UKL legt Grundstein für 129-Millionen-Euro-Neubau der Strahlentherapie
Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) ist am 1. Oktober 2026 der Grundstein für den zweiten Bauabschnitt von Haus 7 gelegt worden. Auf einer bislang als Parkplatz genutzten Freifläche an der Liebigstraße, zwischen Haus 7 und dem Institut für Pathologie, wächst damit ein Neubau heran, der die Strahlentherapie, Bereiche der Inneren Medizin, Neurochirurgie und Radiologie sowie weitere medizinische Einrichtungen aufnehmen soll.
Rund 129 Millionen Euro kostet das Projekt. Das Geld kommt aus Mitteln des Freistaats Sachsen. Für das UKL ist es derzeit das größte einzelne Bauvorhaben – und zugleich ein ziemlich sichtbarer Schritt: Der Erweiterungsbau wird direkt an das 2018 eröffnete Haus 7 angeschlossen. Durchbrüche auf allen ober- und unterirdischen Ebenen sollen beide Gebäude verbinden. Entlang der Liebigstraße entsteht so ein zusammenhängender Klinikkomplex.
Mehr Platz für Tumormedizin und Innere Medizin
Geplant sind rund 9.600 Quadratmeter Nutzungsfläche auf fünf Etagen und zwei Untergeschossen. Die bauliche Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2029 vorgesehen. Das Gebäude schließt die letzte bauliche Lücke südlich der Liebigstraße und soll vor allem die Modernisierung der Tumormedizin am UKL vervollständigen.
Hauptnutzerin wird die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie. Sie ist derzeit noch in der Stephanstraße am Rand des Campus untergebracht und soll in den Neubau umziehen. Vorgesehen sind Bereiche für Bildgebung und Bestrahlungsplanung, fünf Linearbeschleuniger, ein strahlentherapeutischer Ambulanzbereich und eine Station mit 42 Betten. Wegen dieser Linearbeschleuniger gelten beim Bau hohe Anforderungen an den Strahlenschutz.
Ein Teil der Geräte kommt in ein Untergeschoss. Im Erdgeschoss sind die hämatologische Tagesklinik, Ambulanzflächen für Rheumatologie und Endokrinologie, außerdem Bereiche für Infektiologie und Hämostaseologie sowie das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) vorgesehen. In der ersten Etage sollen die strahlentherapeutischen und radiologischen Ambulanzen liegen. Weitere Geschosse nehmen Bettenstationen der Strahlentherapie und der Inneren Medizin, Dienst- und Besprechungsräume sowie einen Sportraum auf.
Bei der Inneren Medizin geht es konkret um Betten der Rheumatologie, Endokrinologie und Nephrologie. Die Radiologie erhält zusätzliche Flächen, auch die Neurochirurgie soll im Neubau vertreten sein. Geplant sind daneben weitere Ambulanzen, Konferenzräume und Flächen für medizinische Abläufe, die im Klinikalltag meist erst auffallen, wenn sie fehlen.
Ein Krebszentrum, kurze Wege und neue Technik
Im angrenzenden ersten Bauabschnitt von Haus 7 befinden sich bereits das Universitäre Krebszentrum Leipzig (UCCL), die zentrale Anlaufstelle für Tumorpatienten, die onkologische Tagesklinik und die Kinderonkologie. Durch den Erweiterungsbau sollen weitere Bereiche der Krebsdiagnostik und -behandlung räumlich zusammenrücken. Die Krebsmedizin ist am UKL seit 2012 im Universitären Krebszentrum gebündelt.
Der Hintergrund ist nüchtern und drängend zugleich: Wegen der alternden Bevölkerung steigt die Zahl der Krebserkrankungen, während Diagnostik und Behandlung stärker auf einzelne Patientinnen und Patienten zugeschnitten werden. Die Strahlentherapie soll dafür moderne Bildgebung, adaptive Bestrahlungsverfahren und digital unterstützte Planungsprozesse nutzen können. Viel Technik, ja – aber am Ende geht es um möglichst genaue Abläufe und weniger Wege durch den Campus.
Wie weit sich solche Verfahren entwickeln, zeigt ein Blick nach Freiburg. Dort sind seit Ende Juli 2024 erstmals in Deutschland zwei Linearbeschleuniger der neuesten Generation klinisch im Einsatz. Der erste war ein Jahr zuvor in Betrieb gegangen; mit ihm wurden bereits mehr als 500 Patient*innen behandelt.
