Am 28. Mai 2024 feierte das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld sein 30-jähriges Bestehen. Unter der Leitung von Professor Dr. Wilhelm Heitmeyer gegründet, leitet seit 2013 Professor Dr. Andreas Zick das Institut. Mit etwa 80 Wissenschaftler*innen, die hier an unterschiedlichen Themen forschen, hat das IKG einen entscheidenden Platz in der wissenschaftlichen Landschaft Deutschlands inne und stellt sich aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Zum Jubiläum des IKG, das unter anderem bekannt ist für seine Langzeitstudien zu diskriminierenden Einstellungen, wurde die jüngste Mitte-Studie vorgestellt. Diese ergab ein wachsendes Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen und Wahlen. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung, die in den letzten Jahren zugenommen hat, wie auch die Deutschlandfunk berichtet. Dort gab es Hinweise darauf, dass jede fünfte befragte Person sich nicht deutlich von rechtsextremen Positionen distanziert.
Ergebnisse der Mitte-Studie
Die aktuelle Mitte-Studie, die seit 2014 unter der Federführung von Andreas Zick durchgeführt wird, dokumentiert, dass 3,3 Prozent der Befragten ein geschlossen rechtes Weltbild haben, ein Rückgang im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Allerdings ist die besorgniserregende Tatsache, dass 20 Prozent der Befragten einer neutralen Haltung zu rechtsextremen Ansichten einnehmen, während 79 Prozent sich zur Demokratie bekennen. Dennoch finden fast ein Viertel der Befragten die Demokratie nicht funktional, was auf eine subtile Skepsis hinweist.
Das Vertrauen in die demokratischen Institutionen ist von 62 Prozent vor vier Jahren auf 50,5 Prozent gesunken. Diese Zahlen spiegeln eine generalisierte Unzufriedenheit wider, die sich auch in Forderungen nach autoritären Regierungsformen äußert. Rund 15 Prozent der Befragten befürworten die Idee, dass Deutschland eine starke Führung benötigt.
Gesellschaftliche Kontexte
Laut der DW ist die gesellschaftliche Mitte in Deutschland zwar stabil, zeigt jedoch Anzeichen von Anspannung. Unter Jugendlichen ist die Verbreitung von rechtsextremistischen Ansichten höher als bei älteren Generationen. Diese Entwicklung ist alarmierend, da sie auch mit einer wachsenden Neigung zu autoritären Ideologien einhergeht.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung, die seit fast zwei Jahrzehnten das gesellschaftliche Klima in Deutschland untersucht, verweist darauf, dass 70 Prozent der Befragten den Anstieg des Rechtsextremismus als bedrohlich empfinden. Gleichzeitig haben über 50 Prozent der Befragten signalisiert, dass sie sich aktiv gegen diese Tendenzen engagieren möchten. Diese gespaltene Wahrnehmung zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, das öffentliche Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und den Diskurs über Konflikte und gesellschaftliche Herausforderungen anzuregen.
Das IKG trägt durch unterschiedlichste Formate und Publikationen, wie dem Podcast „Konfliktgespräche“ und der Open-Access-Zeitschrift International Journal of Conflict and Violence, dazu bei, diese Themen in die Öffentlichkeit zu tragen und das Wissen über Konfliktdynamiken zu fördern. Die bevorstehende Gründung der ersten universitären Konfliktakademie, „ConflictA“, am IKG wird zudem eine zentrale Rolle in der Konzeption und Umsetzung von Forschungsprojekten spielen, die sich mit Konfliktbearbeitung und den drängendsten Konflikten in der Gesellschaft auseinandersetzen.
In einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft von Unsicherheiten geprägt ist, bleibt es entscheidend, an der Stärkung der Demokratie zu arbeiten und für eine offene, respektvolle Diskussionskultur zu sorgen.