In den letzten Jahrzehnten hat sich die Begegnung mit invasiven Arten in Europa spürbar verstärkt. Eine aktuelle Studie von Biologen der Freien Universität Berlin, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sowie der University of Bristol thematisiert die negativen Auswirkungen biologischer Invasionen auf das Wohlbefinden heimischer Tiere. Der Anstieg von globalem Handel, Reisen und Klimawandel ist der Hauptverursacher dieser Entwicklung. FU Berlin berichtet, dass invasive Arten vor allem in neuartigen Umgebungen schnell Fuß fassen, weil dort oft Fressfeinde fehlen und Klimaveränderungen zusätzlichen Druck ausüben.
Um das Tierleid durch diese Arten besser bewerten zu können, haben die Forscher ein neues Bewertungsschema entworfen: die „Animal Welfare Impact Classification for Invasion Science“ (AWICIS). Dieses System erfasst die körperliche und mentale Verfassung der betroffenen Tiere und klassifiziert die Schwere des Leidens auf einer Skala von fünf Stufen. Wichtige Merkmale wie Ernährungszustand, Gesundheit und Verhalten werden dabei berücksichtigt. Erste Analysen zeigen, dass vor allem eingeschleppte Ameisen, wie die argentinische Ameise (Linepithema humile), erhebliches Leid bei heimischen Tieren verursachen.
Die Gefahren invasiver Arten
Invasive Arten sind nicht nur eine Gefahr für die Natur, sondern verursachen auch wirtschaftliche Schäden. Laut Wikipedia können diese Schäden schwer quantifiziert werden und machen in Deutschland jährlich etwa 167 Millionen Euro aus, allein durch 20 invasive Arten. Die Herkulesstaude zum Beispiel bringt Gesundheitsbehandlungskosten in Höhe von über einer Million Euro mit sich, während die Kastanienminiermotte die Städte in Deutschland Kosten von rund 450.000 Euro jährlich für Laubentfernung verursacht. Das zeigt eindrücklich, dass invasive Spezies weitreichende Auswirkungen auf unser Ökosystem und die menschliche Gesundheit haben können. Wikipedia erläutert, dass die weltweiten Kosten durch invasive Arten zwischen 1970 und 2017 schätzungsweise über 1,288 Billionen US-Dollar betrugen.
Die Bedrohung durch invasive Arten zieht sich durch verschiedene Tiergruppen. Neben Ameisen gefährden invasive Vögel heimische Vögel, Reptilien und Krustentiere, indem sie mit ihnen um Nahrung konkurrieren oder sie sogar fressen. Die Auswirkungen durch invasive Vögel sind weniger drastisch als die durch Ameisen, doch die Forschungsautoren warnen vor unzureichender Datenlage, die vor allem in weniger wohlhabenden Regionen vorhanden ist. Ein starkes Forschungsteam fordert, sich gezielt mit den Problematiken biologischer Invasionen auseinanderzusetzen, um mögliche Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Zusammengefasst stellen invasive Arten ein wachsendes Problem für einheimische Ökosysteme dar. Sie beeinträchtigen nicht nur das Wohlbefinden der Tiere, sondern bringen auch erhebliche wirtschaftliche und gesundheitliche Herausforderungen mit sich. Um dem entgegenzuwirken, ist verstärkte Forschung und ein besseres Verständnis der biologischen Invasionen notwendig, um wirksame Strategien zu entwickeln und die heimische Biodiversität zu schützen.