Rhein-Main wird Exzellenzregion: TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt und JGU Mainz erhalten gemeinsamen Titel
Heute, am 3. Oktober 2026, ist am KIT Karlsruhe eine Nachricht mit weitreichender Bedeutung für die Hochschullandschaft bekannt geworden: Die TU Darmstadt, die Goethe-Universität Frankfurt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz dürfen sich ab 2027 „Exzellenzuniversitäten“ nennen. Die Entscheidung gab der Wissenschaftsrat in Bonn bekannt.
Die drei Hochschulen waren gemeinsam unter dem Dach der Allianz der Rhein-Main-Universitäten, kurz RMU, angetreten. Damit erhält erstmals ein länderübergreifender Verbund diesen Titel. Hessen bekommt ebenfalls zum ersten Mal Exzellenzuniversitäten; auch Rheinland-Pfalz war bislang nicht vertreten.
155 Millionen Euro für sieben Jahre
Für die Förderung sind von 2027 an über sieben Jahre bis zu 155 Millionen Euro vorgesehen, 75 Prozent davon kommen vom Bund. Der erfolgreiche Antrag trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative“ und ist bis 2033 angelegt. Die Förderung ist im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern dauerhaft angelegt und soll dem Verbund Planungssicherheit geben.
Frankfurt-Rhein-Main soll sich damit zu einer international führenden Wissenschaftsregion weiterentwickeln. Geplant sind strategische Berufungen, gemeinsame Forschungsinfrastrukturen, innovative Studienangebote und zusätzliche Angebote für Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen. Auch Menschen mit Führungsverantwortung innerhalb und außerhalb der RMU sollen unterstützt werden.
Mehr als 90.000 Studierende und rund 1.500 Professuren gehören zu den drei Universitäten in Darmstadt, Frankfurt am Main und Mainz. Ihre Zusammenarbeit reicht über Forschung, Studium und Lehre hinaus: Dazu kommen Talent- und Nachwuchsförderung, Wissensaustausch sowie Kooperationen mit Wirtschaft und Gesellschaft.
Vier Felder, ein gemeinsamer Antrag
Inhaltlich bündelt die RMU ihre Arbeit in vier Profilbereichen: Data steht für Datenwissenschaften und künstliche Intelligenz, Health für Lebenswissenschaften und Medizin, Matter für Material- und Naturwissenschaften und Society für Geistes- und Sozialwissenschaften.
RMU-EXCITE soll synergetische Disziplinen stärken, eine neue Generation von Forschenden, Studierenden und Fachkräften fördern und die nachhaltige Transformation gemeinsam gestalten. Die Allianz will wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen durch gemeinsame Forschung bearbeiten und sich zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung entwickeln.
Wissenschaft und Gesellschaft sollen dabei durch Dialog, Teilhabe und gemeinsame Wissensgestaltung enger zusammenrücken. Erkenntnisse sollen im Austausch mit Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nutzbar werden. Die Universitätsleitungen sehen gerade in der Vielfalt und Komplementarität der drei Hochschulen eine zentrale Stärke. Neue wissenschaftliche Verbindungen sollen entstehen, Studierende, Wissenschaftler:innen und Fachkräfte zusammenfinden, gemeinsame Forschungsfelder wachsen.
Hessen und Rheinland-Pfalz hatten die Bewerbung als länderübergreifenden Verbund mit einer Verwaltungsvereinbarung und gleichlautenden Landtagsbeschlüssen unterstützt. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels bezeichnete die Auszeichnung als ersten Exzellenz-Titel für Universitäten in Hessen und als ersten länderübergreifenden Verbund in der Exzellenzstrategie. Neben der wissenschaftlichen Bewerbung hätten auch die politische Unterstützung und die Zusammenarbeit von Universitäten, Wissenschaft und Verwaltung zum Erfolg beigetragen.
Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch erklärte, die Förderung bestätige die Bedeutung der Zusammenarbeit von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ländern. Der Hochschulrat der TU Darmstadt würdigte die Entscheidung als gemeinsames Zeichen wissenschaftlicher Exzellenz und strategischer Entwicklung. Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz sieht darin eine Anerkennung der Leistungsfähigkeit und des Innovationspotenzials der drei Universitäten.
