Pereser See: Leipzigs größter Restsee hängt von der Wasserverfügbarkeit ab
Ein rund 1.000 Tonnen schwerer Eimerkettenbagger hat südlich von Leipzig den Tagebau Schleenhain verlassen. Zentimeter für Zentimeter bewegte sich die Maschine in das Abbaufeld Peres – mit etwa sechs Metern pro Minute. Für die Überfahrt über die Bundesstraße 176 im Landkreis Leipzig musste der Verkehr vollständig ruhen.
Die Mibrag zieht damit den letzten großen Bagger aus dem Tagebau Schleenhain ab. Zusätzlich wurden vier Antriebsstationen und ein Bandwagen verlegt. Ein ziemlich langsamer Umzug, dafür einer mit ordentlich Gewicht.
Die B176 wurde zur Baustelle
Für den Transport war die B176 gesperrt. Zum Schutz des Straßenbelags bedeckten Gummimatten und eine dicke Erdschicht die Fahrbahn. Nach der Überfahrt sollte die Straße gereinigt und besenrein übergeben werden; die Sperrung sollte am Donnerstagmorgen enden.
Die Kohleförderung in Schleenhain soll Ende 2026 auslaufen. Die verbleibenden Arbeiten sollen kleinere Bagger übernehmen. Das Vereinigte Schleenhain umfasste ursprünglich die Kohlefelder Groitzscher Dreieck, Schleenhain und Peres. Künftig wird dort nur noch im Abbaufeld Peres Braunkohle gefördert.
Seit 1949 wird im Tagebau Vereinigtes Schleenhain Kohle abgebaut. Zeitweise waren es bis zu zehn Millionen Tonnen pro Jahr. Für die Tagebaue südlich von Leipzig ist nun die schrittweise Stilllegung vorgesehen; 2035 soll die Kohleförderung in der Region vollständig enden.
Aus dem Tagebau soll ein See werden
Nach der Stilllegung werden die Flächen saniert und in eine Seenlandschaft umgewandelt. Das Leipziger Neuseenland umfasst bereits mehr als 20 Gewässer und soll weiter wachsen. Der Pereser See wäre dabei das größte Gewässer der Region: geplant sind etwa zwölf Quadratkilometer Wasserfläche, rund 430 Millionen Kubikmeter Wasser und eine maximale Tiefe von bis zu 80 Metern.
Nach Angaben der Mibrag soll die Flutung etwa ab 2039 beginnen. Ob dieser Zeitplan hält, ist allerdings offen. Sinkende Grundwasserstände und niedrige Flusspegel könnten die Flutung der drei Leipziger Tagebaurestlöcher sowie des Tagebaus Profen in Sachsen-Anhalt um mehrere Tage oder deutlich länger verzögern.
Die Grundwasserstände in Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen vielerorts aktuell etwa 50 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel. Zahlreiche Flüsse führen nach dem trockenen Sommer weiterhin deutlich weniger Wasser als üblich. In Facharbeitsgruppen wird deshalb geprüft, welche Wassermengen künftig für Flutungen verfügbar sind und welche gesetzlichen sowie ökologischen Mindestabflüsse in den Flüssen eingehalten werden müssen. Ob sich die bisherigen Zeitpläne ändern – und wie stark –, ist noch offen.
Für die Fachleute der TU Bergakademie Freiberg ist die Wasserplanung keine reine Rechenaufgabe. Jede zusätzliche Entnahme aus der Mulde oder der Weißen Elster muss zu den Flussabflüssen, den Grundwasserständen und den ökologischen Anforderungen passen. Wenn die Pegel weiter sinken, schrumpft der Spielraum.
Mehr Zeit, mehr Technik, höhere Kosten
Martin Kreßner, Bergbausanierungsexperte der TU Bergakademie Freiberg, erwartet bei geringerer Wasserverfügbarkeit längere Sanierungszeiträume, zusätzlichen technischen Aufwand und steigende Kosten. Steigt das Wasser langsamer, könnten technische Maßnahmen nötig werden, um die Böschungen zu stabilisieren.
