Am kommenden 10. Mai ist der Tag gegen den Schlaganfall, ein Thema, das in Deutschland über 270.000 Menschen jährlich betrifft. Die Universität Bielefeld spielt in diesem Kontext eine wegweisende Rolle mit ihrem innovativen Forschungsprojekt PRIMI. Dieses Projekt entwickelt Roboter, die die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten verbessern sollen. Ziel ist es, Therapien nicht nur effektiver, sondern auch individueller und zugänglicher zu gestalten, damit Betroffene besser unterstützt werden können. Professor Dr. Thomas Schack leitet das Teilprojekt an der Universität und arbeitet mit einem internationalen Konsortium zusammen, das Experten aus verschiedenen Disziplinen und Institutionen in Europa vereint. PRIMI, das für „Performance in Robot Interaction via Mental Imagery“ steht, nutzt eine Kombination aus Neurophysiologie, Psychologie und Künstlicher Intelligenz, um neuromorphe Systeme zu entwickeln, die menschliche Bewegungen verstehen und nachahmen können. Diese Roboter helfen den Patienten aktiv, indem sie Bewegungen „im Kopf durchspielen“, was die Rehabilitation auf ein neues Level hebt. Die Entwicklung läuft von 2024 bis 2028 und wird mit einem Fördervolumen von fast 5 Millionen Euro unterstützt.
Technologische Fortschritte in der Schlaganfall-Rehabilitation
Die Roboter des PRIMI-Projekts sind nicht nur für die Rehabilitation gedacht, sondern sollen auch in klinischen Pilotstudien erprobt werden, um Therapien nach Schlaganfällen effektiv zu unterstützen. Internationale Collaborationen wie die mit den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel sorgen auch für einen ethischen Rahmen in der Mensch-Roboter-Interaktion. Wie das Projekt eine wichtige Verknüpfung zur aktuellen Forschung in der Künstlichen Intelligenz darstellt, zeigt sich durch den strategischen Fokusbereich AI*IM an der Universität, der Assistenztechnologien für Menschen mit kognitiven Einschränkungen fördert und deren Anwendung in der Rehabilitation vorantreibt.
Zusätzliche technologische Fortschritte kommen aus einer deutsch-britischen Initiative, die eine neue KI entwickelt hat, die den Zeitpunkt eines Schlaganfalls doppelt so präzise bestimmen kann wie bisherige Ansätze. Jährlich versterben in Deutschland rund 63.000 Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls, der die dritthäufigste Todesursache im Land ist. Bisherige Methoden zur Bestimmung des Schlaganfall-Zeitpunkts waren begrenzt, doch die neue KI-Software namens CNN-R analysiert CT-Bilder und kann die Behandlungsmöglichkeiten revolutionieren. Diese präzise Bestimmung ist entscheidend für Notfallmediziner, um schnell die passenden Therapien anzuwenden.
Die Zukunft der Rehabilitation
Die Entwicklungen in der Schlaganfall-Rehabilitation sind jedoch nicht nur auf die Arbeit von Robotern beschränkt. Auch die Möglichkeiten der Telerehabilitation gewinnen zunehmend an Bedeutung. Patienten können rehabilitative Maßnahmen in ihrer eigenen Umgebung durchführen, was nicht nur den Mangel an Therapieplätzen ausgleicht, sondern auch die Kontinuität der Therapie fördert. Eine neue Studie zeigt, dass neuartige Systeme, die auf Videodaten basieren, eine objektive Erfassung und Bewertung von Übungen ermöglichen, indem sie Gelenkwinkel analysieren und visuelle Rückmeldungen bereitstellen. Solche Ansätze bieten ein großes Potenzial, um die Rehabilitationsprozesse effizienter zu gestalten und langfristige Fortschritte zu dokumentieren.
In der Summe zeigt sich, dass die Zukunft der Schlaganfall-Rehabilitation sowohl durch innovative Robotertechnologie als auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz geprägt wird. Herausforderungen bleiben, insbesondere im Hinblick auf die klinische Umsetzung und die ethischen Fragestellungen in der Mensch-Roboter-Interaktion. Doch eines ist klar: Die Bemühungen aus Wissenschaft und Praxis bieten neue Hoffnungen für Millionen von Betroffenen.
Für weitere Informationen lesen Sie die ausführlichen Berichte auf aktuell.uni-bielefeld.de, tagesschau.de und gelbe-liste.de.