Entscheidung nach Ortsbesuchen
Der Weg zur Entscheidung war mehrstufig. Die Gesamtstrategien wurden im November 2025 schriftlich eingereicht. Internationale Gutachter:innen besuchten die Hochschulen von April bis Juni 2026. Entschieden hat die Exzellenzkommission aus wissenschaftlichen Expert:innen sowie den zuständigen Minister:innen von Bund und Ländern.
Das zuständige Committee of Experts, eingesetzt von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz, besteht aus 39 wissenschaftlich ausgewiesenen Personen. Sie bringen zusätzlich Erfahrungen unter anderem aus dem Ausland, dem Hochschulmanagement, der Lehre oder der Wirtschaft mit. Gemeinsam mit den Wissenschaftsministerinnen und -ministern von Bund und Ländern bildet dieses Gremium die Exzellenzkommission.
Neben der RMU wurden drei Einzeluniversitäten und ein weiterer Verbund neu zur Förderung ausgewählt. Für die Jahre 2027 bis 2033 kommen außerdem neun bereits 2019 ausgewählte Einzeluniversitäten und ein Verbund hinzu, die im März 2026 positiv evaluiert wurden. Der mittelhessische Verbund aus Justus-Liebig-Universität Gießen und Philipps-Universität Marburg konnte sich dagegen nicht durchsetzen.
Deutschlandweit trugen bislang zehn Hochschulen oder Verbünde den Exzellenztitel. Dazu zählen die RWTH Aachen, die Universitäten Bonn, Hamburg, Heidelberg und Tübingen, die TU Dresden, das KIT Karlsruhe, die LMU und TU München sowie ein Berliner Verbund aus drei Hochschulen. Die Förderung dieser Einrichtungen wurde im Frühjahr um weitere sieben Jahre verlängert.
Was hinter der Exzellenzstrategie steckt
Die Exzellenzstrategie wird gemeinsam von Deutscher Forschungsgemeinschaft und Wissenschaftsrat umgesetzt und beruht auf einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Sie hat zwei Förderlinien: Exzellenzcluster unterstützen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden. Exzellenzuniversitäten erhalten eine dauerhafte institutionelle Förderung, um ihre internationale Spitzenstellung in der Forschung zu stärken.
Einzeluniversitäten benötigen dafür mindestens zwei, Verbünde mindestens drei Exzellenzcluster. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft führt die Förderlinie Exzellenzcluster durch, der Wissenschaftsrat ist für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten zuständig. Dazu gehören die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds sowie ein Neuausschreibungsverfahren für neue Antragsteller.
Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Seit 2019 waren zehn Universitäten und ein Universitätsverbund als Exzellenzstandorte im Programm. Bund und Länder stellen im Rahmen der Exzellenzstrategie jährlich insgesamt 687 Millionen Euro bereit; das Gesamtbudget stieg ab 2026 auf diesen Betrag. Die Förderung von Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten hatte zuvor 533 Millionen Euro jährlich betragen.
Am 2. Oktober 2026 wurden im Rahmen der Exzellenzstrategie neue Universitäten und Universitätsverbünde als Exzellenzstandorte ausgewählt. In der Darstellung des Wissenschaftsrats werden diese ausgewählten Universitäten und Verbünde jedoch nicht namentlich genannt. Der Wissenschaftsrat beschreibt als Ziele der Exzellenzstrategie wissenschaftliche Spitzenleistungen, Profilbildung und Kooperationen im Wissenschaftssystem, die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sowie bessere Leistungsspitzen in der Forschung und eine höhere Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts.
Die neue Förderung soll nicht nur Geld bringen, sondern auch die nationale und internationale Sichtbarkeit der Hochschulen stärken. Am Rhein-Main-Gebiet wird sich das bald an neuen Berufungen, Studienangeboten und Forschungspartnerschaften zeigen. Und vermutlich an ziemlich vielen Kalendern, die jetzt bis 2033 vollgeschrieben werden.
