Oktoberfest als Wirtschaftsmotor: Wie die Wiesn München mit Millionenumsätzen, Megalogistik und 13.000 Beschäftigten bewegt
Heute, am 25. September 2026, läuft das Oktoberfest auf der Theresienwiese bereits. 16 Tage lang bringt das größte Volksfest der Welt Menschen zusammen, die feiern, lachen und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen. Zwischen Blasmusik, gebrannten Mandeln und dem klebrigen Boden vor den Zelten steckt allerdings weit mehr als ausgelassene Stimmung: Die Wiesn ist eine logistische Großleistung – und für München ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Das merkt man nicht nur an den vollen Bierzelten. Laut anonymisierten Visa-Transaktionsdaten lagen die Ausgaben während der Festwochen 2025 rund 30 Prozent über dem Niveau gewöhnlicher Sommertage. An einzelnen Spitzentagen betrug der Zuwachs fast 70 Prozent. Schon zwei Wochen vor dem Anstich verdreifachten sich die mit Visa bezahlten Umsätze im Münchner Modehandel nahezu; sie lagen 206 Prozent über dem Vergleichsniveau. Während der Festzeit stiegen die Umsätze der Souvenirhändler um 155 Prozent. Auch Hotels, Gastronomie und Transport profitierten von der Nachfrage.
Die Wiesn als Münchner Wirtschaftsmotor
Die Zahl der täglich digital zahlenden Gäste verdoppelte sich laut Visa, der durchschnittliche Kartenumsatz pro Zahlung stieg um 11 Prozent. Bargeld wird dagegen seltener gezückt: Bargeldabhebungen an Münchner Geldautomaten mit Visa-Karten gingen während des Oktoberfests 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent zurück. Der Anteil der Bargeldabhebungen am gesamten Visa-Zahlungsvolumen sank von 18 auf 11 Prozent. 94 Prozent der Visa-Transaktionen vor Ort wurden kontaktlos per Karte oder Mobilgerät abgewickelt. Die Auswertung umfasst allerdings ausschließlich Visa-Daten und bildet deshalb nicht den gesamten Zahlungsverkehr des Oktoberfests ab.
Für 2026 zeichnen die Visa-Daten zudem ein internationales Bild. Die Flugbuchungsnachfrage nach München stieg aus dem Asien-Pazifik-Raum gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 42 Prozent, aus Lateinamerika um 23 Prozent. Europa und Nordamerika bleiben die wichtigsten Herkunftsregionen. Bei den internationalen Visa-Ausgaben während der Wiesn 2025 lagen Gäste aus den USA und der Schweiz vorne. Italienische Gäste standen zur Halbzeit beim Anteil an den internationalen Ausgaben auf Rang sechs, rückten am Abschlusswochenende mit ihrem höchsten Ausgabenanteil aber auf Rang fünf vor. Besonders stark stiegen im Jahresvergleich die Ausgaben von Gästen aus Österreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
2026 findet das Fest vom 19. September bis 4. Oktober statt. Das Areal umfasst 34,5 Hektar, davon 3,5 Hektar für die Oide Wiesn; die gesamte Theresienwiese ist rund 42 Hektar groß. Für die diesjährige Ausgabe wurden 478 Betriebe zugelassen, nachdem 954 Bewerbungen eingegangen waren: 36 gastronomische Betriebe, 243 Schaustellergeschäfte, 182 Marktkaufleute und mehrere Servicebetriebe. Für die Oide Wiesn gab es 109 Bewerbungen, 45 Betriebe erhielten dort eine Zulassung – darunter vier gastronomische und 41 Schaustellerbetriebe.
13.000 Beschäftigte, 120.000 Sitzplätze und eine teure Maß
Rund 13.000 Menschen arbeiten auf dem Fest, etwa 8.000 davon fest angestellt, weitere 5.000 wechseln. Die gastronomischen Betriebe bieten ungefähr 120.000 Sitzplätze. Das Hofbräu-Festzelt kommt auf rund 10.000 Plätze, während Schiebl’s Kaffeehaferl mit 60 Sitzplätzen zu den kleinsten Angeboten zählt. Wer 2026 eine Maß Festbier bestellt, zahlt je nach Betrieb 14,80 bis 15,90 Euro. 2025 lag die Spanne noch bei 14,50 bis 15,80 Euro; der durchschnittliche Preis steigt damit um 2,38 Prozent. In großen Festzelten kostet die Maß 14,90 bis 15,90 Euro, auf der Oidn Wiesn 14,80 bis 15,80 Euro.
