Enceladus im Labor: Urbakterien überleben im vermuteten Ozean des Saturnmonds
Heute ist der 28.09.2026. In den Laboren von Teams aus München, Berlin und Regensburg ist ein Stück Saturnmond aufgetaucht – nicht als Gestein, sondern als nachgestellte Umgebung. Untersucht wurde Enceladus, der als möglicher Ort für außerirdisches Leben gilt.
Unter seiner Eiskruste wird ein globaler Ozean aus flüssigem Wasser vermutet, darunter ein steiniger Meeresboden. Ein Gesteinskern könnte den Ozean erwärmen. Dazu kommen eine Atmosphäre aus Wasserdampf sowie geringe Mengen Stickstoff, Kohlendioxid und Methan. Klingt unwirtlich, ist für die Forschung aber gerade deshalb spannend.
Ein Urbakterium hält durch
Die Forschenden setzten das Tiefsee-Urbakterium Methanothermococcus okinawensis den nachgebildeten Bedingungen aus. Der Einzeller überlebte nicht nur, obwohl die Umgebung bislang als potenziell tödlich galt – er vermehrte sich sogar.
Für seine Energiegewinnung braucht das Bakterium lediglich Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid. Sein Stoffwechsel gilt als sehr ursprünglich. Ein Team um den Geobiologen William Orsi von der Ludwig-Maximilians-Universität München simulierte dafür die chemischen Bedingungen eines alkalischen Enceladus-Ozeans. Der Mikroorganismus wuchs noch bei einem pH-Wert von 11, also oberhalb seiner zuvor bekannten Toleranzgrenze, und könnte dabei Methan erzeugen.
Die Ergebnisse der beiden Studien erschienen im Fachblatt Science Advances. Überraschend sei das Überleben der Einzeller, betonen die Forschenden. Ein Beweis für Leben auf Enceladus ist es trotzdem nicht. Gezeigt wird vielmehr, dass die dort vermuteten geochemischen Bedingungen die Methanogenese ermöglichen könnten – einen sehr alten Stoffwechselprozess von Mikroorganismen.
Fontänen als kostenlose Probenlieferanten
Am Südpol des Mondes schießen durch Risse in der Eiskruste kryovulkanische Fontänen ins All. Sie schleudern Eispartikel Hunderte Kilometer weit. Frühere Analysen der NASA-Sonde Cassini hatten bereits Hinweise auf hydrothermale Prozesse am Meeresboden und weitere lebensfreundliche Bedingungen geliefert.
Im Oktober 2015 flog Cassini durch die Eisfontänen. Eine der Studien kommt nun zu dem Ergebnis, dass Tröpfchen aus dem Ozean beim Aufstieg durch die Risse möglicherweise langsamer abkühlen und gefrieren als bisher angenommen. Dabei werden sie auf bis zu 1000 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Wenn sie gegen die Wände der Eisspalten prallen, zerbrechen sie in wenige Mikrometer große Partikel, die anschließend ins All geschleudert werden.
Für die Analyse ist das mehr als ein kosmischer Sprühnebel: Bestandteile des Ozeans werden voneinander getrennt und in einzelnen Eispartikeln konzentriert. So könnten sie leichter untersucht werden.
Mission L4 soll genauer hinsehen
Die europäische Raumfahrtagentur ESA prüft die Mission »L4«. Sie könnte auf Enceladus landen und Proben aus den Fontänen direkt auf der Oberfläche untersuchen. Gesucht werden sollen unter anderem Stoffe, die Leben ermöglichen könnten. Der Orbiter soll außerdem weitere Saturnmonde überfliegen, um dort lebensfreundliche Bedingungen zu erforschen.
Ein Start wäre für etwa 2042 vorgesehen, Saturn würde die Mission voraussichtlich erst in den 2050er-Jahren erreichen. Ob L4 tatsächlich durchgeführt wird, ist noch unklar. Nach den bisherigen Planungen sollen die Proben aus Fontänen stammen, die Material aus dem Inneren des Mondes ins All schleudern – eine Art natürliche Lieferung aus dem verborgenen Ozean.
Forschende der Freien Universität Berlin zeigten zudem, wie bei der Mission besonders effizient nach Lebensspuren gesucht werden könnte. Der Gedanke daran hat etwas Unwirkliches: Während Enceladus lautlos durch das Saturnsystem zieht, könnten winzige Eispartikel schon jetzt verraten, was unter der kilometerdicken Kruste passiert.
