Künstliche Intelligenz im Vorstellungsgespräch: Fair oder unfair?
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Personalauswahl ist ein heiß umstrittenes Thema und zieht zunehmend die Aufmerksamkeit von Unternehmen und Bewerber:innen gleichermaßen auf sich. Viele Firmen setzen bereits verstärkt auf KI, um den Rekrutierungsprozess zu optimieren. Doch wie fair ist dieser neue Ansatz tatsächlich? Das beleuchtet eine aktuelle Studie der Technischen Universität München (TUM), die verschiedene Facetten der Wahrnehmung von KI-gesteuerten Vorstellungsgesprächen untersucht.
Die Studie ergab, dass Bewerber:innen, die einem Avatar gegenübersitzen, der das Vorstellungsgespräch führt, im Großen und Ganzen Vertrauen in dessen Urteil haben – zumindest bis sie eine Absage erhalten. Die Wahrnehmung der Fairness dieser Entscheidungen scheint jedoch stark von den Merkmalen der Avatare abzuhängen. Interessanterweise fühlten sich nicht die Testpersonen, die sich am stärksten vom Avatar unterschieden, ungerecht behandelt, sondern vielmehr jene, die in Geschlecht oder Hautfarbe mit dem Avatar übereinstimmten. Dies wirft Fragen zur Gleichbehandlung und den Prinzipien der Fairness in automatisierten Auswahlverfahren auf.
Der Einsatz von KI in der Personalauswahl
Unternehmen nutzen KI zunehmend für verschiedene Aspekte der Rekrutierung, angefangen bei der automatisierten Auswertung von Lebensläufen bis hin zur Durchführung von Vorstellungsgesprächen durch fotorealistische Avatare. Diese Avatare interagieren auf menschliche Art, reagieren auf Antworten und stellen gegebenenfalls Nachfragen. Die TUM-Studie führte diesbezüglich mit rund 220 Probandinnen und Probanden in den USA, Großbritannien und Deutschland simulierte Vorstellungsgespräche durch.
Professorin Enkelejda Kasneci von der TUM erläutert, dass Menschen unbewusst auf das Aussehen der Avatare reagieren. Diese Erkenntnis hebt hervor, wie wichtig das Erscheinungsbild in der Wahrnehmung des Auswahlprozesses ist. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und wie diese Technologie tatsächlich Vorteile für die Bewerber:innen mit sich bringt. Kritiker warnen davor, dass die Technologie zu einer Entfremdung im Auswahlprozess führen könnte.
Kritik und Herausforderungen
Während der Einsatz von KI in der Personalauswahl als transformativ angesehen wird, bleibt er umstritten. Uwe P. Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie, hebt hervor, dass viele Softwareanbieter die Technologie vorantreiben, während die Forschung oft hinterherhinkt. Zahlreiche Anbieter behaupten, mit KI vollständige Persönlichkeitsprofile aus Anschreiben abzuleiten, wobei doch viele dieser Anschreiben von Dritten verfasst sein könnten.
Die Validität von KI-gestützten Auswahlverfahren bleibt fraglich. Bewerber:innen nehmen zwar KI-gestützte Methoden als modern wahr, allerdings bewerten sie diese im Gesamten als weniger attraktiv. Viele zögern, sich bei Arbeitgebern zu bewerben, die solche Technologien einsetzen, und betrachten die ethischen Implikationen als problematisch. Insgesamt zeigt sich, dass Unternehmen, trotz der potenziellen Vorteile der Technologie, die Auswirkungen auf die Bewerber:innen nicht aus den Augen verlieren sollten.
Die Diskussion über den Einsatz von KI in der Rekrutierung steht also erst am Anfang. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Technologien entwickeln und welche Standards und Ethikrichtlinien künftig etabliert werden, um faire und transparente Auswahlverfahren zu gewährleisten.
Für weitere Informationen zu dieser Studie und ihren Ergebnissen, besuchen Sie bitte die Meldung von der Technischen Universität München und die Analysen von Haufe.
