In Bielefeld steht die Lutter vor ihrem nächsten großen Schritt. Das Umweltamt und der Verein „Pro Lutter“ laden am 9. November von 18 bis 20 Uhr zur Bürgerinformation in die Aula des Helmholtz-Gymnasiums ein. Dort geht es um die geplante Teiloffenlegung der Weser-Lutter zwischen der Teutoburger Straße und Stauteich I – auf rund 1,4 Kilometern.

Wer kommt, soll nicht bloß zuhören. Die Verwaltung stellt bisherige Planungsergebnisse und den aktuellen Stand vor; Besucherinnen und Besucher können Fragen stellen, Anregungen geben und Vorschläge für die weitere Planung diskutieren. Eingeladen sind außerdem Mitglieder der Bezirksvertretung Mitte und des Umweltausschusses. Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist Voraussetzung für die Förderung im Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“.

Ein Bach, der wieder sichtbar werden soll

Das EU-weite Ausschreibungsverfahren ist laut Umweltamt abgeschlossen. Die Planungsleistungen für den dritten Bauabschnitt der Teiloffenlegung wurden vergeben, ebenso die Planungen für Freianlagen und Ingenieurbauwerke. Der neue, oberirdische Wasserlauf soll an der Teutoburger Straße beginnen, durch den Luttergrünzug führen und sich unterhalb von Stauteich I mit der Weser-Lutter vereinigen.

Vorgesehen sind wechselnde Gewässerbreiten, ein mäandrierender Verlauf und eine naturnahe Gestaltung mit unterschiedlichen Sohlsubstraten, Ufervegetation und Strukturelementen. Durchlässe und Brücken sollen Straßen- und Wegequerungen ermöglichen, teilweise sind barrierefreie Zugänge zum Gewässer geplant. Technisch ist eine Streckenlänge von 1.450 Metern vorgesehen, bei einer Gewässerbreite von 3 bis 5 Metern. Das Gewässer soll etwa 1 Meter tief sein, die Wassertiefe jedoch ungefähr 20 Zentimeter betragen. Wechselnde Pflanzungen und steinerne Uferbefestigungen gehören ebenfalls zum Konzept.

Ganzjährig soll Wasser fließen. An bis zu 250 Tagen pro Jahr will die Planung ein natürliches Abflussgeschehen nachbilden; vorgesehen ist ein Abfluss von bis zu 130 Litern pro Sekunde. Bei Starkregen und anderen Spitzenabflüssen bleibt der tieferliegende Lutterkanal zuständig. Das klingt weniger spektakulär als ein plötzlicher Wasserfall, ist aber für die Sicherheit entscheidend.

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Die Idee, die Weser-Lutter wieder ans Licht zu holen, wurde um das Jahr 2000 vom Verein „Pro Lutter“ angestoßen. Der erste Bauabschnitt im Park der Menschenrechte ist seit 2004 fertig, der zweite an der Ravensberger Straße seit 2022. Der dritte Abschnitt soll nun die Offenlegung an der Ravensberger Straße mit dem natürlichen Wasserlauf unterhalb von Stauteich I verbinden.

Planung, Geld und ein enger Zeitplan

Im April fanden im Luttergrünzug Bohrarbeiten für ein Bodengutachten statt. Untersucht wurden Bodenbeschaffenheit, Tragfähigkeit und mögliche Altlasten. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die weiteren Planungen. Laut Zeitplan begann die Planung im April 2026, die europaweite Ausschreibung war für September 2026 vorgesehen. Das Genehmigungsverfahren soll voraussichtlich Anfang 2027 abgeschlossen werden. Baubeginn ist für Mitte 2027 geplant, Ende 2028 soll die Maßnahme fertig sein.

Das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ beteiligt sich mit 4,91 Millionen Euro. In der ursprünglichen Projektangabe ist von rund 4,9 Millionen Euro die Rede. Die Gesamtkosten des dritten Bauabschnitts belaufen sich auf etwa 6,55 Millionen Euro; genannt wurden auch 6,5 Millionen Euro für das Gesamtprojekt. Hinzu kommen 436.700 Euro Spendenmittel des Vereins „Pro Lutter“ und rund 1,2 Millionen Euro kommunale Eigenmittel.

Der Luttergrünzug soll dadurch ökologisch aufgewertet werden. Die neue Wasseroberfläche kann Verdunstungskühle erzeugen, das lokale Mikroklima verbessern und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Anwohnerinnen und Anwohner sowie Erholungssuchende sollen einen kühleren, attraktiveren Freiraum bekommen. Zugleich geht es darum, die Lutter als urbanes Gewässer sichtbar und erlebbar zu machen, Biotope zu entwickeln und Umweltbildung sowie das Bewusstsein für Klimafolgenanpassung und Klimaschutz zu stärken.

