Im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld ist die Ausstellung „My Strength Is Your Inertia“ von Lyoudmila Milanova zu sehen. Die Arbeit setzt bei einer Frage an, die zunächst beinahe ungreifbar klingt: Wie lässt sich die Vermessung und Erfassung der Erde sinnlich erfahren?

Im Mittelpunkt steht ein Wahrnehmungsexperiment an der Grenze zwischen Natur, Technologie und Körper. Geophysikalische und atmosphärische Echtzeitdaten werden in körperliche Ausdrucksformen übersetzt. Ein 3D-gescannter Körper dient dabei als digitaler Avatar. Er reagiert auf Kräfte, die außerhalb menschlicher Wahrnehmung liegen – als würde der Planet, kaum merklich, am Körper ziehen.

Begrüßt wird die Ausstellung von Prof. Dr. Eleonora Rohland, die Einführung übernimmt Prof. Johanna Schwarz aus Siegen. Milanovas künstlerische Arbeit fragt, ob der menschliche Körper als Resonanzraum für planetare Prozesse erweitert werden kann: als Sensor, der nicht nur misst, sondern auf Empfindung basiert.

Zwischen Datenstrom und Körpergefühl

Lyoudmila Milanova war von August bis Oktober 2025 Artist in Residence am ZiF. Ihre Praxis untersucht das Verhältnis zwischen Natur und technischen Darstellungen ebenso wie die Spannung zwischen natürlichen Prozessen und dem menschlichen Versuch, sie zu kontrollieren. Das klingt nach Labor, hat aber eine körperliche Seite: Daten werden nicht bloß angezeigt, sondern in Bewegung und Wahrnehmung überführt.

Die Ausstellung ist vom 5. November bis 25. Februar zu sehen. Geöffnet ist montags bis donnerstags von 9:00–15:30 Uhr sowie freitags von 9:00–14:00 Uhr. Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung über die Website ist erforderlich.

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Milanova wurde 1979 in Varna, Bulgarien, geboren und lebt und arbeitet in Varna und Köln. Von 2000 bis 2006 studierte sie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft an der Universität zu Köln und schloss mit dem Magister ab. Es folgten 2008–2011 audiovisuelle Medienkunst an der Kunstakademie für Medien Köln mit Diplom; zuvor hatte sie 1998–1999 Germanistik und Anglistik an der Universität Sofia studiert.

Ein breites künstlerisches Feld

Ihre Arbeiten umfassen Videoinstallationen, kinetische Objekte, Fotografie, Bühnenbild und Choreografie für Tanzperformances. Häufig arbeitet Milanova mit vergänglichen Materialien und Phänomenen wie Nebel, Wolken und Licht sowie mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Diese setzt sie von Menschen geschaffenen Formen und Konstruktionen entgegen.

Allein die Ausstellungen der vergangenen Jahre ergeben eine lange Spur durch Museen, Galerien und ungewöhnliche Räume: 2026 die Einzelausstellung „My Strength Is Your Inertia“ am ZiF in Bielefeld, „3RD-SPC./RP – no. 6“ in Kraljevica, Kroatien, „DIE GROSSE“ im Museum Kunstpalast Düsseldorf und „So close to the Sky. Clouds in the Arts“ im Angermuseum Erfurt. 2025 war „So close to the Sky. Clouds in the Arts“ in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen und der Kunsthalle Emden zu sehen; hinzu kamen „Cosmos of the Quotidian“ als Doppelausstellung in Heilig Geist, Essen, sowie der Zonta Cologne Art Award als Einzelausstellung in der Fuhrwerkswaage Köln.

Zu den weiteren Stationen zählen 2024 „The Romantic Eye“ im Nationalmuseum Stockholm, 2023 „Casper David Friedrich – Kunst für eine neue Zeit“ in der Hamburger Kunsthalle, „BLUEPRINT OF THE SKY“ als Einzelausstellung in der Kunst-Station Sankt Peter Köln, „Unstable Interior“ in der Octopus Gallery Sofia, „Beyond All Reason. In the Mirror of Surreal Times“ in der Structura Gallery Sofia, „Wolken. Von Gerhard Richter zu der Cloud“ im Museum Sinclair-Haus Bad Homburg und „We, the Future! Agency in a Globalised World“ im Museum Villa Rot in Burgrieden-Rot.

