PHP-Sicherheitslücke legt Webseiten von Uni Halle und Behörden in Sachsen-Anhalt lahm
An der Uni Halle waren am Donnerstag, 22. Oktober 2026, mehrere Webseiten wegen einer globalen PHP-Sicherheitslücke nicht erreichbar. Auch heute, am 23.10.2026, bleibt die Lage ein Thema: Am Vormittag waren Internetangebote von Kommunen, Kliniken und Hochschulen in Sachsen-Anhalt teilweise abgeschaltet. Betroffen waren unter anderem Dessau-Roßlau, Merseburg, der Landkreis Harz, die Universität Halle und die Hochschule Harz.
Einige Seiten gingen im Laufe des Tages schrittweise wieder online. In den betroffenen Einrichtungen blieb dennoch die Sorge vor möglichen Cyberangriffen. Der Vorfall zeigt, wie schnell eine Sicherheitslücke, die zunächst irgendwo im Hintergrund steckt, den Alltag erreichen kann: Ein Klick auf eine Behörden- oder Hochschulseite, und plötzlich bleibt der Bildschirm leer.
Warnstufe Orange, Millionen Webseiten möglich
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte am Mittwoch vor einer Welle von Cyberangriffen gewarnt und das Risiko als „außerordentlich hoch“ eingestuft. Zwei kritische Schwachstellen in der weit verbreiteten Programmiersprache PHP lösten weltweit Alarm aus. PHP läuft im Hintergrund von rund 70 Prozent aller Webseiten im Internet. Damit könnten zahlreiche Angebote von Behörden, Unternehmen und anderen Einrichtungen betroffen sein – möglicherweise Millionen Webseiten weltweit.
Die Sicherheitslücke wurde mit einem Schweregrad von 9,6 von 10 bewertet. Angreifer hätten betroffene Server aus der Ferne übernehmen und eigenen Code ausführen können. Nach der Veröffentlichung eines Sicherheitsupdates begann ein Wettlauf mit der Zeit. Das BSI empfahl, die Aktualisierung umgehend zu installieren oder Webseiten vorübergehend vom Netz zu nehmen.
Behörden, Hosting-Anbieter und Webseitenbetreiber reagierten schnell. Sicherheitsupdates wurden eingespielt, zahlreiche Seiten vorsorglich abgeschaltet. Der Chaos Computer Club (CCC) schätzt, dass die aktuellen Angriffe bislang weitgehend ins Leere laufen. CCC-Experte Jochim Selzer sagte, Deutschland sei vermutlich glimpflich davongekommen.
Kommunen ziehen vorübergehend den Stecker
Die KID Magdeburg GmbH, die 130 Kommunen in Sachsen-Anhalt berät, bestätigte die Abschaltung mehrerer Webseiten. KID-Geschäftsführer Martin Steffen bezeichnete das Vorgehen als Abwägung zwischen vorübergehender Nichterreichbarkeit und möglichen erfolgreichen Angriffen. KID ging davon aus, dass die Updates innerhalb eines Tages installiert werden und die Webseiten anschließend wieder online gehen können.
In Sachsen-Anhalt war die Webseite von Halberstadt weiterhin nicht erreichbar, während die Internetseite der Stadt Wernigerode wieder verfügbar war. Auch außerhalb des Landes wurden Online-Angebote zeitweise abgeschaltet. In Thüringen waren unter anderem die Webseiten der Staatskanzlei, der Landespolizei und des Innenministeriums offline; die meisten waren wieder erreichbar. Das Thüringer Finanzministerium war am Donnerstagmorgen weiterhin nicht erreichbar.
In Sachsen nahm unter anderem die Stadt Dresden ihre Webseite vorsorglich vom Netz und führte ein Sicherheitsupdate durch. Die Seiten der Städte Plauen und Freiberg waren am Donnerstagmorgen wieder erreichbar. Zahlreiche Länder, Kommunen und Behörden reagierten auf die Warnung, ebenso Universitäten, Krankenhäuser und Krankenkassen.
Für Privatleute meist kein direkter Angriff
Privatpersonen sind nach Einschätzung des CCC meist nicht unmittelbar betroffen. Dienste, auf deren Webseiten sie angewiesen sind, können allerdings vorübergehend abgeschaltet sein. Wer also eine kommunale Information sucht, einen Termin braucht oder auf ein Hochschulangebot zugreifen will, landet unter Umständen erst einmal vor einer leeren Seite.
Für viele Betreiber ist die Arbeit ohnehin noch nicht vorbei. Besonders kleinere Webseiten sowie Router und Firewalls müssen weiterhin aktualisiert werden. Wie groß der Aufwand ist, hängt vom jeweiligen System ab. Es ist also nicht überall mit einem einzigen Update getan.
Selzer erwartet, dass vergleichbare Sicherheitsvorfälle künftig häufiger auftreten. Künstliche Intelligenz kann Schwachstellen schneller und umfassender aufdecken. Notfallpläne und schnelle Reaktionen auf neu entdeckte Sicherheitslücken werden dadurch wichtiger – auch wenn das im Alltag zwischen Vorlesungen, Bürgeranfragen und laufenden Servern eher nach lästiger Pflicht klingt.
Eine neue Dimension der Cyberbedrohung
Der Vorfall wird als neue Dimension der Cyberbedrohung beschrieben, weil eine weit verbreitete Programmiersprache so viele unterschiedliche Angebote gleichzeitig berühren kann. Nach der Warnung des BSI mussten Einrichtungen weltweit entscheiden: sofort aktualisieren, vorübergehend abschalten oder das Risiko tragen.
Auf dem Campus der Uni Halle ist damit vorerst vor allem Geduld gefragt. Manche Angebote sind wieder erreichbar, andere noch nicht. Der digitale Zugang, sonst kaum beachtet, wird plötzlich sichtbar – gerade dann, wenn er fehlt.
