Am 29. April 2026 wurde Prof. Dr. Benjamin Joachimi mit dem Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis ausgezeichnet. Diese Ehre wird jährlich von der Alexander von Humboldt Stiftung an rund 20 international anerkannten Wissenschaftlern verliehen, die in ihrer Forschungsarbeit hervorragende Leistungen erzielt haben. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und ermöglicht den Preisträgern, eigene Forschungsvorhaben in Deutschland zu verfolgen.
Joachimi, der am University College London als Professor für Astrophysik tätig ist, wurde von Prof. Dr. Hendrik Hildebrandt sowie Prof. Dr. Catherine Heymans von der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum nominiert. Diese Auszeichnung wird ihm helfen, die Zusammenarbeit mit der Bochumer Fakultät zu intensivieren; für den Sommer 2026 ist bereits ein erster Forschungsaufenthalt in Bochum geplant.
Ein Pionier der Kosmologie
Als Pionier der modernen Kosmologie ist Joachimi bekannt für seine umfangreichen Untersuchungen zur Entwicklung von Strukturen im Universum über lange Zeitspannen. Dabei prüft er Einsteins Gravitationstheorie auf großen Skalen und ergründet Phänomene wie Dunkle Materie und die Beschleunigung der Expansion des Universums. Seine Forschungsarbeit stützt sich auf große Galaxienkataloge sowie die Kombination vielfältiger Messmethoden, die wertvolle Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Kosmos liefern.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Anwendung fortschrittlicher statistischer Methoden und maschinelles Lernen in der Kosmologie, was Joachimis Arbeit besonders relevant und zukunftsweisend macht. Gemeinsam mit dem German Centre for Cosmological Lensing (GCCL) in Bochum gehört er zu den führenden Wissenschaftlern im Bereich der Untersuchung großräumiger Strukturen und schwacher Gravitationslinsen. Die Partnerschaft zwischen Joachimi und der Bochumer Gruppe wird durch den Bessel-Preis auf ein neues Level gehoben und fördert die Übertragung von Erkenntnissen auf bedeutende zukünftige Projekte, wie die Euclid-Weltraummission und das Rubin Observatory Legacy Survey of Space and Time (LSST).
Hintergrund zum Bessel-Forschungspreis
Der Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis ist nach dem renommierten deutschen Mathematiker und Astronomen Friedrich Wilhelm Bessel benannt, der von 1784 bis 1846 lebte. Der Preis wird seit 2001 vergeben und richtet sich an Wissenschaftler aus dem Ausland, deren Promotion nicht länger als 18 Jahre zurückliegt und die international anerkannt sind. Eine Nominierung für den Preis kann nur durch deutsche Wissenschaftler erfolgen. Jährlich werden bis zu 25 Auszeichnungen verliehen, um herausragende Forschungstätigkeiten zu honorieren.
Bessels eigene Beiträge zur Astronomie sind von erheblichem Gewicht. Er war der erste, der die Parallaxe eines Sterns (61 Cygni) erfolgreich maß, und lieferte damit einen entscheidenden Beweis dafür, dass Sterne entfernte Sonnen und nicht bloße Lichtpunkte sind. Er entwickelte auch mathematische Methoden, die heute als Bessel-Funktionen bekannt sind und in vielen Bereichen der angewandten Mathematik gelehrt werden.
Durch diese Kombination aus historischer Bedeutung und modernen Forschungsimpulsen ist der Bessel-Forschungspreis nicht nur eine Würdigung für individuelle Leistungen, sondern auch ein Schritt in Richtung einer verstärkten internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Weitere Informationen zu dieser Auszeichnung und zu Friedrich Wilhelm Bessel finden Sie in den Artikeln auf rub.de, Wikipedia und Astronoo.