An der Universität Leipzig bleiben die Server nach dem Hackerangriff vom Mittwochvormittag mindestens über das Wochenende abgeschaltet. Frühestens am Montag sollen sie wieder hochgefahren werden. Zwei Tage nach dem Cyberangriff sind die IT-Systeme damit weiterhin weitgehend offline – wann sämtliche Dienste wieder funktionieren, ist offen.

Für Studierende und Beschäftigte ist das im Alltag deutlich spürbar: E-Mails können derzeit nicht zuverlässig gesendet oder empfangen werden. Die Plattformen AlmaWeb und Moodle sind für die mehr als 30.000 Studierenden nicht erreichbar. Stundenpläne, Veranstaltungsverzeichnisse, Noten und universitäre Mitteilungen bleiben damit vorerst außen vor. Auch Immatrikulationsbescheinigungen lassen sich nicht herunterladen – Dokumente, die unter anderem für BAföG-Anträge, Semestertickets und Kindergeld gebraucht werden.

Lehre läuft, digitale Abläufe stocken

Die Präsenzlehre findet weiterhin statt. Digitale Lehrveranstaltungen müssen dagegen teilweise verschoben oder über externe Plattformen angeboten werden. Vor den Hörsälen funktionieren digitale Anzeigetafeln nicht, weshalb mitunter unklar ist, wo eine Veranstaltung stattfindet. Laut StudentinnenRat können viele Studierende Seminararbeiten, Portfolios und andere prüfungsrelevante Dokumente derzeit weder hoch- noch herunterladen.

Die Universität hat die Abgabefristen für Haus- und Abschlussarbeiten sowie für Online-Abgaben bis zum 6. November verlängert. Viele Studierende wenden sich mit Fragen an den StudentinnenRat. Ein bisschen Improvisation gehört gerade offenbar zum Stundenplan.

Auch die hochschulöffentliche Vorstellung der Kandidatin für die bevorstehende Rektoratswahl soll am Freitag wie geplant stattfinden. Wegen des IT-Ausfalls wird die Veranstaltung allerdings nicht per Livestream übertragen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ersatzsysteme und Krisenstab

Die internetverbundenen Server wurden am Mittwoch vorsorglich abgeschaltet, um weiteren Schaden zu verhindern. Alle IT-Dienste und Webseiten der Universität bleiben vorerst deaktiviert; die zuständigen Behörden wurden informiert. Die Universität hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, einen Krisenstab unter Leitung von Rektorin Eva Inés Obergfell eingerichtet und einen externen IT-Notfalldienstleister beauftragt.

Unter der bekannten Adresse www.uni-leipzig.de ist eine Ersatzwebseite erreichbar. Dort informiert die Universität über die weitere Entwicklung und wichtige Fragen. Neuigkeiten erscheinen außerdem über den Instagram-Kanal der Universität. Das Universitätsrechenzentrum will Fakultäten und Einrichtungen Funktionspostfächer für eine eingeschränkte Kommunikation bereitstellen.

Fakultäten und zentrale Einrichtungen sind inzwischen über ein externes System wieder per E-Mail erreichbar. Dazu gehören unter anderem die Universitätsbibliothek, das Zentrum für Hochschulsport und das Sprachenzentrum. Die Universitätsbibliothek bleibt am Wochenende geöffnet, obwohl die digitalen Zugänge weiter fehlen.

Offen ist weiterhin, wie die Angreifer in die Systeme eindringen konnten, ob Daten abgeflossen sind und welche Hintergründe der Angriff hat. Die Informationen sollen fortlaufend auf der Ersatzwebseite und über Instagram veröffentlicht werden.

Ein Angriff in einer größeren Landschaft

Der Vorfall in Leipzig fällt in eine Zeit, in der Cyberangriffe auf Hochschulen deutlich zugenommen haben. Das Spektrum reicht laut der Studie „Cybersicherheit an Hochschulen: Föderale Ansätze und (gemeinsame) Wege“ von Phishing- und Spam-Attacken bis zu mutmaßlich staatlich gesteuerten Operationen. Cybersicherheit ist dadurch zu einem zentralen Handlungsfeld für Hochschulen und Wissenschaftspolitik geworden.

Das HIS-Institut für Hochschulentwicklung hat erstmals systematisch untersucht, wie die Bundesländer die Cybersicherheit an Hochschulen fördern. Die von Mathias Stein, Maren Lübcke und Harald Gilch verfasste Studie wurde am 1. Oktober 2025 als HIS-HE:Forum 3|2025 „Cybersicherheit an Hochschulen“ veröffentlicht. Grundlage waren eine Dokumentenanalyse sowie Befragungen von Wissenschaftsministerien und Computer Emergency Response Teams, kurz CERTs, im Sommer 2024.

Die Länder gehen dabei unterschiedlich vor. Einige verfügen über umfassende Strategien und zentrale Anlaufstellen, andere setzen stärker auf autonome Lösungen der einzelnen Hochschulen. Unterschiede zeigen sich bei der Verankerung von Zuständigkeiten, bei Unterstützungsleistungen und bei der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Landesstrukturen. CERTs sind häufig für Hochschulen zuständig, werden von diesen aber nur in geringem Umfang genutzt.

Den Handlungsrahmen prägen unter anderem die NIS-2-Richtlinie, Landes-IT-Gesetze und die Vielfalt föderaler Zuständigkeiten. Die Studie versteht Cybersicherheit deshalb nicht nur als technische Frage. Hochschulen sollen Krisenmanagementprozesse etablieren und Zuständigkeiten klar regeln; Ministerien sollen Unterstützungsstrukturen bereitstellen und den institutionellen Rahmen schaffen. Länderübergreifende Kooperation und systematischer Wissenstransfer gelten als wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz.

Untersucht wurden Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die Studie behandelt Ziele und Methodik, Cyberangriffe und Bedrohungslage, rechtliche Grundlagen und föderale Zuständigkeiten, die Befragungen von Ministerien und CERTs, ministerielle Cybersicherheitsansätze, CERT-Unterstützungsleistungen, die Situation in allen 16 Bundesländern sowie übergreifende Erkenntnisse.

Während an der TU Dresden heute, am 30.10.2026, der Hochschulalltag weiterläuft, bleibt in Leipzig vorerst vieles analog, provisorisch oder schlicht nicht erreichbar. Am Wochenende also: Bibliothek offen, Server aus.