Die TU Darmstadt, die Goethe-Universität Frankfurt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz dürfen sich ab 2027 „Exzellenzuniversitäten“ nennen. Der Wissenschaftsrat verlieh den Titel dem Verbund, der sich als „Allianz der Rhein-Main-Universitäten“ beworben hatte. Erstmals erhält damit ein länderübergreifender Verbund im Rahmen der Exzellenzstrategie diesen Status.

Für Hessen und Rheinland-Pfalz ist das ein Einschnitt: Beide Länder waren zuvor nicht in der Exzellenzstrategie vertreten. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) bezeichnete die Entscheidung als ersten Exzellenzstatus für Universitäten in Hessen – und als ersten für einen länderübergreifenden Verbund. Der Beschluss wurde am heutigen 3.10.2026 am Ort TU Dresden bekannt.

Sieben Jahre, bis zu 155 Millionen Euro

Ab 2027 soll der Verbund bis zu 155 Millionen Euro über sieben Jahre erhalten. 75 Prozent finanziert der Bund, 25 Prozent tragen Hessen und Rheinland-Pfalz. Das Auswahlverfahren wird gemeinsam von Bund und Ländern getragen.

Dem Titel ging ein mehrstufiges Verfahren voraus. Im November 2025 stellten die drei Hochschulen ihren Antrag. Im Frühjahr 2026 begutachteten international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Universitäten vor Ort. Die endgültige Entscheidung fiel anschließend in einer mehrtägigen Sitzung der Exzellenzkommission. Ihr gehören 39 internationale Expertinnen und Experten sowie die Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern an.

Bundesweit tragen damit zehn Hochschulen beziehungsweise Verbünde den Titel „Exzellenzuniversität“. Zu den bisherigen Titelträgern gehören unter anderem die RWTH Aachen, die Universitäten Bonn, Hamburg, Heidelberg und Tübingen, das KIT Karlsruhe, die LMU München und die TU München, die TU Dresden sowie ein Berliner Dreier-Verbund. Alle sieben Jahre müssen sich Exzellenzuniversitäten einer Überprüfung der Fördervoraussetzungen stellen.

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„RMU-EXCITE“ als gemeinsamer Plan

Die Rhein-Main-Universitäten hatten im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern einen gemeinsamen Antrag als Exzellenzverbund eingereicht. Sein Titel: „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“ Die Allianz will sich damit zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung entwickeln und wegweisende Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen erarbeiten.

Dazu gehört ausdrücklich eine Forschungskultur, die Wissenschaft und Gesellschaft stärker verbindet. Dialog, Teilhabe und die gemeinsame Gestaltung von Wissen sollen als Bestandteile wissenschaftlicher Exzellenz verankert werden. Die RMU wollen außerdem ihre Attraktivität durch gemeinsame und komplementäre Angebote in Forschung und Lehre erhöhen, Wissenschaftlerinnen und Beschäftigte besser fördern und Synergien bei Infrastruktur und Wissenstransfer nutzen.

Die Antragstellung wurde durch den Erfolg der drei Universitäten in der Förderlinie „Exzellenzcluster“ ermöglicht: Im Mai wurden fünf Clusterinitiativen der RMU für eine Förderung ab 2026 bewilligt. Exzellenzcluster erlauben die Bearbeitung fachübergreifender Forschungsfelder mit langfristiger Perspektive, die gemeinsame Weiterentwicklung von Forschung und Infrastruktur mit außeruniversitären Partnern und eine höhere Attraktivität der Universitäten als Forschungs- und Studienorte.

Wie die Exzellenzstrategie funktioniert

Die Exzellenzstrategie soll den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Umgesetzt wird sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat in zwei Förderlinien: Die „Exzellenzcluster“ unterstützen projektbezogen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. Die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ stärkt einzelne Universitäten oder Verbünde dauerhaft und soll deren internationale Spitzenstellung auf Grundlage erfolgreicher Exzellenzcluster ausbauen.

Die Hürden sind klar gesetzt: Einzeluniversitäten müssen mindestens zwei Exzellenzcluster vorweisen, Universitätsverbünde mindestens drei. Ein Erfolg im Exzellenzwettbewerb bringt neben finanzieller Unterstützung auch nationale und internationale Sichtbarkeit. Das Programm gilt international als Elite-Förderprogramm – und der neue Rhein-Main-Verbund will damit die Region als international sichtbares Wissenschaftszentrum profilieren.

Ein weiterer mittelhessischer Verbund aus der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg hatte sich ebenfalls beworben, setzte sich aber nicht durch. Für die Rhein-Main-Universitäten beginnt nun die Arbeit am nächsten Kapitel: Projektleitungen sind unter exstra@rhein-main-universitaeten.de erreichbar. Ansprechpartnerinnen sind Annabel Bokern von der Stabsstelle Exzellenzstrategie der Goethe-Universität, Dr. Amelie Scheu vom Projekt Exzellenzstrategie der Johannes Gutenberg-Universität und Dr. Matthias Adam aus dem Dezernat Struktur und Strategie der TU Darmstadt.