Ein Hautkrebs, der noch gar nicht zu sehen ist: Forschende am Universitätsklinikum Erlangen haben ein KI-gestütztes Verfahren erprobt, das solche verborgenen Basalzellkarzinome in äußerlich unauffälliger Gesichtshaut aufspüren soll. Entwickelt wurde SUBSCAN von einem Team um Dr. Moritz Ronicke am Universitätsklinikum Erlangen, im Umfeld der FAU Erlangen-Nürnberg.

Basalzellkarzinome sind weltweit die häufigste Hautkrebsform und treten besonders häufig im Gesicht auf. Anders als ein Melanom bilden sie nur selten Metastasen beziehungsweise im Regelfall keine. Harmlos sind sie deshalb nicht: Sie können sich lokal ausbreiten, umliegendes Gewebe zerstören und dadurch etwa Nase oder Augen beeinträchtigen – mit funktionellen und ästhetischen Folgen.

Ein Scanner für die unauffällige Haut

SUBSCAN verbindet künstliche Intelligenz mit der „Line-Field Confocal Optical Coherence Tomography“, kurz LC-OCT. Das Verfahren kombiniert optische Kohärenztomografie mit konfokaler Mikroskopie. Es erzeugt vertikale, horizontale und dreidimensionale Echtzeitbilder bis in den Mikrometerbereich. Die KI analysiert diese Aufnahmen direkt und markiert auffällige Strukturen farbkodiert nach der Wahrscheinlichkeit eines Basalzellkarzinoms.

Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Untersuchungen: Nicht nur sichtbare oder unklare Hautveränderungen werden betrachtet. Gescannt wurde systematisch die gesamte Gesichtshaut von Menschen mit erhöhtem Risiko – auch dort, wo Ärztinnen und Ärzte mit bloßem Auge nichts Verdächtiges erkennen konnten. Die endgültige Diagnose bleibt trotzdem beim medizinischen Fachpersonal. Die KI liefert Hinweise auf mögliche Tumormuster, sie ersetzt weder die ärztliche Beurteilung noch die Gewebeuntersuchung.

Zwischen April und Oktober 2025 wurden am Universitätsklinikum Erlangen 150 stationär behandelte Personen untersucht: 57 Frauen und 93 Männer, im Durchschnitt 72,9 Jahre alt. Alle hatten mindestens zwei etablierte Risikofaktoren für Basalzellkarzinome. Sichtbar verdächtige Hautstellen wurden ausgeschlossen, danach begann der systematische Scan der äußerlich unauffälligen Gesichtshaut.

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Bei 14 Personen, also bei 9,3 Prozent der Teilnehmenden, entdeckte SUBSCAN insgesamt 17 zuvor nicht sichtbare, sogenannte subklinische Basalzellkarzinome. Die KI stufte zunächst 18 Läsionen als verdächtig ein. 15 davon wurden durch Gewebeproben histologisch als Krebs bestätigt, bei einer weiteren Stelle stellte sich eine aktinische Keratose heraus. Zwei Personen lehnten eine Biopsie ab; eine unabhängige Expertin bestätigte die Bilddiagnosen anhand der Aufnahmen.

Viele Treffer, aber noch kein Freibrief

Der positive Vorhersagewert aller 18 Verdachtsbefunde lag zunächst bei 83,3 Prozent. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 58,1 bis 96,4 Prozent. In einer Sensitivitätsanalyse, in der die beiden nicht biopsierten Fälle einbezogen wurden, ergab sich ein positiver Vorhersagewert von 94,4 Prozent.

Auch die Einordnung der Tumorformen gelang häufig: Von den 17 entdeckten Karzinomen waren 13 oberflächlich, drei knotig und eines infiltrierend. In 13 von 15 histologisch bestätigten Fällen stimmte die per Bildgebung bestimmte Tumorform mit dem Gewebebefund überein. Die Methode klassifizierte die Subtypen damit mit einer Genauigkeit von 86,7 Prozent.

Gerade die oberflächlichen Formen könnten von einer frühen Entdeckung profitieren. Sie müssen nicht grundsätzlich operiert werden und lassen sich unter Umständen mit äußerlich angewendeten Medikamenten, Cremes, Kryotherapie oder photodynamischer Therapie behandeln. Knotige oder infiltrierende Tumoren müssten dagegen weiterhin operiert werden. Ob SUBSCAN tatsächlich Operationen verhindert, hat die Studie allerdings nicht untersucht.

Und dann ist da die große offene Frage der Sensitivität. Die gesamte unauffällige Haut wurde nicht vorsorglich biopsiert – aus ethischen Gründen. Deshalb lässt sich nicht sagen, wie viele tatsächlich vorhandene Tumoren der Scan übersieht. Der positive Vorhersagewert beschreibt nur, wie häufig ein markierter Verdacht tatsächlich ein Karzinom ist, nicht, wie viele Krebsherde unentdeckt bleiben.

Machbarkeit statt Routineuntersuchung

Nach Angaben des Forschungsteams handelt es sich um die erste Studie zu vollständig subklinischen Basalzellkarzinomen. Frühere Untersuchungen mit verwandten Verfahren befassten sich mit unklaren oder unspezifischen Hautveränderungen, nicht mit vollständig unauffälliger Haut. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, ist methodisch aber ein ziemlich großer Schritt.

Noch ist SUBSCAN eine Machbarkeitsstudie. Der Zeitaufwand für die Untersuchung ist derzeit zu hoch für einen routinemäßigen Einsatz. Offen bleibt außerdem, ob durch das Auffinden kleiner Läsionen eine Überdiagnostik entsteht – also die Behandlung von Veränderungen, die vielleicht nie klinisch relevant geworden wären. Unklar ist ebenso, welche Patientengruppen am meisten profitieren und in welchen Abständen Nachuntersuchungen stattfinden sollten.

Weitere prospektive Studien mit festgelegten Nachuntersuchungen sollen die Zuverlässigkeit, die Kosten und den tatsächlichen gesundheitlichen Nutzen einer früheren Diagnose klären. Auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis wurde bislang nicht untersucht. Erst wenn diese Punkte beantwortet sind, lässt sich beurteilen, ob aus dem technisch spannenden Ansatz ein alltagstaugliches Angebot für Menschen mit erhöhtem Hautkrebsrisiko wird.

Derzeit erkennt SUBSCAN außerdem ausschließlich Basalzellkarzinome, nicht Plattenepithelkarzinome oder Melanome. Für deren Früherkennung wären zusätzliche KI-Modelle erforderlich. Die Studie wurde am 19. August 2026 online in JAMA Dermatology veröffentlicht, DOI: 10.1001/jamadermatol.2026.2992.