Rhein-Main-Universitäten erhalten Exzellenzstatus und 155 Millionen Euro Förderung
Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz darf ab Donnerstag, 1. Januar, gemeinsam mit der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt den Exzellenz-Titel tragen. Die drei Hochschulen treten als Allianz der Rhein-Main-Universitäten, kurz RMU, auf. Verkündet wurde die Entscheidung am Standort TU Dortmund vom Wissenschaftsrat in Bonn.
Für die RMU stehen über sieben Jahre bis zu 155 Millionen Euro Förderung bereit, 75 Prozent davon übernimmt der Bund. Das Geld soll Forschung, Studium, Lehre und den Austausch zwischen den Hochschulen stärken – und den drei Universitäten ein Stück Planungssicherheit geben. Zur Allianz gehören mehr als 90.000 Studierende und etwa 1.500 Professuren.
Vier Felder, eine gemeinsame Allianz
Inhaltlich bündelt die RMU ihre Zusammenarbeit in vier Bereichen: Data steht für Datenwissenschaften und Künstliche Intelligenz, Health für Lebenswissenschaften und Medizin, Matter für Material- und Naturwissenschaften sowie Society für Geistes- und Sozialwissenschaften.
Die Allianz hatte im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern einen gemeinsamen Antrag als Exzellenzverbund eingereicht. Der Antrag für die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ trägt den Titel „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“. Ziel ist es, aus dem Zusammenschluss ein international führendes Zentrum für Spitzenforschung zu entwickeln – mit Antworten auf komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen.
Dazu gehört ein Verständnis von Forschung, das Wissenschaft und Gesellschaft enger verbindet. Dialog, Teilhabe und die gemeinsame Gestaltung von Wissen sollen Teil wissenschaftlicher Exzellenz sein. Gemeinsame und ergänzende Angebote in Forschung und Lehre sollen die Attraktivität der Allianz erhöhen; Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte sollen besser gefördert werden. Auch bei Infrastruktur und Wissenstransfer wollen die Hochschulen Synergien nutzen und die Rhein-Main-Region als international sichtbares Wissenschaftszentrum profilieren.
Ermöglicht wurde die Antragstellung durch den Erfolg der drei Universitäten in der Förderlinie „Exzellenzcluster“: Im Mai dieses Jahres wurden fünf RMU-Clusterinitiativen für eine Förderung ab 2026 bewilligt. Den Antrag reichte die Allianz im November 2025 ein. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begutachteten die drei Universitäten im Frühjahr vor Ort, anschließend traf die Exzellenzkommission die endgültige Entscheidung in einem mehrstufigen Verfahren.
Ein Novum für Mainz, Hessen und Rheinland-Pfalz
Für Rheinland-Pfalz und Hessen ist die Aufnahme ein Einschnitt: Beide Länder waren bisher nicht unter den Exzellenzuniversitäten oder Exzellenzverbünden vertreten. Ministerpräsident Gordon Schnieder bezeichnete die Auszeichnung als Gewinn für Rheinland-Pfalz und den Wissenschaftsstandort Deutschland. Wissenschaftsminister Clemens Hoch verwies auf die Bedeutung der länderübergreifenden Zusammenarbeit.
Voraussetzung für die Bewerbung war eine ausreichende Zahl geförderter Forschungscluster. Hessen verfügt derzeit über sechs geförderte Cluster, Rheinland-Pfalz über ein gefördertes Cluster. In der Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ gelten für Einzeluniversitäten mindestens zwei, für Universitätsverbünde mindestens drei Exzellenzcluster als Voraussetzung.
Neu aufgenommen wurden neben der RMU die Universitäten Freiburg, Jena und Köln sowie der Verbund aus TU Dortmund und Ruhr-Universität Bochum, der als Ruhr Innovation Lab geführt wird. Bereits geförderte Exzellenzuniversitäten und -verbünde müssen ihre Voraussetzungen alle sieben Jahre erneut nachweisen.
Die RMU-Projektleitungen sind unter exstra@rhein-main-universitaeten.de erreichbar. Genannt werden Annabel Bokern von der Stabsstelle Exzellenzstrategie der Goethe-Universität, Dr. Amelie Scheu vom Projekt Exzellenzstrategie der Johannes Gutenberg-Universität und Dr. Matthias Adam aus dem Dezernat Struktur und Strategie der TU Darmstadt.
Was hinter dem Titel steckt
Die Exzellenzstrategie ist das wichtigste Bund-Länder-Programm zur Förderung universitärer Spitzenforschung. Bund und Länder beschlossen 2016, die frühere Exzellenzinitiative dauerhaft weiterzuentwickeln; die Strategie baut auf der Exzellenzinitiative 2007–2017 auf. Sie soll deutsche Spitzenforschung international stärken und sichtbarer machen, wissenschaftliche Spitzenleistungen ermöglichen, Profile von Universitäten schärfen, Vernetzung und Kooperation fördern und langfristige, strategische Investitionen in Hochschulen ermöglichen.