Die Planung entfernt sich damit zunehmend von der Idee, Flutungen durch zusätzliches Flusswasser zu beschleunigen. Eine grundsätzliche Alternative zur Flutung sieht Kreßner dennoch nicht: Sobald die künstliche Entwässerung endet, steigt das Grundwasser wieder an. Am Ende bildet sich ein Restsee.
Die Mibrag hält an ihrer bisherigen Gesamtplanung fest. Für die Berechnung der Flutungsdauer verwendet das Unternehmen mehrjährige Niederschlagsreihen, in denen auch trockene Jahre berücksichtigt sind. Einige geplante Restseen werden bereits während des laufenden Betriebs geflutet. Dafür kann Wasser genutzt werden, das zur Freihaltung der Lagerstätten ohnehin abgepumpt wird.
Schwieriger dürfte die Flutung der letzten Restlöcher werden, weil dafür Wasser von außerhalb der Tagebaue benötigt wird. Nach den bisherigen Plänen sollen unter anderem die Mulde und die Weiße Elster genutzt werden. Jede Entnahme hängt dabei an der tatsächlich verfügbaren Wassermenge.
Messstellen überall – aber kein Wasser auf Knopfdruck
Wie genau sich die Wasserlage entwickelt, wird an zahlreichen Grundwasser- und Gewässermessstellen in Deutschland beobachtet. Die Messstellenliste der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe enthält überwiegend Bezeichnungen, Orts- oder Gebietsbeschreibungen und Kennziffern. Aufgeführt sind unter anderem Grundwassermessstellen, häufig mit der Abkürzung „GWM“, Pegel sowie Messstellen mit den Bezeichnungen „MP“, „OP“, „UP“ oder „Flach/Tief“.
Vertreten sind Landes- und Regionalmessstellen ebenso wie Anlagen an Wasserwerken, Deponien, Kläranlagen, Kieswerken und Verkehrswegen. Die Liste nennt Orte wie Germersheim, Worms, Trier, Dresden, Halle und Potsdam und enthält detaillierte Angaben zu Straßen, Fluren, Gewässern und technischen Anlagen.
Viele Orte erscheinen mehrfach, jeweils mit unterschiedlichen Messstellen oder Messhorizonten. Dazu gehören Jockgrim, Wörth am Rhein, Hoerdt, Leimersheim, Germersheim, Speyer, Neupotz, Rheinzabern, Karlsruhe, Kehl, Riedlingen, Altheim, Aitrach und Urlau. In den abschließenden Listenabschnitten wiederholen sich ähnliche oder identische Bezeichnungen und Kennziffern, darunter Messstellen in Boebingen, Wörth am Rhein, Rastatt, Welbergen, Vreden, Arendsee, Beverbruch, Beveringen, Bredow, Dieburg, Donstorf, Ehra-Lessien, Sattenbeuren, Hennigsdorf, Kuschkow, Langwege, Leitenbach, Lengefeld, Lettgenbrunn, Lockstaedt, Mahdel, Martfeld, Meinheim, Mülsen-St. Niclas, Nauen, Nauheim, Pfaffenhausen, Rodewald, Schoellenbach, Sehlde, Speinshart, Stolpe, Südgeorgsfehner Moor, Suttorf, Handorf, Walda, Walsen, Tappenau und Wusterhausen.
Ein weiteres PDF der Bundesanstalt für Gewässerkunde enthält überwiegend binäre und komprimierte PDF-Daten. Lesbare Nachrichteninhalte oder überprüfbare zusätzliche Angaben zur aktuellen Wasserlage lassen sich daraus nicht gewinnen.
Für den Pereser See gelten am 14.10.2026 vorerst weiterhin die bisherigen Eckdaten: Flutungsbeginn etwa 2039, rund zwölf Quadratkilometer Wasserfläche und etwa 430 Millionen Kubikmeter Wasser. Ob daraus tatsächlich der größte See des Leipziger Neuseenlands wird, entscheidet letztlich nicht nur der Baggerplan, sondern auch das Wasser, das in Mulde, Weißer Elster und Grundwasserleitern überhaupt vorhanden ist.
