TUM, ETH und WHU prägen die Start-up-Landschaft im DACH-Raum
Wer an der WHU auf dem Campus über Start-ups spricht, landet schnell bei großen Zahlen. Eine neue Studie zeigt nun, wie stark einige wenige Hochschulen die Gründungslandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz prägen. Untersucht wurden mehr als 51.000 Start-ups, die zwischen 2014 und 2024 gegründet wurden, sowie 437 akademische Institutionen.
Die „Entrepreneurial Impact Study 2026“ entstand unter Beteiligung von Forschenden der Technischen Universität München (TUM), der ETH Zürich und der Universität Innsbruck. Veröffentlicht wurde sie 2026 von Forschenden der TUM unter dem Titel „Entrepreneurial Impact of Academic Institutions 2026 in DACH Region: Deep Dive Analysis“. Vorgestellt wurde die Studie beim TUM Entrepreneurship Day. Sie baut auf der 2023 gestarteten „Entrepreneurship Impact Study“ auf und schaut nicht bloß auf die Zahl der Gründungen, sondern auch auf Überlebensraten, Arbeitsplätze, Finanzierung sowie Bildungs- und Berufswege der Gründerinnen und Gründer.
Die zehn gründungsstärksten Hochschulen
Für den Zeitraum 2014 bis 2024 ergibt sich folgende Rangliste:
- TU München: 1.116 Start-ups
- ETH Zürich: 1.022
- Universität St. Gallen: 845
- WHU: 712
- TU Berlin: 679
- RWTH Aachen: 560
- LMU München: 520
- Universität Zürich: 461
- Humboldt-Universität zu Berlin: 427
- EPFL: 425
Die gerundeten Werte erzählen dieselbe Geschichte: An der TUM wurden rund 1.100 Start-ups gegründet, an der ETH rund 1.000 und an der Universität St. Gallen rund 850. Das Gründungsgeschehen konzentriert sich also auf relativ wenige Hochschulen. ETH Zürich, TUM und Universität St. Gallen zählen sowohl bei den Gründungszahlen als auch bei den noch aktiven Unternehmen durchgehend zu den führenden Institutionen. Sechs der zehn Hochschulen mit der höchsten Aktivität bei aktiven Start-ups sind technische Universitäten.
Die Größe der Hochschulen wurde bei der Auswertung berücksichtigt – mit Daten zu Studierenden, Beschäftigten und Budgets. Pro 1.000 Studierende lag die WHU mit 350 Start-ups an der Spitze. Bei der Zeit bis zur Gründung schnitten mehrere Hochschulen ebenfalls auffällig kurz ab: An der HHL Leipzig Graduate School of Management lagen im Schnitt 4,4 Jahre zwischen Abschluss und Gründung, an TUM und WHU jeweils 4,7 Jahre.
Für die Zuordnung der Unternehmen zu Hochschulen wurden verschiedene Quellen zusammengeführt. Dazu gehörten in Deutschland StartupDetector, in Österreich der Austrian Startup Monitor sowie in der Schweiz Startupticker.ch und Startup.ch. Ergänzend flossen Dealroom, PitchBook, Crunchbase, LinkedIn und Unternehmenswebseiten ein.
Viele Jobs, klare Branchenprofile
Bei den Arbeitsplätzen wird die Sache noch greifbarer. Start-ups mit Verbindung zur TUM, zur WHU, zur Universität St. Gallen und zur ETH Zürich stehen jeweils für mehr als 20.000 Arbeitsplätze. Nach den Angaben der Studie entfallen auf die TUM etwa 25.500, auf die WHU etwa 25.000, auf die Universität St. Gallen etwa 21.500 und auf die ETH Zürich etwa 21.000 Arbeitsplätze. TUM und WHU liegen damit an der Spitze.
Unternehmenssoftware ist mit mehr als 30.000 Arbeitsplätzen der größte Beschäftigungstreiber im DACH-Raum. Verkehr, Energie und Fintech folgen mit jeweils mehr als 25.000 Arbeitsplätzen. Start-ups aus der Softwarebranche schufen die meisten neuen Stellen; auch Verkehr, Energie und Finanztechnologie spielen eine wichtige Rolle.
Regional sieht das Bild unterschiedlich aus. In Deutschland liegen Unternehmenssoftware und Verkehr vorn. Die Schweiz konzentriert sich vor allem auf Fintech und Gesundheit. Österreich zeigt eine starke Konzentration auf energiebezogene Gründungen, daneben ist auch Unternehmenssoftware wichtig. Bei den Finanzierungsvolumen erreichen Fintech, Gesundheit und Unternehmenssoftware die höchsten Werte. Verkehrs-Start-ups kommen im Durchschnitt auf die höchsten Finanzierungsbeträge pro Unternehmen.
