Sachsen kürzt Radwegebau trotz Bundesförderung für sichere Fernrouten
TU Chemnitz, 8.10.2026 – Sachsen will den Bau von Radwegen deutlich zurückfahren. Der Grund ist schlicht: Im sächsischen Landeshaushalt fehlt das Geld. Betroffen wären sowohl die Förderung kommunaler Vorhaben als auch Radwege entlang von Staatsstraßen.
Schon jetzt fehlen Millionen für Projekte, die den Verkehr in Städten und Gemeinden sicherer machen sollen. Für viele Radfahrer klingt das nicht nach einer kleinen Kurskorrektur, sondern nach einer Vollbremsung – und zwar dort, wo es ohnehin langsam vorangeht.
Warten neben Lastwagen und Autos
An einer Staatsstraße bei Bautzen warten Radfahrer seit Jahren auf einen eigenen Radweg. Bis dahin müssen sie sich die Straße mit Lastwagen und Autos teilen. Viel Platz bleibt da nicht, und besonders angenehm ist die Fahrt neben dem schweren Verkehr wohl kaum.
Die geplanten Kürzungen könnten dazu führen, dass weitere wichtige Radwegprojekte gestrichen werden. Gerade Vorhaben zur Verbesserung der Verkehrssicherheit geraten damit unter Druck, obwohl der Bedarf vor Ort längst sichtbar ist.
Bund setzt auf länderübergreifende Routen
Auf Bundesebene gibt es zugleich ein Förderprogramm für das Radnetz Deutschland. Gemeint ist ein bundesweites Netz national bedeutender Radrouten: Dazu gehören die zwölf D-Routen, der Radweg Deutsche Einheit (RDE) und der Iron Curtain Trail (ICT).
Die Förderung ist Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung. Sie soll CO₂-Emissionen senken, nachhaltige sowie umwelt- und menschengerechte Mobilität fördern und Qualität, Bekanntheit und Attraktivität des Radnetzes verbessern. Auch die begleitende Infrastruktur soll auf- und ausgebaut werden. Langfristig geht es um ein sicheres, lückenloses und attraktives Netz national bedeutender, länderübergreifender Radfernwege – Deutschland soll als Fahrradland für Alltag, Freizeit und Tourismus weiterentwickelt werden.
Eingerichtet hat das Programm das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, weil ein besonderes Bundesinteresse an den länderübergreifend bedeutenden Radrouten besteht. Für neue Vorhaben stehen bis zu 45 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung gilt für die Haushaltsjahre 2023 bis 2028. Zusätzlich sind bis zu 55 Millionen Euro für kurzfristig umzusetzende Projekte vorgesehen.
Was gefördert werden kann – und was nicht
Die Mittel für Infrastrukturmaßnahmen und gemeinsames Marketing werden auf Grundlage einer Verwaltungsvereinbarung zum Ausbau und zur Erweiterung des Radnetzes Deutschland vergeben. Förderfähig sind investive beziehungsweise infrastrukturelle ebenso wie nicht-investive Maßnahmen – allerdings ausschließlich an den zwölf D-Routen, am Radweg Deutsche Einheit und am Iron Curtain Trail. Andere Routen fallen nicht darunter.
- Zustandserfassung der vorhandenen Infrastruktur
- Marketing
- Verbesserung der Wegeoberflächen
- Vergrößerung der Ausbaubreite
- einheitliche Wegweisung, mindestens nach dem FGSV-Standard
- notwendige Verlegung von Strecken
- Beseitigung von Gefahrenstellen
- Schaffung sicherer Querungsmöglichkeiten
- Vermeidung von Mischverkehr mit Kraftfahrzeugen
- Bau moderner Raststätten mit Angeboten aus den Bereichen Digitalisierung und E-Mobilität
- Fahrradabstellanlagen
- vergleichbare Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur
Aktuell können keine Anträge gestellt werden. Allgemeine Informationen zum Antragsverfahren und zu den Förderbedingungen stehen im FAQ auf der Website des Bundesamts für Logistik und Mobilität. Eine Infografik erklärt das Verfahren in fünf Schritten.
Für Sachsen bleibt damit ein eigentümliches Nebeneinander: Der Bund möchte ein durchgängiges, sicheres Radnetz stärken, während im Land wegen knapper Kassen kommunale Förderungen und Radwege an Staatsstraßen gekürzt werden sollen. Bei Bautzen warten Radfahrer derweil weiter – zwischen Motorenlärm, Lastwagen und Autos.
