Am KIT in Karlsruhe richtet sich der Blick auf eine unangenehme Rechnung: Viele Haushalte wollen Energie sparen, sehen energetische Sanierungen aber finanziell kaum noch als machbar an. Eine Ende 2025 durchgeführte Befragung von 3.000 Haushalten in Deutschland ergab, dass 65 Prozent die Finanzierung entsprechender Maßnahmen für kaum oder gar nicht möglich halten. Bei Mietenden steigt der Anteil auf 75 Prozent, bei Eigentümerinnen und Eigentümern liegt er bei 55 Prozent.

Knapp drei Viertel der Befragten erwarten zugleich deutlich steigende Energiekosten. Zu den energetischen Sanierungen zählen etwa neue Fenster, eine bessere Dämmung oder moderne Heizungen. Sie können die Heizkosten langfristig senken, verlangen aber zunächst hohe Investitionen – und genau dort wird es für viele eng.

Zwischen Heizkosten und Mitspracherecht

Die Befragung entstand im EU-Forschungsprojekt PREFIGURE, das untersucht, wie Haushalte in Europa energetische Sanierungen finanzieren können. Die Gesamtkoordination liegt beim Institut für Regionalwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Die deutsche Stichprobe wurde federführend vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ausgewertet; durchgeführt wurde die Befragung über die Plattform Dynata in Deutschland, Bulgarien, Dänemark, Estland, Griechenland, den Niederlanden und Spanien.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet eine größere Modernisierung meist: organisieren, entscheiden, bezahlen. Danach können sie von niedrigeren Heizkosten profitieren. Mietende haben dagegen in der Regel wenig Einfluss darauf, ob und wann ein Gebäude saniert wird. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Vermieter einen Teil der Kosten auf die Miete umlegen. So kann der Energieverbrauch sinken, während die Wohnkosten trotzdem steigen – ein ziemlich bitterer Dreh.

Von den 1.126 Mietenden, in deren Gebäuden energetische Maßnahmen bereits stattfanden oder geplant waren, fühlten sich rund 78 Prozent kaum oder gar nicht in die Entscheidungen einbezogen. Eigentümer entscheiden normalerweise über Art und Zeitpunkt der Arbeiten. Mietende müssen mögliche Beeinträchtigungen sowie Veränderungen bei Miete und Nebenkosten hinnehmen.

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Die Einschätzungen zur Bezahlbarkeit beruhen auf den Angaben der Befragten. Ob einzelne Maßnahmen tatsächlich unbezahlbar wären, wurde nicht überprüft. Auch laut Projektkoordinator Michael Janoschka hängen Sorgen über steigende Energiekosten nicht nur vom Zustand eines Gebäudes oder von der Wohnkostenbelastung ab. Eine Rolle spielen ebenso die Handlungsspielräume von Mietenden sowie Eigentümerinnen und Eigentümern, das Wissen über erneuerbare Technologien und die sozioökonomische Lage.

Wer besonders unter Druck steht

Für den Sorgenindikator wurden drei Einschätzungen zusammengeführt: Die eigenen Energiepreise werden als unfair empfunden, deutlich höhere Energiekosten in den kommenden Jahren werden erwartet und klimafreundliche Renovierungen erscheinen kaum oder gar nicht bezahlbar. Wer mindestens zwei dieser Aussagen teilte, wurde der Gruppe mit hohen Energiekostensorgen zugerechnet. Das waren 63 Prozent der Befragten.

Bei Haushalten, deren Energiekosten mindestens 15 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachten, lag dieser Anteil sogar bei 79 Prozent. Unter fünf Prozent Energieanteil waren es 56 Prozent. Rund drei Viertel der Alleinerziehenden berichteten ebenfalls von starken Energiekostensorgen.

Komischerweise – oder vielleicht gerade nicht – äußerten Menschen mit besseren Kenntnissen über erneuerbare Energietechnologien seltener starke Sorgen. Dasselbe galt für Befragte, die sich stärker an gemeinschaftlichen Energiewendeprojekten beteiligen wollten. Ob bessere Kenntnisse oder mehr Engagement die Sorgen tatsächlich verringern, bleibt offen. Einkommen, Wohnsituation und andere persönliche Faktoren könnten ebenfalls ausschlaggebend sein.

Erste Beobachtungen zeigen außerdem deutliche Länderunterschiede bei der wahrgenommenen Fairness der Energiekosten. Zugleich besteht in vielen Ländern grundsätzlich die Bereitschaft, an der Energiewende mitzuwirken. PREFIGURE verbindet die Haushaltsbefragungen mit lokalen Fallstudien in elf europäischen Städten, darunter Karlsruhe. Das KIT-Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse beteiligt sich an Fallstudien in Thessaloniki.

Förderung ohne finanziellen Sprung ins kalte Wasser

Das Projektteam empfiehlt verlässliche, sozial abgestufte Förderprogramme, einfache Antragsverfahren und geringe oder keine hohe Vorfinanzierung. Förderungen sollen stärker an der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Haushalts ausgerichtet werden. Menschen mit geringem Einkommen sollten Fördermittel möglichst nutzen können, ohne erst große Summen vorzustrecken. Wirksame Beteiligungsmöglichkeiten für Mietende und finanziell tragbare Sanierungen für Mieterhaushalte gehören ebenfalls zu den Empfehlungen.

Ein Beispiel kommt aus Bulgarien: Das Programm „CODE Housing Microloans“ kombiniert zinsfreie Mikrokredite für einkommensschwache Haushalte mit kleineren Reparaturen und Energieeffizienzmaßnahmen, Beratung und Workshops. Im PREFIGURE-Projekt werden neben Deutschland und Bulgarien auch Dänemark, Estland, Griechenland, die Niederlande und Spanien untersucht.

Für Anfang 2027 ist ein Dossier mit vertieften statistischen Analysen und europäischen Vergleichen geplant. Bis zum Projektabschluss Ende März 2027 sollen daraus Handlungsempfehlungen für Politik und Wohnungswirtschaft entstehen und mit Politik, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden.

Quartiere als größere Baustelle

Auch auf kommunaler Ebene gibt es Ansätze. Das KfW-Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung – Zuschuss (432)“ wird wieder aufgenommen. Es soll Kommunen bei der Planung und Umsetzung energetischer Maßnahmen in Stadtquartieren und im ländlichen Raum unterstützen. Für 2025 stehen dafür insgesamt 75 Millionen Euro zur Verfügung; mehr als 1.800 Quartiere wurden bereits gefördert.

Angestoßen wurden unter anderem die Dekarbonisierung des Gebäudebestands, der Ausbau und die Modernisierung der Energieversorgung sowie die Nutzung erneuerbarer Energien. Kommunen können mit der Förderung außerdem kommunale Wärmepläne in konkrete Maßnahmen überführen.

Für finanzschwache Kommunen steigt der Fördersatz auf bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Das geförderte Sanierungsmanagement kann künftig bis zu fünf Jahre finanziert werden, der maximale Zuschuss dafür steigt auf 400.000 Euro. Anträge konnten ab dem 26. November 2025 wieder bei der KfW gestellt werden.

Die Zahlen vom KIT und die kommunalen Fördermöglichkeiten liegen damit dicht beieinander: Auf dem Papier gibt es Instrumente für Wärmewende und Sanierung, im Haushalt vieler Menschen bleibt trotzdem wenig Luft. Und während in Karlsruhe weiter gerechnet, verglichen und geplant wird, läuft in manchen Wohnungen längst die Heizung – mit Blick auf die nächste Abrechnung.