Am Münchner Flughafen ist heute, am 22. Oktober 2026, das TUM RoboGym eröffnet worden. Das Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) der Technischen Universität München (TUM) und NEURA Robotics wollen dort verkörperte künstliche Intelligenz trainieren und erforschen. Der Name klingt ein bisschen nach Fitnessstudio für Maschinen – und ganz falsch ist das nicht: Roboter üben in eigens eingerichteten Trainingszellen Fähigkeiten und Abläufe.

Das Zentrum liegt am LabCampus, startet auf 2.300 Quadratmetern im TUM Convergence Center und soll zeitnah erweitert werden. Geplant ist, dass ab Mitte 2026 eine große Flotte humanoider Roboter unter realen Bedingungen trainiert. Zum Auftakt investieren die Partner rund 17 Millionen Euro, davon trägt NEURA Robotics etwa 11 Millionen Euro.

48 Zellen für Robotertraining

In zunächst 48 Trainingszellen sollen rund 100 humanoide und Service-Roboter lernen. Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf industriellen Anwendungen und der Intralogistik. Es geht also um jene Abläufe, bei denen Waren, Behälter und andere Dinge zuverlässig bewegt werden müssen – nicht spektakulär, aber für Fabriken und Logistikzentren enorm wichtig.

Während die Roboter hantieren, greifen, navigieren und Abläufe wiederholen, entstehen große Datenmengen. Sie sollen helfen, Maschinen sicherer und zuverlässiger einzusetzen. Dafür verfügt das RoboGym zusätzlich über umfangreiche Rechenleistung, mit der KI-Modelle trainiert und Computersimulationen durchgeführt werden können. Trainingszellen, Rechenleistung und Simulationen bilden gemeinsam eine Art Kreislauf: ausprobieren, Daten sammeln, auswerten, erneut trainieren.

Die erzeugten Trainingsdaten sollen größtenteils über das Neuraverse, NEURAs hardwareübergreifende Plattform, der Robotik-Community zugänglich gemacht werden. Das Ziel dahinter ist ziemlich praktisch: realitätsnahe Daten sollen Robotern helfen, sicherer zu lernen und Fähigkeiten schneller zu skalieren.

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Forschung, Ausbildung und Industrie

Das RoboGym soll Europas größtes Forschungs- und Trainingszentrum für „Physical AI“ werden. Forschende und Studierende erhalten dort eine Infrastruktur, um neue Ansätze in Robotik und künstlicher Intelligenz zu entwickeln und zu erproben. Perspektivisch soll das Zentrum auch Industriepartnern und Start-ups offenstehen.

TUM und NEURA verbinden akademische KI-Forschung mit Robotiktechnologie. Daraus sollen Impulse für Forschung, Ausbildung und industrielle Entwicklung entstehen. Langfristig steht sogar die Grundlage für ein weltweit nutzbares Betriebssystem für Roboter im Raum. Mit dem Projekt verknüpfen die Partner außerdem den Anspruch, den Innovationsstandort Deutschland und Europa im Bereich Physical AI zu stärken.

NEURA Robotics wurde 2019 von David Reger in Metzingen gegründet. Das Unternehmen entwickelt Industrie- und Haushaltsroboter nach einem einheitlichen „One-Device“-Ansatz. Nach Angaben von NEURA können die kognitiven Roboter sehen, hören, fühlen, autonom handeln und aus Erfahrung lernen. Die dafür erforderlichen technologischen Komponenten, einschließlich der künstlichen Intelligenz, entwickelt das Unternehmen nach eigenen Angaben selbst.

Warum jetzt?

Physical AI, Embodied AI und KI-basierte Robotik verändern die Automatisierung. Roboter sind nicht mehr bloß Maschinen, die starr ein vorgegebenes Programm abspulen. Sie sollen ihre Umgebung wahrnehmen, aus Erfahrungen lernen und autonom handeln können. Genau dafür braucht es Trainingsdaten aus Situationen, die näher an der Wirklichkeit liegen als eine reine Computersimulation.

Der Druck kommt nicht nur aus den Laboren. Fachkräftemangel, demografischer Wandel sowie steigende Anforderungen an Produktivität und Effizienz treiben die Entwicklung an. Gleichzeitig wird der globale Wettbewerb in der Robotik vor allem von China, den USA und Europa geprägt.

Deutschland bringt dafür einige gute Karten mit: eine starke Industrie, viel Automatisierungskompetenz sowie Erfahrung in Maschinenbau und Sensorik. Entscheidend sind dabei aber nicht nur humanoide Roboter, auch wenn sie auf Bildern natürlich sofort ins Auge springen. Größere wirtschaftliche Chancen und langfristige Wertschöpfung liegen besonders in den Grundlagen dahinter – in künstlicher Intelligenz, Software, Daten, Sensorik und Halbleitern.

Die entsprechende Studie „KI meets Robotik“ erstellte das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA im Auftrag des FERI Cognitive Finance Institute. Im RoboGym bekommt diese Entwicklung nun einen Ort mit Trainingszellen, Rechenleistung und echten Versuchsabläufen. Zwischen Flughafenbetrieb, Datenströmen und dem leisen Surren von Maschinen soll dort gelernt werden, was Roboter künftig können müssen.

Quelle: Logistik Heute
Weitere Informationen: NEURA Robotics
Studie: Fraunhofer IPA