Buffalo Drive bringt New Country aus Deutschland in die Feldhofhalle Beverstedt
Am Freitag, 16. Oktober 2026, wird es in der Feldhofhalle in Beverstedt laut, wahrscheinlich angenehm laut: Buffalo Drive bringt modernen Country und Klassiker des Genres auf die Bühne. Das Konzert beginnt um 19:30 Uhr, Einlass ist ab 19:00 Uhr.
Hinter der Formation stehen Lutz Lagemann und Martin Connell. Lagemann ist Gründungsmitglied der Band Slow Horses und seit Jahren in der deutschen Country-Szene aktiv. Connell ist Sänger und Gründer von The True Dramatics. Zwei Musiker also, die wissen, wie man zwischen staubiger Tradition und frischerem Sound die Spur hält.
New Country aus Deutschland
Das Liveprogramm verbindet aktuelle Country-Strömungen mit traditionellen Elementen. Zu hören sind unter anderem Coverversionen von Chris Stapleton, Shane Smith, Tyler Childers, Marty Stuart und Brad Paisley. Damit möchte Buffalo Drive Fans des modernen ebenso wie des klassischen Country ansprechen.
Parallel arbeitet die Band an eigenen Liedern. Unter dem Motto „New Country – Made in Germany“ sollen ab der Saison 2026 selbst geschriebene Stücke verstärkt ins Programm rücken. Die Besetzung: Martin Connell an Gitarre und Gesang, Lutz Lagemann an Pedal-Steel-Gitarre und Dobro, Einar Gast an der Leadgitarre, Erik Regul am Bass und Jorge Boer am Schlagzeug.
Karten kosten 15 Euro. Reservierungen sind per E-Mail an faenger@gemeinde-beverstedt.de oder telefonisch unter 04747/18142 möglich. Wer erst um 19:30 Uhr vor der Halle steht, hat den Einlass verpasst – der beginnt bereits eine halbe Stunde früher.
Country zwischen Plattenregal und Festivalgelände
Dass Buffalo Drive seine Mischung „New Country – Made in Germany“ nennt, passt in eine lange Geschichte. Seit den ersten Country-Aufnahmen Anfang der 1920er-Jahre wurde US-amerikanische Country-Musik auch im deutschsprachigen Raum gehört. Schallplatten der Carter Family und von Jimmie Rodgers erschienen nahezu zeitgleich in Deutschland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg half der US-Soldatensender AFN dabei, Country-Musik in Deutschland populärer zu machen. US-Stars wie Hank Williams und Garth Brooks traten hier sowohl für stationierte US-Soldaten als auch für deutsche Fans auf. In der deutschsprachigen Schweiz entwickelte sich Ende der 1940er-Jahre eine lebendige Country-Szene.
Auch Cowboy-Musik bekam durch Hollywood-Western zusätzlichen Schub. Bruce Low landete 1957 mit „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“ einen bekannten Cowboy-Schlager. Der Belgier Bobbejaan erhielt 1959 nach einem Vorsingen beim Komponisten Peter Kreuder einen Plattenvertrag; sein Country-Comedy-Lied „Ich steh an der Bar und ich habe kein Geld“ war 1960 mehr als 30 Wochen in den Charts. Ebenfalls 1959 veröffentlichten die Nilsen Brothers eine deutsche Version von „Tom Dooley“ des Kingston Trios, die sieben Wochen Platz eins der deutschen Charts belegte.
Für Informationen aus der Szene sorgten Chuck Steiner mit dem 1961 gegründeten Magazin „Hillbilly“ und ab 1965 die Zeitschrift „Country Corner“. Zu den aktiven Persönlichkeiten gehörten unter anderem Hauke Strübing und Walter Fuchs; der Sänger Ronny veröffentlichte mehrere erfolgreiche Titel. In Österreich moderierte Connie „Tex“ Hat eine Radiosendung mit Country-Musik.
