Am vergangenen Freitag fand an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine spannende Vorlesung zum Thema Organspende und Transplantation statt. Medizinstudierende wie India Heilmann und Lina Rosenboom teilten ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, was die Thematik greifbarer macht. Viele wissen gar nicht, dass Organspende und Transplantation nicht als eigenes Modul im Medizinstudium behandelt werden, sondern in verschiedenen Fachgebieten integriert sind. Diese Aufklärung ist essenziell, denn die Zahlen zur Organspende sind nach wie vor niedrig, was zu einer kritischen Situation führt.
Medizinstudentin India Heilmann wartet bereits seit fünf Jahren auf eine Spenderlunge, da sie an dem COPA-Syndrom leidet. Der tägliche Umgang mit ihrer Krankheit beinhaltet die Nutzung von Flüssigsauerstoff und einem mobilen Sauerstofftank. Ihre Mitstreiterin Lina Rosenboom hat bereits zweimal eine Lebertransplantation hinter sich – die erste Transplantation erhielt sie im zarten Alter von drei Jahren. Beide engagieren sich aktiv für die Aufklärung über Organspende, um den Menschen die Dringlichkeit und Wichtigkeit des Themas näher zu bringen. Heilmann nutzt folgende Worte, um ihre Motivation zu beschreiben: „Es liegt mir am Herzen, die Menschen über Organspende aufzuklären.“ Diese Aussagen zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, mehr Bewusstsein zu schaffen.
Wichtige Stimmen zur Organspende
Die Vorlesung beinhaltete auch eine Podiumsdiskussion mit MHH-Vizepräsident Professor Dr. Frank Lammert und Medizinstudent Malte Storsberg, der im dritten Jahr studiert. Professor Lammert hob die komplexe Natur der Transplantationsmedizin hervor und sprach über die Herausforderungen, denen sich Transplantierte täglich stellen müssen. Storsberg nahm an vielen Austauschprogrammen teil, darunter auch das Engagement bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation, wo er Organspenden in Schulen und Unternehmen thematisiert.
Ein weiteres Ziel der Vorlesung war es, studierende Zuhörer zu ermutigen, sich in das neue Organspende-Register einzutragen. Diese Maßnahme soll helfen, die Entscheidungsfindung zu erleichtern und gleichzeitig die Angehörigen zu entlasten. Das Online-Register wurde erst vor einem Jahr, am 18. März 2024, eingeführt und ermöglicht die unkomplizierte Dokumentation der persönlichen Entscheidung zur Organspende, was für viele eine große Hilfe darstellen dürfte.
Die rechtliche Situation in Deutschland
In Deutschland gilt derzeit die Zustimmungslösung für Organspenden, was bedeutet, dass Organe nur mit der ausdrücklichen Einwilligung des Spenders oder seiner Angehörigen entnommen werden dürfen. Ein Perspektivwechsel könnte möglicherweise bald bevorstehen, denn die Einführung einer Widerspruchsregelung wird diskutiert, die in der Schweiz bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Diese Regelung würde eine automatische Zustimmung zur Organspende mit der Möglichkeit eines Widerspruchs einführen.
Darüber hinaus gibt es weitere Maßnahmen, die darauf abzielen, die Organspendebereitschaft zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem die Änderung des Transplantationsgesetzes im Februar 2019, die Einführung von Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern und die Verbesserung der Angehörigenbetreuung. Experten erhoffen sich von diesen umfassenden Änderungen eine spürbare Erhöhung der Organspenden in Deutschland.
Das Engagement von Medizinstudierenden und die fortlaufenden Reformen im deutschen Gesundheitssystem zeigen, dass es beim Thema Organspende durchaus Fortschritte gibt. Dennoch bleibt die Aufklärung und das individuelle Engagement der Bevölkerung ein zentraler Baustein für eine positive Entwicklung in der Organspendebilanz – denn hier ist noch viel Potenzial zur Verbesserung.
Weitere Informationen zur Organspende und Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie auf Organspende-Info und erfahren Sie mehr über die aktuellen Zahlen und Fakten auf Patientenverfügung.digital.