2022 zeigte Milanova „How To Disappear“ im Goethe-Institut Sofia, „Das Herz brennt in seinem eigenen Gesicht“ bei Mouches Volantes in Köln und „Up in the Air. Air as an Artistic Material“ im Kunstmuseum Bonn. 2021 folgten „Like eyes, like a mouth, like birds, like the sun“ in der Art City Gallery Varna, „Brief moments of balance“ in der Little Bird Gallery Sofia, „We have to learn to walk in a circle“ in der Artothek Köln, „Inszenierung des Zeigens“ im Kunsthaus NRW Kornelimünster und „Seeing things from both sides“ als Einzelausstellung bei KOP.12 in Essen.

Die Liste reicht weiter zurück: 2020 „UMWELT“ im Q18, Quartier am Hafen Köln; 2019 „Kunst an Kölner Litfasssäulen“ sowie „Goldstücke“ und die Einzelausstellung „Gästezimmer“ im Kunstmuseum Gelsenkirchen; 2018 „Man muss langsam gehen, um im Licht zu bleiben“ bei Bruch&Dallas in Köln, „SUNS“ bei Matjö, GEDOK bei Werft5, „Transition“ im Haus am Kleistpark Berlin und „Disappearer“ im Seoul Art Space Geumcheon. 2017 kamen „AGENS“ in der Fuhrwerkswaage Köln, Art 3 Gallery New York und C.A.R. Contemporary Art Ruhr in Essen hinzu; 2016 „AER“ im Kunsthaus Rhenania Köln und „Birlikte“ im Schauspiel Köln.

2015 waren „View from Above“ in der Flux Factory und „First Person View“ im Knockdown Center, beide in New York, zu sehen. 2014 gab es Ausstellungen und Projekte in Köln, Kyoto, Schöppingen, Essen und Marseille. 2013 beteiligte sich Milanova an der Kunstnacht im Museum Ludwig, an „Dear Painting“ und „MEGAMIX“. 2012 folgten Ausstellungen im Museum für Angewandte Kunst Köln, am Ebertplatz, bei Wertheim, KARAT und „new talents 2012“. Von 2010 bis 2011 stellte sie in Köln, Montepulciano, Rotterdam und Angoulême aus.

Screenings, Performances und Bühne

Auch im bewegten Bild ist Milanovas Arbeit international präsent. 2023 lief sie bei der Kochi Biennale in Indien, 2021 bei „CITY OF GOLD“ in Essen, 2020 beim 37. Kasseler Dokfest. 2019 folgten das Antimatter Media Art Festival in Kanada, das Aesthetica Short Film Festival in York, die Rencontres Internationales in Paris und Berlin, Scratch Projection in Paris sowie artspring in Berlin. Weitere Screenings gab es 2018 beim Now&After International Video Art Festival in Moskau, 2015 bei artvideoKoeln 01, 2011 beim Berlinale Empfang und dem Abstracta Film Festival in Rom sowie 2010 bei der Jahresausstellung der Kunstakademie für Medien Köln.

Zwischen 2021 und 2022 entstand „Stilllegung eines Öltanks“, eine Performance im Kunsthafen Köln; ebenfalls 2021–2022 lief „Come Closer“ bei Mouches Volantes in Köln. 2020 folgten „Umwelt“ im Q18 und „And Inside There Is Nothing But A Heart“, eine Tanzperformance an der Arko – Korea Creative Academy in Seoul. 2015 realisierte Milanova „*Evolution“, eine audiovisuelle Tanzperformance im Kunsthaus Rhenania Köln.

Ihre Arbeit reicht zudem in die Szenografie und Theaterpraxis: 2014 entstand eine Videoinstallation für „Time is Time is…“ in Köln/Seoul, 2013 eine Videoprojektion für eine Debussy-Oper an der Oper Göttingen, 2012 eine Videoprojektion für „Der Demografische Faktor“ unter der Regie von Nicolas Stemann am Schauspiel Köln und 2011 eine Videoprojektion für Verdis „Messa da Requiem“ an der Oper Köln.

Als Kuratorin war Milanova von 2016 bis 2018 für die permanente Videoscreening-Reihe „capri by night“ am Offenbachplatz des Schauspiel Köln tätig und von 2016 bis 2017 für die multidisziplinäre Performance-Reihe „serpentine“. 2018–2019 kuratierte sie das Filmprogramm der Cologne Art Book Fair, 2019 das Filmprogramm „Urban Spaces“ für das Kunstmuseum Gelsenkirchen. „CAPRI BY NIGHT“ führte sie 2016–2018 in Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Köln weiter; 2016–2017 kuratierte sie dort außerdem multidisziplinäre Performanceveranstaltungen.

Förderungen, Lehre und Resonanz

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