Karlsruhe, 9. Oktober 2026 – Die nächste Energierechnung sitzt vielen Haushalten bereits im Nacken. Eine Ende 2025 durchgeführte Befragung von 3.000 Haushalten in Deutschland zeigt: Knapp drei Viertel erwarten deutlich höhere Energiekosten. Gleichzeitig sagen 65 Prozent, sie seien finanziell kaum oder gar nicht in der Lage, energetische Sanierungen zu bezahlen.

Für Mietende wirkt die Lage noch enger. Drei Viertel halten klimafreundliche Renovierungen für eher nicht oder überhaupt nicht bezahlbar. Bei Eigentümerinnen und Eigentümern liegt dieser Anteil bei 55 Prozent. Und wenn im Mietshaus tatsächlich saniert wird, bleiben viele offenbar außen vor: Von 1.126 Mietenden, bei denen energetische Maßnahmen durchgeführt wurden oder geplant sind, geben rund 78 Prozent an, kaum oder gar nicht in Entscheidungen einbezogen worden zu sein.

Hohe Sorgen, wenig Spielraum

Für die Auswertung wurden drei Einschätzungen zu einem Sorgenindikator verbunden. Als Kriterien galten, dass Energiepreise als unfair empfunden werden, deutlich steigende Energiekosten erwartet werden und klimafreundliche Renovierungen als nicht bezahlbar gelten. 63 Prozent der Befragten erfüllen mindestens zwei dieser Kriterien und weisen damit eine hohe Energiekostensorge auf.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang mit dem Einkommen: Machen Energiekosten mindestens 15 Prozent des Nettoeinkommens aus, liegt der Anteil mit hoher Energiekostensorge bei 79 Prozent. Bei einer Belastung von unter fünf Prozent sind es 56 Prozent. Unter Alleinerziehenden haben 75 Prozent eine hohe Energiekostensorge.

Weniger verbreitet sind die Sorgen bei Menschen, die mit erneuerbaren Energietechnologien vertrauter sind. Das gilt auch für Befragte, die sich stärker an einer gemeinschaftlichen Energiewende beteiligen würden. Ob Wissen und solche Einstellungen die Sorgen tatsächlich verringern, bleibt allerdings offen. Da ist noch nichts in Stein gemeißelt.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Förderung muss im Alltag ankommen

Das Projektteam empfiehlt verlässliche, sozial abgestufte Förderprogramme, einfache Antragsverfahren und möglichst geringe Vorfinanzierung. Für Mietende brauche es wirksame Beteiligungsmöglichkeiten; Sanierungen müssten auch für Mieterhaushalte finanziell tragbar sein. Sonst bleibt die Wärmewende für viele ein Plan auf Papier – während in der Wohnung nebenan die Heizung weiter rattert.

Wie so etwas aussehen könnte, untersucht PREFIGURE am bulgarischen Programm „CODE Housing Microloans“. Einkommensschwache Haushalte erhalten dort zinsfreie Mikrokredite für kleinere Reparaturen und Energieeffizienzmaßnahmen. Dazu kommen Beratung und Workshops.

Auch eine Studie des Öko-Instituts nimmt den vermieteten Wohngebäudebestand in den Blick. Die am 31. Juli 2024 veröffentlichte Studie „Sozialgerechte Förderung für energetische Sanierungen im Mietwohnbereich“ entwickelt Vorschläge für zielgerichtete und sozial gerechte Fördermechanismen. Ihr Thema reicht von Energie- und Klimaschutz über Energiewende und Wärmewende bis zur sozialen Transformation in Deutschland.

Dafür wurden Daten zur tatsächlichen Wohnsituation in Deutschland ausgewertet, der deutsche Mietmarkt analysiert und soziale Indikatoren berücksichtigt. Außerdem prüft die Studie, wie soziale Aspekte energetischer Sanierungen bisher in den rechtlichen Grundlagen berücksichtigt werden. Im Zentrum stehen drei Förderbereiche: die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die soziale Wohnungsbauförderung und die Städtebauförderung. Untersucht wird auch, wie sich diese Bereiche sozial gerechter ausgestalten lassen.

Autorinnen und Autoren der Studie sind Dr. Sibylle Braungardt, Tanja Kenkmann, Dr. Katja Schumacher, Malte Bei der Wieden, Dr. Johanna Cludius und Jonathan Claas-Reuther. Das Dokument „Soziale Förderung“ ist als PDF mit einer Größe von 1,04 MB verfügbar.

Sieben Länder, elf Städte

Die Befragung wurde über die Plattform Dynata in Deutschland, Bulgarien, Dänemark, Estland, Griechenland, den Niederlanden und Spanien durchgeführt. Erste Ergebnisse zeigen deutliche Länderunterschiede bei der wahrgenommenen Fairness von Energiekosten. Gleichzeitig gibt es vielerorts Bereitschaft, an der Energiewende mitzuwirken.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) leitete die Auswertung der deutschen Stichprobe. Die Gesamtbefragung ist Teil des von der EU geförderten Horizon-Europe-Projekts PREFIGURE. Es untersucht, wie energetische Sanierungen mit bezahlbarem Wohnen und sozialer Teilhabe verbunden werden können. Haushaltsbefragungen werden dafür mit lokalen Fallstudien in elf europäischen Städten kombiniert, darunter Karlsruhe.

Die Gesamtkoordination liegt beim Institut für Regionalwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das KIT-Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse beteiligt sich an Fallstudien in Thessaloniki. Für Anfang 2027 ist ein Dossier mit vertieften statistischen Analysen und europäischen Vergleichen geplant. Bis zum Projektabschluss Ende März 2027 sollen daraus Handlungsempfehlungen entstehen und mit Politik, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden.