quantenphysik gefolgt, in der sich Sarah Calörtscher, die Regisseurin Katharina Kohler vom Nationaltheater Mannheim und Prof. Dr. Matthias Weidemüller vom Physikalischen Institut der Universität Heidelberg austauschen werden.

Sarah Calörtscher, die in Zürich an der Hochschule der Künste studierte, hat Musik, Bewegung und Dramaturgie als zentrale Elemente ihrer künstlerischen Arbeit etabliert. Ihr Ziel ist, durch die Science and Art Residency des Sonderforschungsbereichs SFB ISOQUANT neue Perspektiven auf die physikalischen Grundlagenforschung zu eröffnen. Das Programm wird von Tina Kuka, Dr. Lisa Ringena und Ursula Schöllkopf betreut und verfolgt die Idee, einen Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst zu fördern. Calörtschers Werke sind in bedeutenden Theatern wie dem Deutschen Theater in Berlin und dem Staatstheater Nürnberg uraufgeführt worden.

Ethische Verantwortung in der Wissenschaft

Die Lesung von „Die Physikerinnen“ behandelt nicht nur die theoretischen Aspekte der Quantenphysik, sondern stellt auch aktuelle gesellschaftliche Debatten in den Kontext der wissenschaftlichen Verantwortung. Insbesondere die Rückkehr zur Atomkraft wird im Hinblick auf die ethischen Implikationen dieser Technologie kritisch beleuchtet. Diese Themen sind nicht neu und finden ihren Ursprung in Dürrenmatts Drama, das 1962 uraufgeführt wurde. In „Die Physiker“ spielen drei Physiker – Möbius, Newton und Einstein – unterschiedliche Rollen in der Debatte über die Verantwortung der Wissenschaftler für ihre Entdeckungen und deren gesellschaftliche Konsequenzen.

Möbius vertritt die Ansicht, dass Wissenschaftler eine ethische Verantwortung haben; Newton sieht Wissen als öffentliches Gut und plädiert für eine Veröffentlichungspflicht. Im Gegensatz dazu argumentiert Einstein, dass die Verantwortung letztlich bei der Politik liegt. Diese divergierenden Perspektiven spiegeln die komplexe Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wider, die auch in der modernen Debatte um neue Technologien wie Gentechnik und künstliche Intelligenz relevant bleibt. Die charakterlichen Konflikte im Stück werfen Fragen darüber auf, inwieweit Forschungsergebnisse missbraucht oder verantwortungsvoll eingesetzt werden können.

Der gesellschaftliche Kontext

Die Diskussion um die Verantwortung der Wissenschaft wird vor dem Hintergrund der Wissenschaftsethik geführt. Diese beschäftigt sich mit den ethischen Standards, die innerhalb der Wissenschaft gelten, und den gesellschaftlichen Auswirkungen von Forschungsprozessen wissenschaftsethik.com. Zentrale Fragestellungen hierbei sind: Was ist ethisch vertretbar? Welche Forschungen sollten gänzlich unterlassen werden? Und welche Verantwortung tragen Wissenschaftler für die Anwendung ihrer Ergebnisse?

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Die Forschungsgemeinschaft hat bereits Instrumente wie Ethikkommissionen und Fachspezifische Ethikkodizes entwickelt, um die Herausforderungen dieser ethischen Fragen anzugehen. Insbesondere in der Medizin und Bioethik sind solche Gremien eine gängige Praxis. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, eine Balance zwischen wissenschaftlicher Freiheit und ethischer Verantwortung zu finden – ein Dilemma, das besonders in Zeiten technologischer Fortschritte immer wieder neu diskutiert wird.

Insgesamt verspricht die Veranstaltung am 13. Juni nicht nur eine fesselnde künstlerische Darbietung, sondern auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Fragen von erheblichem gesellschaftlichem Interesse. Tickets sind für 22 Euro, ermäßigt 11,50 Euro für Studierende und Schüler, über die Webseite des Nationaltheaters erhältlich.