Mecklenburg-Vorpommern plant sechste Hochschule für den öffentlichen Dienst in Güstrow und Schwerin
Am heutigen 4. November 2026 steht an der Universität Greifswald eine hochschulpolitische Nachricht aus Mecklenburg-Vorpommern im Raum: Die künftige Landesregierung plant eine sechste Hochschule. Dafür soll die Fachhochschule Güstrow zur „Hochschule für den öffentlichen Dienst“ (HöD M-V) weiterentwickelt werden – mit Güstrow als Hauptstandort und einem Außenstandort in Schwerin.
In Schwerin ist dafür das derzeit sanierte ehemalige Postgebäude im Stadtzentrum vorgesehen. Dort sollen künftig vor allem Fort- und Weiterbildungen für Landesbedienstete stattfinden. Zusätzlich sollen neue Verwaltungsstudiengänge entstehen. Oberbürgermeister Rico Badenschier begrüßte die Entscheidung und verwies auf Schwerins Bedeutung als Verwaltungsstandort.
Mehr Ausbildung im öffentlichen Dienst
An der bisherigen Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege werden derzeit Beamte für den Polizeidienst, die Rechtspflege und die allgemeine öffentliche Verwaltung ausgebildet. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig begründet den Ausbau mit dem künftigen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften.
Beim Nachwuchs für Steuerverwaltung und höheren Dienst ist Mecklenburg-Vorpommern derzeit noch auf andere Bundesländer angewiesen. Diesen Ausbildungsbedarf will das Land künftig selbst abdecken. Die Verkehrsanbindung zwischen Güstrow und Schwerin ist allerdings nicht optimal: Eine durchgehende Zugverbindung ohne Umsteigen gibt es nicht. Auch die Fachhochschule in Güstrow hat derzeit nur wenige Hundert Studierende.
Im Zuge der Reform wird der Fachbereich „Rechtspflege“ in „Fachbereich Justiz“ umbenannt. Außerdem entsteht eine neue Anwärterausbildung für Justizfachwirte und Justizfachwirtinnen. Nach fünf Jahren soll geprüft werden, ob die Reformmaßnahmen erfolgreich sind. Angaben zu Finanzierung und Zeitplan des Hochschulaufbaus liegen bislang noch nicht vor.
Bestehende Hochschulen sollen bleiben
Der Ausbau in Schwerin soll laut Schwesig nicht zulasten der fünf bestehenden Hochschulen gehen. Die Landesregierung bekennt sich zu deren Erhalt. Auch die Universitätskliniken in Rostock und Greifswald sollen weiter unterstützt werden. Beide Medizinstandorte seien wichtig für Forschung und Spitzenmedizin ebenso wie für die medizinische Versorgung der Bevölkerung.
Gemeinsam mit den anderen norddeutschen Ländern will die Landesregierung außerdem ein „Krebszentrum Nord“ schaffen. Wo dieses Zentrum entstehen soll, ist offen; entschieden ist auch nicht, ob der Standort in Mecklenburg-Vorpommern liegen wird.
Aus einem Sondervermögen des Bundes sollen 150 Millionen Euro in die Hochschulen des Landes fließen. Vorgesehen sind unter anderem Investitionen in die Mensa Süd in Rostock und in die Pflegeschule der Universitätsmedizin Greifswald. Nach Angaben des Linken-Fraktionschefs Hennis Herbst sollen zudem 1.000 Wohnheimplätze saniert oder neu gebaut werden. Wo diese Plätze entstehen, bleibt noch unklar.
In Rostock und Greifswald soll die Mietpreisbremse weiter gelten; mögliche Schlupflöcher sollen geschlossen werden. Die Grünen-Fraktionschefin Claudia Müller kündigte daneben eine bessere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft an. Eine Transfer- und Start-up-Strategie soll Unternehmensgründungen erleichtern. Die Koalitionäre wollen verhindern, dass Ideen aus Mecklenburg-Vorpommern vor allem in anderen Regionen zu neuen Firmen führen.
Was angehende Verwaltungsfachleute erwartet
Zum Studium gehören Verwaltungsrecht, Privatrecht und Arbeitsrecht, außerdem Wirtschaftswissenschaften und Verwaltungsorganisation sowie Rechnungswesen und Finanzmanagement. Wahlpflichtmodule reichen von Personalauswahl und Kindeswohl und Kindesschutz über Umsatzsteuerrecht, Wirtschaftspolitik und Statistik bis zum öffentlichen Grundstücksmanagement.
Später sind Einsätze in Ministerien des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Polizeidienststellen, Hochschulen und Landesämtern möglich. Die Tätigkeitsfelder reichen vom Bau-, Umwelt-, Ordnungs- und Haushaltsrecht über Jugend und Soziales bis zum Umweltschutz. Ebenso genannt werden Kommunal- und Schulaufsicht, Wirtschafts- und Städtebauförderung sowie Gesundheits- und Verkehrswesen.
Wer zum Ausbildungs- oder Studienbeginn 2027 starten möchte, kann sich vom 2. bis 13. November 2026 online bewerben. Das Verfahren beginnt jeweils ein Jahr vor Ausbildungs- oder Studienbeginn, eine Bewerbung ist ohne Numerus Clausus möglich. Für den heutigen 4. November heißt das: Das Bewerbungsfenster öffnet erst in zwei Tagen.
Das Auswahlverfahren läuft in zwei Stufen. Zunächst geht es um Konzentration, logisches Denken, Merkfähigkeit, sprachliche und mathematische Kompetenzen sowie räumliches Vorstellungsvermögen. Wer diesen Teil besteht, kommt in die zweite Runde mit einem kurzen Referat, einem Vorstellungsgespräch und gegebenenfalls einer Gruppensituation.
Die Fachhochschule Güstrow stellt ihren Campus auch bildlich vor. Interessierte können die Berufs- und Studienberatung außerdem auf Messen persönlich kennenlernen – eine Gelegenheit, bei der offene Fragen meist schneller verschwinden als nach zehn Tabs im Browser.
Der Themenbereich Wissenschaft und Kultur ist in den Koalitionsverhandlungen abgeschlossen. Gespräche stehen noch zu innerer Sicherheit, Kommunen, Wirtschaft und Energie an.
