Heute, am 27. Oktober 2026, treffen in der Blockchain-Welt große Pläne und ziemlich nüchterne Zahlen aufeinander. In München laufen die Vorbereitungen für die vierte TUM Blockchain Conference, während Ethereum Stablecoin-Bestände verliert, Soneium um neue Geschäftsmodelle ringt und Banken ihre eigene Blockchain-Infrastruktur aufbauen wollen. Es ist eine dieser Wochen, in denen Zukunftsmusik und Kassensturz gleichzeitig erklingen.

Am 29. Oktober beginnt die Konferenz im House of Communication in München. Veranstalter ist der TUM Blockchain Club der Technischen Universität München. Bis zum 31. Oktober geht es um Blockchain-Technologie, dezentrale Finanzanwendungen und Regulierung. Erwartet werden Entwickler, Gründer, Investoren, Wissenschaftler und Unternehmen. Bei der vergangenen Ausgabe waren laut Veranstaltern mehr als 1.200 Personen und über 125 Sprecher dabei.

Von strukturierten Produkten bis zum eigenen Token

TVL Capital ist der Schweizer Structured Securities Professionals Association, kurz SSPA, beigetreten. Das Unternehmen stellt Blockchain-Infrastruktur bereit, mit der bestehende strukturierte Produkte tokenisiert werden können. Die Rolle des Emittenten oder des Vertriebs übernimmt TVL Capital ausdrücklich nicht. Die Idee dahinter ist eher pragmatisch: Emittenten sollen ihre Produkte auf die Blockchain bringen können, ohne deren Inhalt zu verändern.

Mit dem Beitritt wächst die SSPA auf 58 Mitglieder. Nach eigenen Angaben decken die Verbandsmitglieder mehr als 95 Prozent des Schweizer Marktvolumens für strukturierte Produkte ab. Blockchain muss hier also nicht gleich das ganze Finanzsystem umwerfen. Manchmal reicht es offenbar, vorhandene Abläufe digital abzubilden.

Deutlich größer klingt der Plan von Soneium, dem von Sony unterstützten Blockchain-Projekt. Das Netzwerk will ein System entwickeln, das kreative Urheber automatisch vergütet, wenn KI-Unternehmen ihre Werke nutzen. Werke sollen auf der Blockchain registriert werden; KI-Programme könnten Lizenzbedingungen prüfen und Zahlungen selbstständig ausführen.

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Unterstützt werden soll dafür der Ethereum-Standard ERC-8432 für maschinenlesbare Lizenzen. Soneium plant außerdem Investitionen in den Unterhaltungsbereich und einen eigenen Token namens $SONEIUM. Fans könnten über Token in das Moriusa-Charakter-Franchise investieren. Eine Partnerschaft mit dem K-Pop-Unternehmen DayOneDream soll zudem Investitionen ermöglichen, die an Konzert-Tantiemen gekoppelt sind. Entwickelt wurde das Projekt gemeinsam mit dem japanischen Krypto-Unternehmen Startale.

Wann der Token startet, ist bisher nicht bestätigt. Auch ein KI-Unternehmen, das das Lizenzsystem nutzen soll, wurde noch nicht genannt. Gleichzeitig sehen die Nutzungszahlen eher nach Baustelle als nach Durchbruch aus: Laut DefiLlama sanken die DeFi-Einlagen auf Soneium von 203 Millionen US-Dollar im Mai 2025 auf rund 9,4 Millionen US-Dollar. Kyo Finance, Sonex, Untitled Bank und Sake Finance hielten auf dem Höchststand zusammen rund 159 Millionen US-Dollar, aktuell sind es etwa 1,5 Millionen US-Dollar.

Innerhalb von 24 Stunden verarbeitete das Netzwerk 163.691 Transaktionen und erzielte 118 US-Dollar Umsatz. Seit Anfang 2025 soll Soneium mehr als 90 Prozent seines gesamten Umlaufangebots verloren haben. Dazu passt der Streit um KI-generierte Musik: Sony Music reichte im Juli erneut Klage gegen den KI-Musikgenerator Udio ein und warf ihm die Verletzung der Rechte an mehr als 30.000 Aufnahmen vor. Bei vollständigem Erfolg könnten die Entschädigungen mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar betragen.

Banken bauen ihre eigene Schiene

Während einzelne Blockchain-Projekte um Nutzer kämpfen, gehen traditionelle Finanzhäuser den umgekehrten Weg: Sie wollen die Technologie selbst einsetzen. Ein Konsortium aus 21 großen Banken plant einen dollarbasierten Stablecoin. Beteiligt sind unter anderem Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, Deutsche Bank und UBS. Entstehen soll eine gemeinsame Infrastruktur für digitale Zahlungen – mit möglichen Anwendungen bei Stablecoins, Zahlungen, Tokenisierung, Clearing, Settlement und Verwahrung.

