Vier Journalist:innen, vier Redaktionen: Perspektiven auf Berlin an der Freien Universität
Am 3. Oktober 2026 richtet sich der Blick an der Freien Universität Berlin auf vier Journalistinnen und Journalisten, die den politischen und gesellschaftlichen Alltag aus unterschiedlichen Redaktionen heraus beobachten: Sascha Chaimowicz, Anke Myrrhe, Sebastian Puschner und Christine Dankbar. Der Stand dieses Artikels ist der 24.09.2026, 11:20 Uhr.
Sascha Chaimowicz ist Chefredakteur beziehungsweise Co-Chefredakteur des ZEITMagazins. Geboren wurde er 1984 in München, aufgewachsen ist er in München-Obermenzing. Sein Vater ist Arzt und Sohn polnischer Holocaust-Überlebender, seine Mutter Englischlehrerin karibisch-britischer Herkunft. Sie wanderte Ende der 1950er-Jahre als junges Mädchen mit ihrer Familie von Trinidad, damals britische Kolonie, nach London ein. Heute lebt Chaimowicz mit seiner Frau und zwei Kindern in Berlin.
Vom Medizinstudium in die Redaktion
Nach dem Abitur begann Chaimowicz ein Studium der Humanmedizin. Ein Praktikum bei einer überregionalen Zeitung brachte offenbar die entscheidende Kurve: Er wechselte an die Deutsche Journalistenschule in München. Während seiner Ausbildung arbeitete er 2009 und 2010 unter anderem bei der „taz“, dem ZEIT-Magazin und „Neon“.
Von 2010 bis 2015 war er bei Gruner + Jahr tätig, zunächst bis 2013 als Redakteur bei „Neon“, danach bis 2015 als stellvertretender Chefredakteur von „Neon“ und „Nido“. Insgesamt arbeitete er sechs Jahre für „NEON“ und war dort zuletzt stellvertretender Chefredakteur. 2016 wechselte er zum Zeitverlag, gehörte damit zur Redaktion der „ZEIT“ und betreute zunächst als verantwortlicher Redakteur das „ZeitMagazin Mann“. Außerdem war er an der Entwicklung regionaler Ausgaben für Frankfurt und München beteiligt.
Seit Dezember 2020 ist Chaimowicz Co-Chefredakteur des ZEITMagazins, seit April 2023 übt er diese Funktion gemeinsam mit Emilia Smechowski aus. Auch literarisch ist er unterwegs: Für sein autofiktionales Romanprojekt Entfernte Verwandte erhielt er 2020 das Arbeitsstipendium für Schriftsteller des Freistaats Bayern. Sein Essay Schwarz Weiß wurde für den Deutschen Reporter:innen-Preis 2023 nominiert.
Anke Myrrhe ist seit April 2021 stellvertretende Chefredakteurin des „Tagesspiegel“. Zuvor leitete sie dort die Redaktion Berlin/Brandenburg. Zum Journalismus kam sie über ihre Begeisterung für Sport; schon während ihres Studiums arbeitete sie in der Sportredaktion. Sie studierte Publizistik und Französische Philologie an der Freien Universität Berlin, hielt sich längere Zeit in Texas, Peru und Paris auf und arbeitete unter anderem bei „Le Monde“.
Berlin als Arbeitsplatz und Bühne
Myrrhe ist Autorin des Newsletters „Checkpoint“, kommentiert dienstags die politische Lage auf radioeins und tritt regelmäßig beim Kommentatoren-Talk im Tipi am Kanzleramt sowie in weiteren Fernseh- und Podcastformaten auf. Nebenbei, oder vielleicht gerade deshalb: Sie ist Gründungsmitglied der „Checkpoint Band“. An der „Berlin Revue“ wirkte sie ebenfalls mit, einem lokaljournalistischen Bühnenformat, das seit 2025 regelmäßig aufgeführt wird.
Sebastian Puschner arbeitet als stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung „der Freitag“ und leitet dort das Politik-Ressort. In Potsdam studierte er Politik- und Verwaltungswissenschaften sowie Philosophie, anschließend wurde er an der Deutschen Journalistenschule in München zum Redakteur ausgebildet. Station machte er im Berlin-Ressort der „taz. die tageszeitung“. 2014 wechselte er zum „Freitag“ und baute dort den monatlichen Wirtschaftsteil mit auf.
Christine Dankbar leitet das Hauptstadtbüro der „Frankfurter Rundschau“. Zuvor arbeitete sie 25 Jahre als Politik-Redakteurin bei der „Berliner Zeitung“: zunächst als verantwortliche Redakteurin der Meinungsseite, später als politische Korrespondentin. Heute kommentiert sie regelmäßig auf Radio Eins sowie im Fernsehen bei Phoenix und im „ZDF-Morgenmagazin“.
Identität, Gesellschaft und ein langer Podcast
Zu Chaimowicz’ publizistischer Arbeit gehört auch ein Beitrag über Alice Hasters’ Buch Identitätskrise. Darin untersucht Hasters das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft und beschreibt Identitätskrisen als anstrengend, aber notwendig. Der Beitrag von Sascha Chaimowicz erschien am 25. Oktober 2023; dazu gehört ein 77-minütiger Podcast.
Vier Lebensläufe, vier Redaktionen, dazu Radio, Fernsehen, Newsletter, Bühne und Podcast: Der Blick auf Berlin kommt hier nicht aus einer einzigen Richtung. Und irgendwo zwischen Hauptstadtbüro, Sportredaktion und ZEITMagazin bleibt noch Zeit für Musik, Romane und eine ziemlich lange Gesprächsfolge.
Quelle: WDR
Weitere Informationen: Wikipedia
Weiterführend: ZEIT-Autorenseite
