Die Geschichte der I. G. Farben ist nicht nur eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, sondern auch ein Kapitel voller Schattenseiten, das am 16. April 2026 in der Universitätsbibliothek Freiberg erneut beleuchtet wird. In einer Wanderausstellung wird die Entwicklung des Unternehmens von seinen Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart thematisiert. Diese Ausstellung geht über die bloße Chronik hinaus und fragt nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Akademiker:innen, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.
Die I. G. Farbenindustrie AG entstand 1925 aus der Fusion von sechs bedeutenden Unternehmen, darunter BASF und Bayer. Damals setzte das Unternehmen Maßstäbe und wurde während des Nationalsozialismus zum weltweit größten Chemie- und Pharmakonzern. Doch die glänzende Fassade hat einen frischen Blick auf unzählige Vergehen nötig gemacht. Während des Krieges war die I. G. Farben in die Errichtung des KZ Auschwitz III Monowitz verwickelt und nutzte Zwangsarbeiter in großem Umfang. Dies führt zu der Frage: Wie kann eine Institution, die solche Verstrickungen über Jahrzehnte hinweg ignoriert hat, Verantwortung für ihre Vergangenheit übernehmen?
Ein Lernort für Widersprüche
Die Ausstellung in Freiberg dokumentiert die Bemühungen von Studierenden und Fachschaften der Chemie, die sich unermüdlich für die historische Aufarbeitung einsetzen, trotz gelegentlicher Widerstände. Die Studierenden haben eine Wanderausstellung initiiert, die sowohl historische Objekte als auch ihre eigenen Perspektiven verbindet. Dies ermöglicht nicht nur einen Austausch über die Vergangenheit, sondern auch darüber, welche Lehren man für die Gegenwart und Zukunft ziehen kann.
Hierbei beleuchtet die Ausstellung die Verflechtungen von chemischer Industrie, Moral und Politik. Die I. G. Farben war nicht nur ein industrieller Riese, sondern auch eng verbunden mit der politischen Macht der Zeit, inklusive der Nationalsozialisten. Diese Verbindungen reichen zurück bis in die 1930er Jahre, als das Unternehmen um Subventionen für synthetisches Benzin bat und mit führenden Nationalsozialisten, darunter Adolf Hitler, Kontakt hatte.
Eine dunkle Erbschaft
Die negativen Aspekte der I. G. Farben sind untrennbar mit ihrer Geschichte verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in ihren Fabriken chemische Kampfstoffe hergestellt, und die Verstrickungen des Unternehmens reichen bis zu den Gaskammern von Auschwitz, wo Zyklon B von der I. G. Farben geliefert wurde. Im Nachkriegsprozess, bekannt als der I.G.-Farben-Prozess, wurden 23 leitende Angestellte wegen schwerer Vergehen, darunter Versklavung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, angeklagt. Dennoch blieben viele von ihnen ungestraft oder erhielten milde Strafen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Vermögen der I. G. Farben beschlagnahmt und das Unternehmen aufgespalten. Fast 60 Jahre nach seiner Gründung, im Jahr 2012, wurde die I. G. Farbenindustrie AG offiziell aus dem Handelsregister gelöscht. Diese Geschichte wirft wichtige Fragen auf: Was lernen wir aus der Vergangenheit? Wie können wir die Verantwortung für das Geschehene annehmen und in ein transparentes, verantwortungsvolles Handeln umsetzen? Die Universitätsbibliothek Freiberg lädt alle Interessierten ein, sich aktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen und so zur Aufarbeitung beizutragen.