Market Research Future bezifferte den globalen Umsatz mit Blockchain-Technologie im klassischen Banken- und Finanzdienstleistungssektor im Vorjahr auf 15,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 soll der Markt bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 48 Prozent auf 782,5 Milliarden US-Dollar steigen. JPMorgan-Chef Jamie Dimon sagte, seine Bank beobachte mehr als 100 potenzielle Wettbewerber auf Basis blockchainbasierter, dollarbasierter Kryptowährungen.

Politisch gibt es in den USA zugleich Rückenwind und Reibung. Der Genius Act schafft einen einheitlichen regulatorischen Rahmen für Stablecoins. Der Clarity Act zur Verteilung der Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC scheiterte dagegen an politischen Konflikten und Bedenken der Bankenlobby.

Der mögliche Vorteil liegt in der Geschwindigkeit: Blockchain könnte Abwicklungszeiten verkürzen und langfristig eine Abwicklung bis T+0 ermöglichen. Knackpunkt bleibt die technische Fragmentierung verschiedener Blockchain-Systeme. Sie müssen miteinander kommunizieren können – sonst entsteht bloß ein neuer Flickenteppich, diesmal mit digitalen Etiketten.

Die Bundesbank ordnet Stablecoins als Krypto-Token ein, die einen stabilen Wert gegenüber einer Referenzwährung, meist dem US-Dollar, halten sollen. Wirtschaftlich ähneln sie digitalisierten Schuldscheinen: Nutzer haben Ansprüche gegenüber dem Emittenten auf Rückzahlung zum Nennwert, üblicherweise abgesichert durch Reserven. Die Struktur erinnert teilweise an Geldmarktfonds oder Sichteinlagen.

Das Volumen der Stablecoin-Transaktionen erreichte bis Ende 2025 fast 11 Billionen US-Dollar – 94 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Marktkapitalisierung lag 2025 bei rund 307 Milliarden US-Dollar und damit 50 Prozent über dem Wert von 2024. Krypto-Assets und Stablecoins zusammen machten dennoch weniger als ein Prozent der globalen Marktkapitalisierung aus.

Rund 99 Prozent der Stablecoins sind derzeit auf den US-Dollar denominiert. Ein Vertrauensverlust kann bei solchen privaten Geldformen schnelle Mittelabflüsse auslösen. Stablecoin-Runs könnten wegen der digitalen Abwicklung besonders schnell, umfangreich und international auftreten. Stablecoin-Emittenten waren 2024 die drittgrößte Käufergruppe von US Treasury Bills. Ein großer Run könnte deshalb Verkaufsdruck auf wichtige Staatsanleihemärkte ausüben. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Zuflüsse von 3,5 Milliarden US-Dollar in Stablecoins bei geringer Marktliquidität die Rendite von US Treasury Bills um etwa fünf Basispunkte senken können.

Die Bundesbank bewertet die systemischen Risiken des Kryptosystems derzeit als begrenzt, weil die Märkte im Verhältnis zum Gesamtsystem noch klein sind und die Verflechtungen mit dem traditionellen Finanzsystem weiterhin begrenzt bleiben. Sie wachsen allerdings. Die europäische MiCAR-Verordnung legt Anforderungen an Reserven, Einlösungsrechte, Governance und Aufsicht fest; die Regulierung soll kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Eine zunehmende Nutzung von Dollar-Stablecoins in Europa könnte die geldpolitische Steuerung der EZB schwächen, die Abhängigkeit von außereuropäischen Plattformen erhöhen und Europas Einfluss auf das eigene Zahlungssystem verringern. Private Stablecoins sind programmierbar, lassen sich in digitale Handels- und DeFi-Systeme integrieren und ermöglichen schnelle grenzüberschreitende Zahlungen. Gleichzeitig hängen sie von privaten Anbietern, deren technischer Funktionsfähigkeit, rechtlicher Absicherung und Geschäftsinteressen ab. Technische Ausfälle, regulatorische Maßnahmen oder geopolitische Krisen könnten Nutzer unmittelbar treffen.

Ethereum verliert Geld auf der Blockchain

Auf Ethereum lagen am 27. Oktober rund 143 Milliarden US-Dollar in Stablecoins. Innerhalb von 30 Tagen sank der Bestand um 2,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 2,0 Prozent. Über sieben Tage betrug der Rückgang 1,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 0,86 Prozent. Über alle Blockchains hinweg wurden 298,6 Milliarden US-Dollar in Stablecoins gezählt; Ethereum hält laut DefiLlama 47,6 Prozent davon.

Der Höchststand auf Ethereum lag am 12. November 2025 bei 167,7 Milliarden US-Dollar. Davon fehlen aktuell 14,7 Prozent. Ether notierte am Dienstagmorgen bei 2.306,86 US-Dollar und damit 0,87 Prozent niedriger als am Montagmorgen. Im Tagesverlauf fiel der Kurs bis auf 2.294,84 US-Dollar und stieg bis auf 2.338,49 US-Dollar. Das Handelsvolumen lag bei 8,49 Milliarden US-Dollar, der 200-Tage-Durchschnitt bei 2.329 US-Dollar.

Der DVOL-Index für Ether lag bei 52,91 und deutete auf eine erwartete Tagesspanne von 2,77 Prozent hin – ungefähr zwischen 2.243 und