Architekturstudenten der TU Dresden entwickeln Zukunftskonzepte für Kloster Grünhain
Auf dem Klosterareal in Grünhain im sächsischen Erzgebirge wird gerade neu gedacht: Architekturstudenten der TU Dresden entwickeln Konzepte für die künftige Nutzung des historischen Geländes. In der betreffenden Woche waren sie vor Ort, gingen über das Areal, schauten sich Gebäude, Mauern und Freiflächen an. Bei der Ideenarbeit sind Emily Bachmann und Gila-Marlene von Klitzing zu sehen.
Gesucht werden Vorschläge für das historische Klostergebäude und sein Umfeld. Denkbar sind ein Treffpunkt für die Ortsgemeinschaft, touristische Angebote oder Verwaltungsräume. Noch ist das kein fertiger Bauplan. Eher ein vorsichtiges Ausloten: Was kann dieser Ort künftig erzählen, und wo können Menschen dort tatsächlich zusammenkommen?
Ein Kloster, von dem mehr geblieben ist als Ruinen
Kloster Grünhain war von 1230 bis 1536 eine Zisterzienserabtei. Heute stehen dort nur noch Ruinen und einzelne erhaltene Gebäude, doch die Geschichte liegt nicht einfach unter Gras und Schotter begraben. Ausgrabungen in den 1930er und 1990er Jahren legten Teile der Grundmauern frei. Am früheren Altar steht inzwischen ein Holzkreuz mit dem Spruch „Ora et Labora“.
Die Gründung geht auf Graf und Burggraf Meinher II. von Hartenstein und Meißen zurück. Er beauftragte 1226 Mönche aus dem Mutterkloster Sittichenbach, ein von mainfränkischen Bauern besiedeltes Waldgebiet zu kultivieren. Nahe der jungen Gemeinde Grünhain begannen sie mit dem Bau der Anlage, der 1230 abgeschlossen war. Am 20. September 1235 zog der dauerhafte Konvent aus Sittichenbach ein; am Ostermontag 1236 weihte der Naumburger Bischof Engelhard das Kloster.
Die Primarabtei war Kloster Morimond, die Ordnungsnummer nach Janauschek lautet 621, also DCXXI. Das klingt trocken, ist aber ein kleiner Hinweis darauf, wie genau der Zisterzienserorden seine Häuser erfasste.
Eine hohe Außenmauer umgab die Anlage. Im Osten trennte eine innere Mauer die Klausur, die nur den Mönchen offenstand, von den übrigen Gebäuden. Mittelpunkt war die Kirche St. Maria und St. Nikolaus: eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit rechteckigem Sanktuarium, Umgang und Kapellen. Sie war etwa 80 Meter lang und über 20 Meter breit, ost-westlich nach dem bernhardinischen Bauplan ausgerichtet und in schlichter früher Zisterzienserbaukunst mit hochgotischen Elementen errichtet.
Nach dem Niedergang des Klosters wurden die Mauersteine der Kirche als Baumaterial verwendet. Vieles verschwand also nicht auf einmal, sondern Stück für Stück, irgendwo in anderen Wänden. Erhalten oder rekonstruiert sind unter anderem das ehemalige Amtsgebäude an der westlichen Klostermauer, der „Langschuppen“ mit Grundmauern aus der Klosterzeit, der heute als Wohnhaus genutzt wird, und ein Kräutergarten mit Informationstafel zu den angebauten Pflanzen.
Vom Fuchsturm bis zum Grünhainer Hof
Am auffälligsten ist der Fuchsturm. Er wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Tor zwischen den beiden Klosterbereichen errichtet. Sein oberes Geschoss diente als Gefängnis. Der Prinzenräuber Kunz von Kauffungen soll dort gefangen gehalten worden sein. Eine Zeichnung Wilhelm Dilichs um 1630 zeigt den Turm als Ruine; vermutlich war er nach der Klosterauflösung ausgebrannt.
Das kurfürstliche Amt Grünhain ließ den Fuchsturm nach dem Dreißigjährigen Krieg wiederaufbauen. Wahrscheinlich wurde er bei kurfürstlichen Jagden genutzt. Heute ist er Ausstellungsraum und Werkstatt des Grünhainer Schnitz- und Krippenvereins.
Bereits während der Bauzeit erhielten die Mönche das Dorf Grünhain als Lehen. 1240 überließ Meinher II. dem Kloster zehn Dörfer aus seinem Hartensteiner Besitz. Zwei Urkunden dokumentieren diesen Besitzerwechsel und erwähnen mehrere Orte erstmals. Zum frühen Besitz gehörten außerdem das wüst gefallene Dorf Holzinhain, die Fluren von Kühnhaide, Burgstädtel und Zwönitz sowie der dazwischenliegende Staatswald.
