In Dresden bekommt die Brücke Budapester Straße in der Nacht einiges zu tun: Vier Schwerlastfahrzeuge bringen bis zu 326 Tonnen Gewicht auf das Bauwerk. Die Standfestigkeit wird weiter überprüft – diesmal nicht nur mit Blicken und Berechnungen, sondern unter echter Belastung.

Der Belastungstest beginnt am 10. August 2026 und läuft in der Nacht von Montag auf Dienstag sowie in der folgenden Nacht zwischen 19 und 5 Uhr. Zuvor waren am 6. August 2026 die Notstützen erfolgreich angepresst worden. Dadurch wurden die Bereiche um die Achse C deutlich entlastet; während des Anpressens traten keine Spanndrahtbrüche auf.

326 Tonnen und ein dichtes Netz aus Sensoren

Auf der Brücke wird es messtechnisch ziemlich eng: 122 Schallsensoren, 64 Dehnungssensoren und 32 Neigungssensoren überwachen das Bauwerk. Erfasst werden unter anderem Risse, Dehnungen und Durchbiegungen. Auch das Verhalten des Überbaus, der Stützen und der Fundamente bleibt engmaschig unter Kontrolle.

Die Schwerlastfahrzeuge befahren die einzelnen Brückenzüge nach Plan: Am Montag ist Brückenzug C an der Reihe, am Dienstag Brückenzug A. Laut TU-Professor Steffen Marx vom beteiligten Unternehmen MKP könnten bei einem ungünstigen Verlauf weitere Spanndrahtbrüche auftreten. In dieser Größenordnung sei der Belastungstest bislang einmalig in Deutschland.

Die umfangreichen Messdaten werden mit bestehenden Berechnungsmodellen abgeglichen. Nach der Datenerfassung folgt die Auswertung. Erst danach soll entschieden werden, ob und wie lange die baufällige Brücke noch genutzt werden kann.

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Brücke und Ammonstraße nachts komplett dicht

Für den Test wird die Straße am 10., 11. und 12. August jeweils von 18 bis 6 Uhr vollständig gesperrt. Betroffen sind die Ammonstraße und die Brücke Budapester Straße einschließlich des derzeit noch befahrbaren Bereichs. Die Sperre gilt für den gesamten Verkehr – auch für Fußgänger und Radfahrer. Der Busverkehr wird in Abstimmung mit den Dresdner Verkehrsbetrieben umgeleitet.

Heute, am 9.10.2026, an der TU Dresden, liegen die angekündigten Testnächte bereits zurück. Die Entscheidung über die weitere Nutzung hängt nun an den ausgewerteten Daten. Viel Spielraum für Bauchgefühl bleibt bei einem Bauwerk mit dieser Vorgeschichte ohnehin nicht.

Was die Schallsensoren tatsächlich leisten

Schallemissionsanalyse wird bei Spannbetonbrücken eingesetzt, um Spanndrahtbrüche kontinuierlich zu erkennen. Das Verfahren kann anzeigen, wie viele Brüche während des Überwachungszeitraums innerhalb der Reichweite der installierten Sensoren auftreten – und sie lokalisieren.

Dank einer weitgehend automatisierten Datenanalyse stehen Informationen über einen Drahtbruch kurzfristig nach dem Ereignis zur Verfügung. Das passt zur Dresdner Überwachung mit ihren 122 Schallsensoren, ersetzt aber keine genaue Einordnung: Spanndrahtbrüche, die bereits vor Beginn der Überwachung entstanden sind, können mit der Methode nicht erkannt werden.

Der Anwendungsbereich umfasst Brücken und andere Ingenieurbauwerke mit Spanndrähten, sowohl mit sofortigem als auch mit nachträglichem Verbund. Spannsysteme ohne Verbund gehören nicht zum eigentlichen Anwendungsbereich; die beschriebenen Verfahren können jedoch darauf übertragen werden.

Das zugrunde liegende Fachwissen richtet sich an Baulastträger, Anbieter und Betreiber von Monitoringsystemen auf Basis der Schallemissionsanalyse sowie an Ingenieurbüros, die Überwachungsergebnisse bewerten und daraus Maßnahmen ableiten. Es geht dabei um Planung, Ausschreibung, Installation und Betrieb solcher Systeme – außerdem um die Überprüfung, ob sie im Ernstfall überhaupt funktionieren.

Dafür werden am Bauwerk mit einer Referenzquelle Signale ausgelöst. Das installierte System muss sie detektieren, innerhalb der vorgegebenen Genauigkeit lokalisieren und die festgelegte Alarmkette auslösen. Bei der Budapester Brücke lauschen die Sensoren nun erst einmal weiter.