Teams mit mindestens einer Gründerin oder einem Gründer von der TUM, der Universität St. Gallen oder der WHU gründeten besonders häufig Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden. Das sind die Stellen, die später nicht mehr nach Seminarraum aussehen, sondern nach Büroflur, Schichtplan und ziemlich viel Kaffee.
Erst Berufserfahrung, dann die eigene Firma
Zwischen Studienabschluss und Gründung liegen im Durchschnitt rund sechs Jahre. 37 Prozent starten innerhalb der ersten zwei Jahre nach dem Studium; eine weitere Darstellung der Studie spricht von fast 40 Prozent. Unternehmensgründungen folgen damit häufig auf mehrere Jahre Berufserfahrung. Gründerinnen gründen im Schnitt etwa ein Jahr früher als Gründer.
Deutsche Gründerinnen und Gründer starten durchschnittlich früher als jene in der Schweiz oder Österreich. Zwischen den DACH-Ländern liegen beim Zeitraum bis zur Gründung Unterschiede von bis zu 1,8 Jahren; Deutschland liegt im Schnitt etwa ein Jahr vor der Schweiz. Die längere Zeitspanne in der Schweiz könnte teilweise damit zusammenhängen, dass an der ETH Zürich während einer hochschulisch unterstützten Pre-Seed-Finanzierung keine Gesellschaft formell gegründet werden kann.
Viele Gründerinnen und Gründer waren zuvor bei Großunternehmen, Beratungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Technologieanbietern beschäftigt. Häufig genannte frühere Arbeitgeber sind Siemens, Bosch, BMW Group, EY, Credit Suisse/UBS, McKinsey & Company und SAP. Viele kamen aus etablierten Unternehmen, oft aus DAX-Konzernen oder Unternehmensberatungen; die IT-Branche stellte dabei einen kleineren Anteil.
Die meisten Gründerinnen und Gründer haben einen Masterabschluss. Promovierte sind überdurchschnittlich häufig unter den Gründern finanzierter Start-ups vertreten und in forschungsintensiven Bereichen wie Gesundheit und Biotechnologie. Technische und private Hochschulen bringen besonders viele Absolventinnen und Absolventen hervor, die innerhalb von fünf Jahren nach dem Abschluss gründen.
Auch bei den Branchen zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Gründerinnen sind in den untersuchten Daten häufiger in konsumentennahen Feldern wie Mode, Lebensmitteln und Bildung vertreten. Gründer arbeiten häufiger in technologie- und B2B-orientierten Bereichen, etwa Fintech und Unternehmenssoftware.
Kapital liegt nicht überall gleich dicht
Die TUM führt beim insgesamt eingeworbenen Kapital. Ihre Start-ups sammelten rund 8,6 Milliarden Euro ein. Dahinter folgen die Universität St. Gallen mit 6,6 Milliarden Euro und die WHU mit 6,1 Milliarden Euro. Die ETH Zürich bringt dagegen die meisten finanzierten Start-ups hervor.
Die Finanzierung ist stark konzentriert: Mehr als 40 Prozent der finanzierten Start-ups erhalten weniger als eine Million Euro. Rund zehn Prozent kommen auf Finanzierungsrunden von mehr als 20 Millionen Euro. Etwa 200 DACH-Start-ups haben insgesamt mehr als 50 Millionen Euro eingeworben. Die erste eigenkapitalbasierte Finanzierungsrunde erfolgt im Durchschnitt rund 1,3 Jahre nach der Gründung; beim Zeitraum bis zur ersten Finanzierung gibt es kaum Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Beim Median der Finanzierung liegt die WHU mit 4,4 Millionen Euro vorn. Den höchsten Durchschnittswert pro Unternehmen erzielt die LMU München mit 33,2 Millionen Euro. Die meisten Investitionen fließen in Finanztechnologie, Gesundheit und Software. Ein kleines Feld, ein paar sehr große Runden – und dazwischen viele Teams, die mit weniger als einer Million Euro auskommen müssen.
Am heutigen 25.09.2026 ist die Studie deshalb auch für den Standort WHU interessant: Die Hochschule liegt mit 712 Gründungen auf Platz vier, zählt bei den geschaffenen Arbeitsplätzen zur Spitzengruppe und erreicht pro 1.000 Studierende die höchste Gründungsquote. Dazu kommt ein vergleichsweise kurzer Weg vom Abschluss zur eigenen Firma. Wer hier über den Campus läuft, trifft also nicht nur auf Businesspläne und Pitchdecks, sondern auf ein Muster, das sich in Zahlen ziemlich deutlich abzeichnet.