Durch weitere Erwerbungen wuchs das Gebiet erheblich. Im Raum Zwickau besaß das Kloster unter anderem Crossen, Königswalde bei Werdau, Hartmannsdorf bei Werdau, Marienthal, Bockwa, Oberhohndorf, Reinsdorf und Zschocken teilweise, Lauenhain, Gersdorf bei Crimmitschau, Schedewitz und Weißenborn teilweise. Im Raum Stollberg kamen Oberlungwitz, Seifersdorf, Leukersdorf, Kirchberg, Pfaffenhain und Ursprung hinzu.
Später folgten unter anderem Zwönitz, die Hälfte von Lenkersdorf, Gablenz, Günsdorf, Grünau bei Wildenfels, Oelsnitz teilweise, Unterscheibe und der Glaßberg. Im Altenburger Land erwarb das Kloster Gardschütz, Lehndorf, Niederwiera, Röhrsdorf, Rositz und Hoyersdorf. Auch das gesamte Amt Schlettau mit Cranzahl, Cunersdorf, Sehma, Walthersdorf, Königswalde und Bärenstein ging in Klosterbesitz über.
Bei den böhmischen Städten Saaz und Kaaden lagen neun weitere namentlich genannte Klosterdörfer: Denetitz, Holletitz, Negranitz, Prenzig, Prösteritz, Tschermich, Tuschmitz, Wernsdorf und Wistritz. In seiner Blütezeit besaß Kloster Grünhain drei Städte und 56 Dörfer.
In der Zwickauer Altstadt gehörte der Grünhainer Hof in der heutigen Peter-Breuer-Straße zur Abtei. Die dortige Grünhainer Kapelle wird heute als Restaurant genutzt. Außerdem besaß das Kloster Weingärten in Maua und Leutra bei Jena sowie das Patronatsrecht für die Pfarrei St. Laurentius in Maua. In Zwickau unterhielt es einen Wirtschaftshof. 1522 stürmten Aufständische diesen Hof; dort war ein Bauer inhaftiert. Ein zeitgenössischer Bericht erwähnt, dass einem Mönch das Folterholz auf die Schulter geladen wurde.
Alltag, Äbte und ein ziemlich großes Netzwerk
Geleitet wurde das Kloster von einem auf Lebenszeit gewählten Abt. Er war für geistliche Führung, Verwaltung und Repräsentation zuständig, unterstützt von einem Prior und teilweise einem Unterprior. Das Ordensleben folgte der Benediktsregel und der Charta Caritatis des Zisterzienserordens.
Laienbrüder in grauer Kleidung verrichteten die niederen Arbeiten. Die Chormönche trugen weiße Gewänder mit schwarzem Gürtel und dunklem Schulterkleid mit Kapuze. Zum klösterlichen Personal gehörten Kantor, Siechmeister, Kellermeister, Küster und Bibliothekar, Pförtner, Novizenmeister und Gastmeister. Zur Verwaltung entfernter Besitzungen und zur Einziehung des Zehnten richtete das Kloster Klosterhöfe ein – Landgüter mit Kapelle, Gefängnis und Hofmeister.
Die Mönche betreuten die Bevölkerung seelsorgerisch, berieten beim Ackerbau und in der Viehzucht und hielten etwa in Raschau Gottesdienste. Unter ihrem Einfluss entwickelte sich Grünhain zu einer kleinen Stadt; als oppidum ist der Ort bereits 1267 urkundlich erwähnt. König Adolf von Nassau traf sich 1294 im Kloster mit dem böhmischen König Wenzel II.
Die Überlieferung der Äbte ist wegen der teilweise schlechten Quellenlage unvollständig. Genannt werden Brüning oder Bruning seit 1235, Luppold bis etwa 1243, erneut Brüning beziehungsweise Bruning von 1243 bis 1254, Albert von 1254 bis 1265, Johannes I. etwa 1270 bis 1273, Dietrich oder Theodericus von 1273 bis 1289, Burchard, belegt 1293, Heinrich von 1289 bis 1301, Johannes als stellvertretender Abt von 1301 bis 1311, Heinrich von 1311 bis 1316/19, Conrad von Stein etwa 1319 bis 1363, Johannes II. von 1363 bis 1399, Nikolaus von 1400 bis 1409, Johannes III. von 1409 bis 1429, Eberhard von 1429 bis mindestens
