An der Technischen Universität München (TUM) ist am 25.09.2026 ein neues Bündnis für Gründerinnen Thema: Die Women Entrepreneurs Alliance, kurz WE Alliance, soll die vielen Münchner Angebote für Frauen mit Gründungsidee besser miteinander verbinden. Programme, Coachings, Netzwerke und Kapital gibt es längst. Was bisher oft fehlte, war der direkte Draht zwischen den verschiedenen Einrichtungen.

Die Allianz will Gründerinnen den Zugang zum Münchner Start-up-Ökosystem erleichtern, je nach Gründungsphase an passende Anlaufstellen weitervermitteln und sie über den gesamten Gründungsweg gezielter begleiten. Beteiligt sind Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Investorinnen und Investoren, Gründungszentren und Förderorganisationen, Unternehmen sowie weitere Partnerinnen. Einiges steht dabei auch männlichen Gründern offen.

Viele Türen, künftig ein besserer Wegweiser

Eine Übersicht der Angebote ist auf der Webseite von Gründerland Bayern abrufbar. Zu den Gründungsmitgliedern der WE Alliance gehören BayFor, BayStartUP, BioM, Businettes, gate Garching, GründerRegioM – Projekt guide, Hochsprung, die IHK München und Oberbayern, JUNE MINDS, die Landeshauptstadt München, die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), MUNICH INNOVATION ECOSYSTEM, Munich Startup, net4tec, die Technische Universität München (TUM), UnternehmerTUM und WERK1.

TUM-Vizepräsident für Forschung und Innovation, Prof. Gerhard Kramer, verwies darauf, dass es weiterhin deutlich weniger Frauen als Männer in Start-up-Teams gebe. Das betreffe die Gesellschaft ebenso wie die Wirtschaft, sagte er, denn vielfältige Teams seien erfolgreicher. Die WE Alliance soll die Unterstützung für Gründerinnen möglichst wirksam machen. Dass sich dafür so viele Institutionen zusammenschließen, ist zugleich ein Signal an das Münchner Innovationsökosystem.

Die Zahlen zeigen, warum das Thema nicht von allein verschwindet: Laut KfW-Gründungsmonitor liegt der Frauenanteil bei allen Neugründungen bei 36 Prozent, bei den Freien Berufen bei 55 Prozent. Bei Start-up-Gründerinnen sind es nach dem Deutschen Startup Monitor dagegen 20 Prozent. Ein ausgewogener Geschlechtermix gilt als Erfolgsfaktor für Gründungsteams, die Wirklichkeit bleibt also ziemlich ungleich verteilt.

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Von „Check-In“ bis Coworking Day

Das Gründungsbüro von „munich business“ unterstützt deshalb Initiativen zu „Female Entrepreneurship“. Eine zentrale Rolle spielt guide, das seit 2005 gründungsinteressierte Frauen und Gründerinnen begleitet. Die offenen Formate richten sich an Frauen, egal, wie weit die Gründungsidee schon entwickelt ist: Dazu gehören die Einführungsveranstaltung „Check-In“, Workshops, Netzwerktreffen, ein Coworking Day mit zeitweise mietbarem Arbeitsplatz sowie Feedback und Coaching in Kleingruppen. Möglich ist auch eine einjährige Begleitung.

Die Beratung orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Teilnehmerinnen. Die guide-Beraterinnen berücksichtigen dabei, dass Frauen wegen Mehrfachbelastungen teilweise weniger Zeit, Energie oder Startkapital für eine Gründung zur Verfügung haben. Gemeinsam werden Gründungskonzepte entwickelt und Geschäftsideen auf Markttauglichkeit, Kundenorientierung, Rentabilität und Zukunftsfähigkeit geprüft. Dazu kommen Sichtbarkeitsmessen, Austauschformate und weitere Netzwerkmöglichkeiten.

Unterstützt wird guide vom Referat für Arbeit und Wirtschaft im Rahmen des Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ). 2016 erhielt die Initiative den Anita Augspurg Preis der Landeshauptstadt München zur Förderung der Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen.

Auch abseits von guide ist das Angebot breit: New Roots des Impact Hub München ist ein kostenloses sechsmonatiges Programm für gründungsinteressierte Mütter mit Mentoring, Workshops, Austausch und Coworking-Arbeitsplatz. Beim jährlichen Women in Tech-Lunch treffen Gründerinnen auf Investorinnen. Women Start-up von UnternehmerTUM bietet Netzwerkveranstaltungen, Female Founder Talks, Workshops und Women Start-up Empowerment Trainings.

Die Businettes Gründerinnen Community vermittelt ein kostenloses Erstgespräch zu gründungsrelevanten Rechtsthemen. Bei TWIN – TWO WOMEN WIN der Käte Ahlmann Stiftung begleiten erfahrene selbstständige Unternehmerinnen ein Jahr lang ehrenamtlich andere Frauen – bei Fragen der Geschäftsentwicklung und der persönlichen Weiterentwicklung.

Mehr als Netzwerken

Die KfW betont, dass Chancengleichheit von Männern und Frauen im gesamten Gründungsprozess einen umfassenden und tiefgreifenden Wandel voraussetzt. Dafür müssten auch institutionelle Hemmnisse überprüft werden, etwa bei Betreuungsangeboten, beim Elterngeld und beim Ehegattensplitting.

Langfristig geht es außerdem um die Sensibilisierung von Eltern und Lehrkräften für Geschlechterstereotype, um positive weibliche Rollenvorbilder und um die feste Verankerung von Entrepreneurship Education in den Lehrplänen. Die Studie nennt vier vorrangige Aktionsbereiche: den Gründungswunsch von Frauen erhöhen, die Zahl der Gründerinnen von Unternehmen steigern, mehr Gründerinnen mit Wachstums-, Technologie- und Innovationsorientierung fördern und ihren Zugang zu Venture Capital verbessern.

Bis dahin kann der erste Schritt ganz unspektakulär aussehen: ein „Check-In“, ein Gespräch, ein Arbeitsplatz für einen Tag. Oder eine Tür, die nicht mehr irgendwo im Münchner Angebotsdschungel liegt, sondern tatsächlich gefunden wird.