Rassismuskritik unterrichten: BiConnected-Workshop an der Uni Bielefeld verbindet Jugendsachbuch und Praxis
Wie lässt sich Rassismus im sozialwissenschaftlichen Unterricht thematisieren, ohne bei abstrakten Begriffen stehenzubleiben? Ein BiConnected-Workshop an der Uni Bielefeld nimmt dafür das Jugendsachbuch Unser Schmerz ist unsere Kraft in den Blick. Die Präsenzveranstaltung findet am 21. Januar 2027 um 15:00 Uhr statt.
Eingeladen sind Lehrkräfte der Sekundarstufen I und II, Lehramtsanwärterinnen sowie Studierende. Geleitet wird der Workshop von Anton Meier aus der Fakultät für Soziologie. Auf dem Programm stehen rassismuskritische Bildung und narratives Lernen – also die Frage, was erzählte Erfahrungen im Unterricht anstoßen können.
Vom Textauszug zur Unterrichtsidee
Die Teilnehmenden erhalten konzeptuelle Einblicke und fachdidaktische Anregungen. Ausgewählte Textauszüge aus Unser Schmerz ist unsere Kraft werden anhand methodischer Ansätze erschlossen. Danach geht es um die Praxis: Welche Einsatzmöglichkeiten bietet das Buch im sozialwissenschaftlichen Unterricht? Wo liegen Chancen, wo braucht es Fingerspitzengefühl? Genau darüber soll diskutiert werden.
Der Workshop gehört zu BiConnected, dem halbjährlichen, phasenverbindenden Workshopprogramm der Bielefeld School of Education (BiSEd). Das Programm ist kostenfrei und steht neben Lehramtsstudierenden auch weiteren schulischen Personengruppen offen. Die Anmeldung ist bis zum 7. Januar 2027 über den angegebenen Anmelde-Link möglich. Fragen beantwortet bi-connected@uni-bielefeld.de.
Warum Rassismuskritik in der Schule?
Antirassistische Proteste wie die US-Bewegung „Black Lives Matter“ haben die Thematisierung von Rassismus in Deutschland verstärkt. Zugleich verweisen die Morde in Hanau, Kassel und Halle sowie die Anschläge und Morde des NSU über einen Zeitraum von zehn Jahren auf die anhaltende Wirksamkeit von Rassismus. Er zeigt sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Institutionen – auch in Schulen.
Das Netzwerk Rassismuskritische Schulpädagogik bringt Pädagoginnen, Hochschullehrende und Wissenschaftler*innen aus verschiedenen schulbezogenen Praxisfeldern zusammen. Es will rassismuskritische Analysen stärken, Schule als Organisation und pädagogisches Handlungsfeld untersuchen und schulpädagogische Debatten insgesamt stärker rassismuskritisch ausrichten. Rassismuskritik versteht das Netzwerk dabei als vielfältige Praxis und vielstimmige Auseinandersetzung innerhalb der Schulpädagogik.
Rassismusanalyse und Rassismuskritik gehören in diesem Verständnis zusammen. Im Mittelpunkt steht nicht vorrangig die Suche nach einzelnen rassistischen Handlungen, Absichten oder Personen. Der Blick richtet sich vielmehr auf strukturelle und veränderbare Rassismen in Deutschland – und damit weniger auf den Begriff „Fremdenfeindlichkeit“ oder bloß individuelle Einstellungen.
Rassismus wird als soziales Verhältnis verstanden, das alltägliche Routinen und Vorstellungen von Normalität, gesellschaftliche Wissensbestände und Weltdeutungen sowie die Schulpädagogik strukturiert. Mit diesem Ansatz knüpft das Netzwerk an internationale Debatten an, in denen etwa institutioneller Rassismus etabliert ist, und möchte die weiterentwickelte Rassismusdebatte in schulpädagogische Diskurse einbringen.
Mehr als ein einzelner Begriff
Die Rassismusforschung stellt verschiedene Begriffe und Theorien bereit, um unterschiedliche Formen und gemeinsame strukturelle Mechanismen zu untersuchen. Dazu zählen Antisemitismus, Antiziganismus beziehungsweise Antiromaismus und antimuslimischer Rassismus.
Die Critical Race Theory ermöglicht es, die Überschneidung von „race“ mit weiteren Ungleichheitskategorien wie Klasse („class“) und Geschlecht („gender“) zu analysieren. Critical Whiteness Studies untersuchen die oft unhinterfragte gesellschaftliche Normalität des „Weißseins“. Postcolonial Studies arbeiten die historische Verbindung von Rassismus, Imperialismus und Kolonialismus sowie deren gegenwärtige Fortsetzungen heraus. Diese Ansätze bilden zentrale Anknüpfungspunkte für die Arbeit des Netzwerks – und liefern Stoff für einen Nachmittag, der vermutlich schneller voll ist, als man denkt.
Weitere Informationen zum Workshop gibt es unter aktuell.uni-bielefeld.de. Die Veranstaltungsseite ist außerdem über Bielefeld.jetzt erreichbar.
