TUM-Werkfeuerwehr zieht Bilanz: Elektrische Löschfahrzeuge bewähren sich im Einsatz
Garching bei München, 1.11.2026: Auf dem Campus der Technischen Universität München (TUM) rücken seit einem Jahr zwei elektrisch betriebene Hilfeleistungslöschfahrzeuge mit Range-Extender aus. Die Werkfeuerwehr ist nach Angaben der TUM in Bayern bislang die einzige Feuerwehr, die solche Fahrzeuge aktiv einsetzt.
Die anfängliche Skepsis in der Mannschaft ist weitgehend verschwunden. Reichweite, Ladezeiten, technische Stabilität und die Sicherheit im Einsatz hatten vor der Einführung für Stirnrunzeln gesorgt. Nach zwölf Monaten gelten die Fahrzeuge nun als zuverlässig und den Anforderungen gewachsen. Der Leiter der Werkfeuerwehr zieht eine positive Bilanz – und bekommt regelmäßig Besuch oder Anfragen von anderen Feuerwehren, die wissen wollen, wie sich der elektrische Löschzug im Alltag schlägt.
Elektrisch zum Einsatz, Diesel nur wenn nötig
Die bisherigen Diesel-Fahrzeuge galten als nicht mehr zeitgemäß. Noch einmal in reine Verbrenner zu investieren, war deshalb ausgeschlossen. Geliefert wurden die neuen Fahrzeuge von Rosenbauer. Sie leisten 360 kW, umgerechnet 490 PS, und verbinden ein ergonomisches Design mit niedrigen Entnahmehöhen für Werkzeuge und Schläuche. Dazu kommen ein modernes Bedienkonzept und der Range-Extender.
Der kleine, aber entscheidende Zusatz wird mit Biodiesel betrieben. Er kann die Batterie während des Einsatzes nachladen. Dadurch lassen sich die Fahrzeuge bei Bedarf sogar länger einsetzen als herkömmliche Diesel-Modelle. Am TUM-Campus beträgt die durchschnittliche Einsatzentfernung allerdings nur 2,4 Kilometer. Fünf bis sechs Einsätze bewältigt die Feuerwehr pro Tag, jeder dauert im Schnitt etwa 30 Minuten. Für die meisten dieser Fahrten und Arbeiten reicht die Batterie im rein elektrischen Betrieb.
Erst bei längeren Einsätzen oder niedrigem Ladezustand springt der Range-Extender an. Dauert eine Löschaktion länger als 30 Minuten, unterstützt er die leistungsstarke Wasserpumpe. Die meisten Aggregate und Werkzeuge laufen lokal emissionsfrei mit Strom aus der Fahrzeugbatterie.
Leiser Arbeitsplatz für die Einsatzkräfte
Der Unterschied ist nicht nur an der Abgasfahne zu erkennen – meistens fehlt sie schlicht. In mehr als 97 Prozent der Einsätze entstehen am stehenden Fahrzeug keine Dieselabgase. Auch akustisch geht es deutlich ruhiger zu. Während der Fahrt können sich die Einsatzkräfte besser verständigen, Funk und Gespräche mit Kollegen sind leichter zu verstehen. Selbst neben dem stehenden Fahrzeug bleibt die Lärmbelastung geringer.
Die Wasserpumpe kommt im Betrieb auf etwa 75 Dezibel. Das entspricht ungefähr dem Geräusch eines Haushaltsstaubsaugers oder einer Kaffeemaschine. Für einen Einsatzort ist das immer noch ordentlich laut, klar, aber im Vergleich zu einem laufenden Dieselmotor wirkt es beinahe gelassen.
Geladen werden soll künftig noch nachhaltiger. Die Werkfeuerwehr plant unter anderem eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Feuerwache. Wann sie umgesetzt wird, ist nicht angegeben.
Amerikanische Details am Rosenbauer RTX
Die Fahrzeuge, der Rosenbauer RTX, tragen typische Merkmale amerikanischer Löschfahrzeuge. Dazu gehört der sogenannte „Front Bumper“, also die vordere Stoßstange. Auch die Fahrzeugarchitektur ist an die amerikanische Einsatztaktik angepasst.
Versorgungsschläuche werden im RTX nicht aufgerollt, sondern wie in Nordamerika gefaltet und oben im Heck in sogenannten „Hose Beds“, den Schlauchbuchten, gelagert. Die „pre-connected Crosslays“ für den Schnellangriff liegen quer im Mittelteil des Aufbaus. Der Schlauch ist bereits an den Druckabgang angeschlossen und kann nach links oder rechts ausgezogen werden – im Ernstfall spart das Handgriffe, und manchmal zählt genau das.
Ganz ohne Anpassungen an Europa kommt der RTX allerdings nicht aus. Unterschiede in der Gesetzgebung führen zu abweichenden Fahrzeugdetails: Bestimmte Komponenten müssen mit der DOT-Kennzeichnung versehen sein, außerdem wurde das Fahrzeuglichtpaket angepasst.
Neue Antriebe verändern auch den Brandschutz
Der TUM-Löschzug steht in einem größeren Wandel. Technischer Fortschritt und neue Entwicklungen stellen den abwehrenden Brandschutz in Deutschland vor anspruchsvolle Herausforderungen. Auf Verkehrswegen betrifft das vor allem den wachsenden Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos werden zahlreicher, gasbetriebene Fahrzeuge sind bereits seit längerer Zeit auf dem Markt. Bei wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen zeichnet sich ebenfalls eine zunehmende Verbreitung ab.
Mit jedem zusätzlichen, nicht konventionell angetriebenen Fahrzeug steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Unfällen und Defekten. Feuerwehreinsatzkräfte müssen die besonderen Gefahren dieser Fahrzeuge kennen und bewältigen können, damit eine effektive Gefahrenabwehr möglich ist. Als Hilfestellung wurde deshalb eine Broschüre zu alternativen Antrieben erstellt. Sie dient als Handlungsleitfaden und behandelt sowohl die technische Hilfeleistung als auch die Brandbekämpfung.
Für die Werkfeuerwehr in Garching heißt das derzeit: leise ausrücken, elektrisch arbeiten – und den Biodiesel-Range-Extender in der Hinterhand behalten, falls der Einsatz doch länger dauert.