Der Abschnitt ist Bestandteil des „Freiraumplanerischen Rahmenkonzeptes Luttergrünzug“. Er liegt an der Hauptroute der Radverkehrsstrategie und im Hauptfußwegenetz der Fußverkehrsstrategie. Nach dem Bielefelder Klimaanpassungskonzept gilt der Luttergrünzug als besonders schutzbedürftiger klimatischer Ausgleichsraum. Wer dort künftig mit dem Fahrrad unterwegs ist, zu Fuß quert oder einfach eine Weile sitzen bleibt, dürfte die Veränderung nicht nur auf Plänen sehen.

Die Lutter im größeren Klimabild

Das Umweltbundesamt beschreibt die Schwammstadt als Konzept für klimaresiliente, nachhaltige und lebenswerte Städte. Die entsprechende Darstellung wurde am 3. Juli 2024 aktualisiert; als Quelle ist das Umweltbundesamt, 2023, angegeben. Hintergrund sind Klimafolgen, die Städte und ihr Umland laut Klimawirkungs- und Risikoanalyse des Bundes von 2021 besonders treffen: Hitze und Hitzewellen, Starkregen und Überflutungen sowie Trockenheit und Dürre.

Naturbasierte Lösungen setzen bei den vorhandenen Potenzialen an. Stadtbäume und andere natürliche Systeme sind vom Klimawandel betroffen, speichern aber zugleich Kohlenstoff und können Klimafolgen abmildern. Blau-grüne Infrastruktur und mehr Stadtgrün können den Wärmeinseleffekt verringern und Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden verbessern. Das Schwammstadtprinzip versucht, Starkregen, Hitze und die anschließende Trockenheit gemeinsam zu bewältigen: Überschüssiges Regenwasser wird aufgenommen, gespeichert und später durch Verdunstung, Versickerung oder Wiederverwendung – etwa zur Bewässerung – verzögert abgegeben. So nähert sich der städtische Wasserhaushalt wieder einem natürlichen Kreislauf.

Die Nationale Wasserstrategie der Bundesregierung nennt die Schwammstadt als Ansatz für eine gewässerverträgliche und klimaangepasste Flächennutzung in Städten. Auch der Zweite Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz führen sie als transformatives Konzept der urbanen Klimaanpassung auf. Immer mehr deutsche Kommunen greifen die Idee auf; aus einem Fachkonzept für dezentrales Niederschlagsmanagement ist ein übergeordnetes Modell klimaresilienter Stadtentwicklung geworden.

Die Lutteroffenlegung passt in dieses Bild, ohne schon eine komplette Schwammstadt zu sein. Sie verbindet Wasser, Grünraum, Wege und Aufenthalt – und macht sichtbar, wie Klimaanpassung im Alltag aussehen kann: ein Bachlauf statt einer verborgenen Leitung, Schatten und Verdunstung statt aufgeheizter Flächen, ökologische Strukturen neben Wegen und Brücken.

Was das Umweltbundesamt dazu untersucht

Das Umweltbundesamt befasst sich mit der Schwammstadt als zentralem Bestandteil eines klimaresilienten, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Stadtumbaus. Bei der Forschungskonferenz „Klimaresiliente Schwammstadt: Naturbasierte Konzepte und Maßnahmen als Baustein urbaner Transformation“ im Juni 2022 wurden Themen wie Operationalisierung, technische Umsetzung, räumliche Planung, Governance und Gerechtigkeit herausgearbeitet.

Im Forschungsprojekt „Neues Europäisches Bauhaus weiterdenken“ untersucht das Umweltbundesamt am Beispiel von Offenbach am Main, Wien und Bochum die Ziele klimaresilienter Schwammstädte sowie fördernde Faktoren und Hemmnisse der Transformation. Ein Folgeprojekt ab 2025 soll klären, wie Schwammstadt-Ansätze dauerhaft verankert werden können, welche Stadt-Umland-Bezüge bestehen und welche Bedeutung der Alltag der Bevölkerung hat.

Das Vorhaben „Umsetzung der Schwammstadt“ analysiert bestehende Politikinstrumente, entwickelt neue Instrumente und Instrumentenkombinationen und erarbeitet nachhaltige Musterlösungen für Dächer einer blau-grünen Stadt. Ein weiteres Projekt untersucht gesundheitliche Nebenwirkungen von Schwammstadtmaßnahmen. Es soll Risiken früh in Planungsprozessen berücksichtigen und in einen Leitfaden für klimaresiliente Stadtplanung einfließen. Der Langtitel lautet „Gesundheitliche Risiken bei der Planung klimaresilienter Städte und Gemeinden vermeiden“, FKZ 3723 48 4010.

Mit dem Vorhaben „Resiliente naturbasierte Lösungen für Städte und Gemeinden“ sollen Kommunen bei der Klimaanpassung unterstützt werden. Dafür entstehen Kommunikations- und Entscheidungshilfen, die