Die Faszination für die Kunstkammern der Spätrenaissance lebt weiter – und das besonders in Bonn. Im Arithmeum wird die beeindruckende Sammlung der Kunstkammer Pohl-Goldschmidt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Diese außergewöhnliche Sammlung ist seit mehreren Generationen in Privatbesitz und umfasst eine Vielzahl hochwertiger künstlerischer und materieller Objekte. Der Fokus liegt dabei auf wissenschaftlichen mathematischen Instrumenten, die von renommierten Herstellern der Renaissance gefertigt wurden. Objekte aus dieser Zeit sind nicht nur faszinierende Kunstwerke, sondern auch bedeutende Zeugnisse des wissenschaftlichen Fortschritts. Die Sammlung dokumentiert die Erzeugung solcher Kunstkammerstücke und bietet Einblicke in die Ingenieurskunst und die Denkweise ihrer Schöpfer.

Ein Ort der Wunder und des Wissens

Kunstkammern waren in der Spätrenaissance nicht nur Sammelstätten für exquisite Objekte, sondern auch Forschungsorte. Sie verbanden das Staunen über “Artificialia” – künstliche Objekte – und “Naturalia” – natürliche Sammlungsgegenstände wie Korallen oder ausgestopfte Alligatoren. In der Kunstkammer Pohl-Goldschmidt wird die Seltenheit und Exzellenz dieser Sammlungsgegenstände eindrucksvoll zur Schau gestellt. Hier erlebt der Besucher, wie die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft verschwimmen.

Wirft man einen Blick auf die Exponate, erwartet einen ein buntes Kaleidoskop an Objekten, die das Wissen vergangener Jahrhunderte widerspiegeln. Historische Kunstkammern, wie die im Schloss Ambras oder im Kunsthistorischen Museum Wien, sind gut dokumentiert und dienen als Referenzpunkte für die Sammlungen heute. Die Pohl-Goldschmidt-Kunstkammer setzt einen neuen Maßstab mit ihrer Präsentation, die auf die zeitgenössische Relevanz dieser Objekte hinweist.

Interaktive Begegnungen

Um das Erlebnis zu vertiefen, hat das Arithmeum ein umfangreiches Führungsprogramm entwickelt, das sowohl Erwachsene als auch Kinder begeistert. Interaktive Workshops und Schulprogramme bieten die Möglichkeit, nicht nur Objekte zu betrachten, sondern auch selbst aktiv zu werden. Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet, der die verschiedenen Exponate und deren Geschichte dokumentiert.

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Zu den besonderen Highlights zählt die erstmalige öffentliche Präsentation des Himmelsglobus von Christoph Schissler sowie die Klappsonnenuhr von Thomas Tucher, die um 1620 in Nürnberg gefertigt wurde. Diese Stücke sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch technische Meisterwerke, die den damaligen Stand der Wissenschaft und Technik demonstrieren.

Sammler Karl Pohl zeigt sich begeistert von der Präsentation seiner Sammlung im Arithmeum. Gemeinsam mit den Kuratoren, Prof. Dr. Ina Prinz und Prof. Dr. Patrick Rocca, hat er ein aufregendes und lehrreiches Erlebnis für die Besucher geschaffen. Führungen finden regelmäßig statt, und die nächste öffentliche Führung ist sonntags um 16:30 Uhr.

Die Ausstellung ist nicht nur ein Gewinn für die Universität Bonn, sondern auch eine wertvolle Bereicherung für die Wissenschaft und die Besucher, die in die Welt der wissenschaftlichen Errungenschaften eingehen möchten.