Die Bedrohung durch den Anstieg des Meeresspiegels ist in den letzten Jahren zunehmend ins Bewusstsein gerückt. Laut einer aktuellen Studie von Forschenden der Technischen Universität München (TUM) und der Tulane University, die in Nature Communications veröffentlicht wurde, sind stark bevölkerte Küstenregionen weltweit besonders anfällig für Überflutungen. Dies wird vor allem durch das Absinken von Landmassen (Subsidenz) verschärft, wodurch einige Regionen einen weitaus höheren relativen Meeresspiegelanstieg erleben als der globale Durchschnitt.
Die Studie zeigt, dass in dicht besiedelten Küstenregionen der relative Anstieg bei rund 6 mm pro Jahr liegt und damit etwa dreimal so hoch ist wie der küstenlängengewichtete globale Mittelwert von 2,1 mm pro Jahr. Der klimabedingte absolute Meeresspiegelanstieg beträgt in diesen Regionen etwa 3,15 mm jährlich. Über eine halbe Milliarde Menschen lebt in niedrig gelegenen Küstenzonen, die besonders gefährdet sind.
Gefährdung in Deutschland
In Deutschland spitzt sich die Lage ebenfalls zu. Klimaforscher wie James Hansen halten einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 5 Meter bis 2100 für realistisch. Dies würde katastrophale Auswirkungen für viele Küstenstädte an Nord- und Ostsee haben. Bei einem Anstieg um 7 Meter stünden große Städte unter Wasser, darunter Hamburg und Bremerhaven. Auch Oldenburg und Bremen wären betroffen, sodass sie fast direkt an der Küste lägen.
Für die Ostseeküste müssten Städte wie Flensburg, Kiel, Lübeck, Rostock und Stralsund mit erheblichen Überflutungen rechnen. Vorpommern würde die größten Herausforderungen erfahren, da Städte wie Greifswald und Anklam beinahe vollständig überflutet werden könnten. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Dringlichkeit, Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels zu ergreifen.
Langfristige Prognosen und Herausforderungen
Die Messungen der Pegelstände an deutschen Küstenstädten deuten auf einen anhaltenden Anstieg hin, wobei Unterschiede aufgrund von Meeresströmungen und tektonischen Veränderungen auftreten. Die Prognosen für den Meeresspiegelanstieg unterscheiden sich je nach Klimaszenario. Während das Best-Case-Szenario (SSP1 – 1.9) einen minimalen Anstieg vorhersagt, zeigt das Worst-Case-Szenario (SSP8.5) fast 0,5 Meter an.
Zusätzlich zu den Überflutungen werden auch klimabedingte Probleme wie die Versalzung von Böden und Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung zunehmen. Diese Umstände könnten dazu führen, dass immer mehr Menschen als Klimaflüchtlinge aus ihren Heimatregionen fliehen müssen. Daher ist es unerlässlich, sich mit der Problematik des steigenden Meeresspiegels und den sich verändernden klimatischen Bedingungen auseinanderzusetzen. In Deutschland ist dabei das Problem der Trockenheit in vielen Regionen sogar akuter als der Anstieg des Meeresspiegels, was die Herausforderungen weiter verstärkt.