Getragen wird die Strategie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat in zwei Förderlinien. Bei den „Exzellenzclustern“ geht es um projektbezogene Förderung international wettbewerbsfähiger Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. Mehrere wissenschaftliche Bereiche können dabei zusammenarbeiten. Möglich werden gemeinsame Forschung in innovativen Feldern, die Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte und die Gewinnung internationaler Spitzenkräfte. Cluster können außerdem fachübergreifende Forschungsfelder langfristig bearbeiten sowie Forschung und Infrastrukturen mit außeruniversitären Partnern weiterentwickeln. Das kann die Attraktivität einer Universität als Forschungs- und Studienort erhöhen.
Exzellenzcluster werden sieben Jahre gefördert, eine zweite siebenjährige Förderperiode ist möglich. Die Förderlinie wird alle sieben Jahre ausgeschrieben. Universitäten mit Exzellenzclustern können zudem eine Universitätspauschale als Strategiezuschlag beantragen.
Die Förderlinie „Exzellenzuniversitäten“ stärkt dagegen Universitäten oder Verbünde als Institutionen und baut ihre internationale Spitzenstellung auf Grundlage erfolgreicher Exzellenzcluster aus. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert, müssen aber alle sieben Jahre in einer Evaluation nachweisen, dass die Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind. Ein Erfolg bringt neben Bundes- und Landesmitteln auch nationale und internationale Sichtbarkeit. Ein erfolgreicher Verbundantrag im Wettbewerb um den Status „Exzellenzuniversität“ würde die RMU insbesondere international stärken.
Geld, Prüfungen und ein enger Zeitplan
Bund und Länder stellen jährlich 687 Millionen Euro für die Exzellenzstrategie bereit. Ab dem 1. Januar 2027 sind 747 Millionen Euro vorgesehen: 539 Millionen Euro für Exzellenzcluster und 208 Millionen Euro für Exzellenzuniversitäten und -verbünde. Finanziert wird zu 75 Prozent durch den Bund und zu 25 Prozent durch das jeweilige Sitzland.
Am 22. Mai 2025 beschloss die Exzellenzkommission die Förderung von 70 Exzellenzclustern ab 2026. Im Frühjahr 2026 wurden zehn bestehende Exzellenzuniversitäten positiv evaluiert. Am 2. Oktober 2026 beschloss die Kommission die Förderung von fünf weiteren Exzellenzstandorten.
Der Fahrplan der zweiten Förderphase war dicht: Im Mai 2025 fiel die Förderentscheidung für die Cluster, im Januar 2026 begann deren Förderung. Bestehende Einrichtungen reichten im August 2025 Selbstberichte ein; im Oktober bis Dezember 2025 fanden dort Ortsbesuche statt. Mitte November 2025 endete die Frist für Neuanträge. Im März 2026 bewertete das Expertengremium die Evaluationsergebnisse, von April bis Juni 2026 besuchte es die neuen Antragsteller vor Ort. Auf die Entscheidung über die Neuanträge im Oktober 2026 folgt im Januar 2027 der Förderbeginn der neuen Exzellenzuniversitäten und -verbünde.
Entschieden wird wissenschaftsgeleitet. International anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten Anträge und Selbstberichte, der Wissenschaftsrat führt das Verfahren für Exzellenzuniversitäten durch, die DFG jenes für Exzellenzcluster. Die Exzellenzkommission besteht aus 39 Expertinnen und Experten aller Wissenschaftsbereiche sowie den zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -ministern; die Wissenschaft verfügt über die Stimmenmehrheit.
Die Strategie steht allen Disziplinen offen, auch wissenschaftsbereichsübergreifenden Clustern. Das Expertengremium bringt inter- und transdisziplinäre Expertise mit, die Begutachtung berücksichtigt die besonderen Anforderungen interdisziplinärer Anträge. In beiden Förderlinien zählt ausschließlich die wissenschaftliche Qualität. Das Expertengremium berichtet der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz regelmäßig über Erfahrungen mit den Förderlinien; der erste Bericht ist für Sommer 2027 vorgesehen. Danach wollen Bund und Länder die Ergebnisse gemeinsam diskutieren.
Wer bisher dabei ist
Zu den bestehenden Exzellenzuniversitäten und -verbünden gehören die RWTH Aachen, die Berlin University Alliance, die Universität Bonn, die TU Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die LMU München, die TU München und die Universität Tübingen.
