Heute, am 22.10.2026, geht es an der TU Berlin um Landschaften, die oft klein wirken und doch viel leisten: alpine Moore. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat ein länderübergreifendes Verfahren entwickelt, mit dem sich diese schwer zugänglichen Lebensräume einheitlicher kartieren und in ihrem Zustand erfassen lassen.

Das ist nötig, weil alpine Moore meist verstreut liegen und aktuelle, präzise Daten zu ihrer Ausdehnung und ihrem Zustand häufig fehlen. Für die Studie untersuchten die Forschenden 590 kartierte Moore in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Satellitenbilder zeigen kleinere Moorflächen

Das Modell verbindet optische und radarbasierte Satellitendaten aus den Jahren 2019 bis 2023 mit Daten aus Geländemessungen und topografischen Geländedaten. Anschließend verglichen die Forschenden die Ergebnisse mit amtlichen Moorkarten. Dabei grenzte das Modell viele Moore deutlich kleiner ab als die offiziellen Karten.

Die Abweichungen waren vor allem dort groß, wo Luftbilder auf Störungen hinwiesen. An fast 90 Prozent, beziehungsweise knapp 90 Prozent, der untersuchten Standorte waren solche sichtbaren Veränderungen zu erkennen: Bäume und Sträucher hatten sich ausgebreitet, neue Infrastruktur war entstanden, und Flächen waren für die Landwirtschaft entwässert worden – etwa zur Heuproduktion. Auch Entwässerungsgräben und Wege zeichneten sich auf den Luftbildern ab.

Erstautor Marian Schönauer zufolge lagen die vom Modell kleiner ausgewiesenen Flächen meist in Bereichen mit genau solchen sichtbaren Störungen. Die Forschenden führten die Unterschiede überwiegend auf Drainagegräben, Wege und andere Eingriffe zurück – nicht auf Modellfehler. Das macht die Sache ein Stück unangenehmer: Die kleinere Fläche könnte weniger ein Rechenproblem als ein Hinweis auf tatsächlichen Verlust sein.

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Viele Funktionen auf wenig Fläche

Simon Drollinger von der Universität Göttingen verweist auf die ökologische Bedeutung der Moore. Sie speichern langfristig Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensräume. Obwohl Moore im Alpenraum nur einen geringen Flächenanteil einnehmen, sind sie dort ökologisch relevant.

Die Studie deutet darauf hin, dass viele Moore im Alpenraum stärker beeinträchtigt sein könnten als bisher angenommen. Zu den Belastungen zählen zunehmende Erschließung, Nutzungsänderungen und Nutzungsintensivierung sowie der Klimawandel. Für Schutz und Wiederherstellung braucht es deshalb eine bessere, länderübergreifend harmonisierte Datengrundlage.

Empfohlen werden eine umfassendere Erfassung alpiner Moore und eine gezieltere Planung von Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen. Der frei zugängliche Ansatz soll regelmäßige Satellitenüberwachung ermöglichen, Feldkontrollen gezielter vorbereiten und die Aktualisierung von Moorkarten erleichtern. Ein bisschen mehr Überblick, bevor wieder irgendwo ein Weg gezogen oder ein Graben ausgehoben wird.

Alte Datenlücken, neue Werkzeuge

Dass diese Lücken nicht erst seit gestern bekannt sind, zeigt das Projekt „Alpenmoore – Erfassung der Datenlage zur Abschätzung der ökologischen Funktionen, Klimarelevanz und Biodiversität“. Es lief von Dezember 2019 bis Juni 2021. Ziel war eine alpenweite, einheitliche Zusammenstellung vorhandener Moordaten und die Identifizierung von Datenlücken.

Eine zusammengeführte Datenbasis für den gesamten Alpenraum lag bislang nicht vor. Das Projekt erstellte deshalb eine Datensynthese, um räumliche und inhaltliche Kenntnisdefizite sichtbar zu machen. Betrachtet wurden die Gliederung der Moortypen, ihre Verbreitung und Flächen sowie Zustand, Naturnähe, Degradierung, Nutzung, Pflege und Schutz. Im Mittelpunkt standen Hochmoor und Niedermoor.

Für die Recherche wurden Experteninterviews geführt, Workshops mit beteiligten Akteuren veranstaltet sowie Geodaten, Datenbanken und Fachliteratur ausgewertet. Zusätzlich befragten die Verantwortlichen Akteure zu Leuchtturmprojekten und deren Erfolgsfaktoren. Aus den festgestellten Defiziten sollte ein Konzept für ein Folgeprojekt zur Schließung der Wissenslücken entstehen: „Alpenmoore II“.

Untersucht wurde der Alpenraum in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien und Slowenien. Zum Projektgebiet gehörte außerdem das Vernetzungsgebiet Delvenau im Norddeutschen Tiefland. Beteiligt war das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz; geleitet und durchgeführt wurde das Forschungsprojekt von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und ihrem Peatland Science Centre. Weitere Themen waren Beweidung, Fernerkundung, Klimaschutz, Vernetzung und Wissenstransfer.

Die aktuelle Studie erschien 2026 in Communications Earth & Environment. Ihr Originaltitel lautet „Peatlands mapped across the European Alps with a harmonised multi-sensor workflow show widespread degradation“. Der DOI ist 10.1038/s43247-026-04036-3.

Die Datenquelle des vorausgegangenen Projekts ist die Website des Peatland Science Centre. Kontakt für das Projekt ist Prof. Dr. Matthias Drösler, Peatland Science Centre, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Telefon 08161 71-6260, matthias.droesler@hswt.de.