Die ETHOS™-Linearbeschleuniger des Herstellers Varian, eines Siemens-Healthineers-Tochterunternehmens, fertigen vor jeder Behandlung hochauflösende 3D-CT-Bilder an. Die Aufnahme dauert rund sechs Sekunden und ist nach einmaligem Luftanhalten abgeschlossen. Die Bildgebung ist damit deutlich schneller als bei herkömmlichen Linearbeschleunigern, Auflösung und Kontrast sind höher; die Bildqualität kommt nahezu an die herkömmlicher CT-Geräte heran.
Auf Grundlage dieser aktuellen Bilder kann ein Bestrahlungsplan mithilfe künstlicher Intelligenz innerhalb weniger Minuten für jede Sitzung neu berechnet und millimetergenau angepasst werden. Die „online-adaptive Bestrahlungsplanung“ berücksichtigt die jeweils aktuelle Anatomie. Das kann helfen, wenn Tumore nahe an empfindlichen, beweglichen Organen liegen oder sich die Lage des Zielgewebes verändert. Bisher wurde die CT-Bildgebung für die Bestrahlungsplanung in der Regel einmal vor Beginn der Strahlentherapie durchgeführt.
Die Freiburger Geräte rotieren fünfmal schneller als herkömmliche Linearbeschleuniger. Dadurch können Tumorgewebe stärker bestrahlt und Risikoorgane sowie umliegendes Gewebe besser geschont werden. Die Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg ist bundesweit die erste Einrichtung mit zwei Geräten dieser Generation. Welche konkrete Ausstattung später in Leipzig eingesetzt wird, ist damit nicht gesagt – der Neubau schafft aber die räumlichen Voraussetzungen für moderne Strahlentherapie.
Ein Baustein der Leipziger Masterplanung
Der zweite Bauabschnitt ist Teil der langfristigen Masterplanung der Universitätsmedizin Leipzig. Bis Ende der 2030er-Jahre sollen mehr als 100.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche neu gebaut oder saniert werden. Dafür sind insgesamt mehr als eine Milliarde Euro vorgesehen. Der jetzige Erweiterungsbau wirkt vor diesem langen Horizont fast wie ein einzelner Stein – kostet allerdings allein schon rund 129 Millionen Euro.
Parallel laufen weitere Vorhaben auf dem Medizincampus. Hinter dem Verwaltungsgebäude Haus B wird das Fundament für eine neue, zentralisierte Klinik für Nuklearmedizin gelegt. Auch dieses Projekt wird maßgeblich aus Mitteln des Freistaats Sachsen finanziert. An weiteren Stellen beginnen Tiefbauarbeiten. Wegen medizinischer Entwicklungen und der Krankenhausreform plant das UKL zudem weitere Anpassungen seiner baulichen und organisatorischen Strukturen.
Für das Haus-7-Projekt liegt der auf der UKL-Projektseite angegebene Stand der Informationen bei 21. Januar 2026. Die Planungen verteilen sich auf viele Büros: Die Objektplanung und Objektüberwachung übernimmt die wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh aus Dresden. Für das Tragwerk ist die Mayer-Vorfelder Dinkelacker Ingenieurgesellschaft für Bauwesen, Dresden, zuständig; die Technische Gebäudeausrüstung plant die ZWP Ingenieur-AG, Niederlassung Dresden. Die Medizintechnik kommt von der mtp Planungsgesellschaft für Medizintechnik mbH, Dresden.
Hinzu kommen die Gastronomie- und Großküchenplanung Triebe und Triebe GbR aus Leipzig, GRANER Ingenieure GmbH, Leipzig, für die Bauphysik, Alkewitz Landschaftsarchitekten aus Erfurt für die Außenanlagen, FCB Fachbüro für Consulting und Bodenmechanik GmbH aus Espenhain für den Baugrund sowie die Hoyer GmbH aus Oschatz für die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination.
Auf der Baustelle sind als ausführende Firmen die BplusL Infra Log GmbH aus Limbach-Oberfrohna für die zentrale Baustelleneinrichtung, die HTR-Bau GmbH aus Leipzig für die Medienfreimachung an der Verbaugrenze und die Arbeitsgemeinschaft GP Verkehrswegebau GmbH und GP Spezialtiefbau GmbH aus Halle (Saale) für die Baugrube beteiligt. Erst kommen also Grube, Leitungen und Beton – später fünf Linearbeschleuniger, Stationen, Ambulanzen und hoffentlich ein Klinikalltag mit etwas kürzeren Wegen.