2025 kamen rund 6,5 Millionen Menschen, nach etwa 6,7 Millionen im Jahr 2024. Die meisten Gäste stammten aus München und dem Umland. Im Durchschnitt kamen rund 21 Prozent aus dem Ausland, am mittleren Samstag etwa 30 Prozent. Besonders viele internationale Besucherinnen und Besucher reisten aus den USA, Italien, Großbritannien, Österreich, Polen, Spanien, Frankreich, Indien und Schweden an. Ein kleiner Dämpfer im Festkalender: Am 1. Oktober 2025 wurde das Gelände wegen einer Bombendrohung mehrere Stunden geschlossen.
Die Oide Wiesn besuchten 2025 insgesamt 373.083 zahlende Gäste, 2024 waren es 447.356. Rund 6,5 Millionen Maß Bier wurden nach Angaben der Festwirte ausgeschenkt, gegenüber etwa sieben Millionen im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der gemeldete Verbrauch von alkoholfreiem Bier kräftig – von 2.400 Hektolitern 2024 auf 5.638 Hektoliter 2025. Freiwillig meldeten ausgewählte Beschicker außerdem 67.127 Hektoliter Bier, 149.984 Liter Wein, 49.683 Liter Sekt, 28.403 Liter Champagner, 465.641 Liter Wasser sowie 155.754 Tassen Kaffee und Tee. Die Getränkezahlen beruhen auf freiwilligen Angaben ausgewählter Beschicker.
Vom Brathendl bis zum kostenlosen Trinkwasser
Beim Essen ging 2025 ebenfalls einiges über die Buden und Teller: gemeldet wurden 351.461 Brathendl, 427.401 Bratwürste, 165.948 Schweinswürstl, 71.829 Schweinshaxen, 21.986 Kilogramm Fisch, 130 Ochsen und 44 Kälber. Dazu kamen 45.750 Kilogramm gebrannte Mandeln, 152.569 vegetarische Gerichte und 51.184 vegane Gerichte. 66 Betriebe boten ganz oder teilweise Bio-Waren an.
Die Wiesn wurde 2025 vollständig mit Ökostrom der Stadtwerke München versorgt. Trotzdem braucht ein Fest dieser Größe ordentlich Energie: rund 2,8 Millionen Kilowattstunden Strom, 152.870 Kubikmeter Erdgas und 110.027 Kubikmeter Wasser. Die höchste Stromspitze lag am 3. Oktober um 19:30 Uhr bei 12.962 Kilowatt. Am heißen Eröffnungssamstag wurden an einem Tag 6.430 Kubikmeter Wasser verbraucht. An kostenlosen Trinkwasserstellen zapften Besucherinnen und Besucher über die 16 Festtage rund 130 Kubikmeter.
Beim Müll kamen 2025 insgesamt 1.828,22 Tonnen zusammen, etwas weniger als die 1.848,19 Tonnen von 2024. Darunter waren 902 Tonnen Restmüll, 100 Tonnen Papier, Pappe und Kartonagen, 681,22 Tonnen Speisereste sowie 145 Tonnen Glasbruch. Und dann wären da noch die Dinge, die Menschen verlieren – oder mitnehmen wollen. Das Wiesn-Fundbüro registrierte 5.656 Fundsachen: 1.041 Kleidungsstücke, 832 Geldbeutel, 554 Ausweise, 447 Handys und Smartphones, 410 Bankkarten, 400 Schlüssel, 335 Brillen, 165 Taschen, Rucksäcke und Beutel, 85 Regenschirme, 43 Powerbanks und 30 Uhren. 986 Fundsachen fanden noch während des Oktoberfests zu ihren Besitzerinnen und Besitzern zurück.
Das Ordnerpersonal fing rund 116.000 Maßkrüge ab, die Gäste 2025 vom Gelände mitnehmen wollten. 2024 waren es rund 98.000. Man kann’s versuchen – aber die Krüge bleiben meistens da.
Rekorde, Hitze und die lange Geschichte der Wiesn
Der Besucherrekord stammt aus dem Jahr 2023: rund 7,2 Millionen Gäste, damals dauerte das Oktoberfest 18 Tage. Der historische Bierrekord wurde 2011 erreicht: 79.225 Hektoliter, knapp acht Millionen Liter. Das größte Festzelt der Wiesn-Geschichte stand 1913 dort, wo die Pschorr-Bräurosl rund 12.000 Plätze auf 5.500 Quadratmetern bot. Am Eröffnungstag 2025 wurden außerdem 30,7 Grad gemessen – Temperaturrekord für das Oktoberfest.
Über das Fest, seine Kleidung und seine soziale Dynamik lässt sich längst auch lesen und hören. Als weiterführende Literatur werden unter anderem Werke über das Dirndl und sozialpsychologische Aspekte des Oktoberfests genannt. Empfohlen werden außerdem Hörbeiträge über das veränderte Feiern in der Generation Z und über den Schutz vor K.-o.-Tropfen.
Die Sendung „Das Wissen“ wurde am 18. September 2026 um
