In Deutschland sind etwa 75 Prozent der Gebäude vor 1978 entstanden, lange bevor die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft trat. Dies stellt eine große Herausforderung für Wohnungsunternehmen und Hausverwaltungen dar, die transparente und effiziente Sanierungspläne benötigen. Hier kommt das innovative Projekt NaiS ins Spiel, das vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ins Leben gerufen wurde und eine digitale Plattform für die energetische Sanierung entwickelt.
Das Handlungskonzept von NaiS (Nachhaltige Intelligente Sanierungsmaßnahmen) vereint KI-gestützte Anwendungen, um die Analyse komplexer Gebäudedaten bedeutend zu verbessern. Die Plattform zielt darauf ab, Sanierungsoptionen aufzuzeigen und Entscheidungsträgern zu helfen, die vorzunehmenden Maßnahmen schnell zu bewerten. Laut KIT reicht der Analyseaufwand von Tagen auf Minuten, was einen bemerkenswerten Fortschritt darstellt. Aufgaben, die früher bis zu 16 Stunden in Anspruch nahmen, lassen sich nun innerhalb von 10 bis 20 Minuten erledigen.
Digitale Dienstleistungen im Fokus
Die digitale Plattform bündelt verschiedene Services zur Verknüpfung und Auswertung von Daten, um die energetische Sanierung ökonomisch und ökologisch zu analysieren. Dies ist besonders wichtig, da energetische Sanierungen für den Klimaschutz im Gebäudesektor unerlässlich sind, häufig jedoch aufwendig in der Vorbereitung. Das System eignet sich zur Ergänzung fehlender Informationen und bereitet Daten für digitale Gebäudemodelle auf, die in beeindruckenden 3D-Visualisierungen dargestellt werden.
Bei den ersten Tests der Plattform haben 104 Nutzer mitgemacht. 93% von ihnen bestätigten, dass sie einen klaren Mehrwert erfahren haben, und 87% berichteten von einer besseren Unterstützung bei der Bewertung von Gebäuden. Co-Projektleiter Philipp Zielke ist überzeugt, dass dies zu einer schnelleren und transparenteren Entscheidungsfindung für große Gebäudebestände führt. Auch Dr. Karoline Fath von der Ed. Züblin AG sieht die KI-Technologien als wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Gebäudebestands.
Ausblick und Zukunftsperspektiven
Das Projekt, das im Mai 2023 startete und mit 4,1 Millionen Euro gefördert wird, ist Teil eines größeren Vorhabens. Folgende Initiativen wie ConCIRCLE, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit 1,8 Millionen Euro unterstützt wird, knüpfen an die Ergebnisse von NaiS an. ConCIRCLE zielt auf ein digitales Bewertungssystem zur Analyse der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen aus Stahlbeton ab.
Die Plattform ist bereits ab sofort über die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen abrufbar. Zudem findet am 11. Juni 2026 der NaiS Summit statt, der dazu dient, Ansätze für die digitale und nachhaltige Transformation des Gebäudebestands zu diskutieren. Damit setzt das Projekt einen wichtigen Impuls zur energetischen Sanierung von Deutschlands Altbaubestand und unterstützt die Branche dabei, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltig sind.
Insgesamt verspricht das NaiS-Projekt viel für die Zukunft der Sanierung in Deutschland, denn die Kombination aus innovativer Technologie und nachhaltigem Denken könnte der Schlüssel zu einem zukunftssicheren Gebäudebestand sein. Weitere Informationen zu diesem wegweisenden Vorhaben sind auf der Webseite Digitalwerk zu finden.