Von Truck Stop bis Bear Family
In den 1970er-Jahren griffen Gunter Gabriel, Tom Astor, Larry Schuba & Western Union, Winchester 75 und Truck Stop Country-Musik auf und passten sie dem Zeitgeschmack an. Nach Walter Fuchs machte Truck Stops Lied „Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n“ deutschsprachige Country-Musik 1978 einem größeren Publikum zugänglich. Danach wuchs die Szene schnell – wobei Fuchs auch darauf hinwies, dass viele deutschsprachige Country-Songs wegen banaler Texte der Schlagermusik zugerechnet wurden und afroamerikanische Einflüsse dabei weitgehend fehlten.
Der Norddeutsche Richard Weize entdeckte in den 1960er-Jahren seine Leidenschaft für Country und suchte in den USA nach seltenen und verschollenen Aufnahmen. 1975 gründete er Bear Family Records. Das Label wurde für seltene sowie grafisch, textlich und klanglich aufwendig bearbeitete Veröffentlichungen bekannt. Weize lernte zahlreiche Musiker, darunter Johnny Cash, persönlich kennen.
Freddy Quinn moderierte von 1979 bis 1986 die Fernsehsendung „It’s Country Time mit Freddy Quinn“. Walter Fuchs veröffentlichte 1980 erstmals sein „Lexikon der Countrymusik“, das weiterhin als Standardwerk gilt und 2005 in überarbeiteter Fassung erschien. Als Literaturhinweis gilt außerdem Fuchs’ „Das neue große Buch der Country Music“, 2005 bei Heel in Königswinter erschienen, ISBN 3-89880-364-3.
In den 1980er- und 1990er-Jahren etablierten sich verschiedene Country- und Truckerfestivals. Das Festival in Interlaken findet seit 1993 statt, der Internationale ADAC Truck Grand Prix am Nürburgring bereits seit 1985. Mit etwa 6.000 Zuschauern galt der Truck Grand Prix als größtes Festival dieser Art in Europa. Dort werden mit dem Silbernen, Goldenen und Platin-Truck Auszeichnungen für die deutschsprachige Mainstream-Country-Szene vergeben – verliehen von den Fernfahrerzeitschriften „Trucker“ und „Auto Bild“.
1993 gründeten Vertreter der deutschen und US-amerikanischen Musikindustrie die German American Country Music Federation, um den deutschen Markt besser zu erschließen. Zu den bekannten deutschen Country-Bands zählen Silverwood, Cripple Creek Band, Nashville Music Company und Slow Horses. The Twang, Texas Lightning und The BossHoss wurden unter anderem durch Country-Versionen bekannter Rock- und Popsongs bekannt. Texas Lightning vertrat Deutschland im Mai 2006 beim Eurovision Song Contest, trat mit „No No Never“ an und belegte den 15. Platz.
Wenn Country auf Punk und Pop trifft
Alternative Country-Spielarten, die sich in den USA seit Ende der 1960er-Jahre im Umfeld von Rockmusik und Bürgerrechtsbewegung entwickelten, fanden auch in Deutschland Anhänger. Deutsche Punks griffen in den 1980er-Jahren den Cowpunk auf. Das beeinflusste den bayerischen Schriftsteller Franz Dobler, der sich mit alternativer Country-Musik beschäftigte, in den 1990er-Jahren eine Country-Kolumne für die Tageszeitung „Junge Welt“ schrieb und 2002 zum 70. Geburtstag von Johnny Cash eine Biografie veröffentlichte.
Die Verbindung von Punk und Country bei Musikern wie Steve Wynn und Go To Blazes beeinflusste Mitte der 1990er-Jahre die Labelbetreiber Rembert Stiewe und Reinhard Holstein. Ihr Label Glitterhouse konzentrierte sein Programm auf Alternative Country und entwickelte sich zu einem bedeutenden Label und Mailorder-Anbieter für Alternative Country in Deutschland und Europa. Beim jährlich veranstalteten Orange Blossom Special Festival treten US-amerikanische und europäische Bands auf. Glitterhouse vertritt unter anderem 16 Horsepower, Woven Hand und Hazeldine sowie nordeuropäische Bands mit Country-Einflüssen.
Edgar Heckmann gründete das Label Blue Rose, das überwiegend US-amerikanische Künstler für den europäischen Markt vertritt, aber auch einheimische Musiker wie Markus Rill. Die Band The Waltons wurde bei Jugendlichen durch eine vielseitige Country-Mischung bekannt. F.S.K. beschäftigte sich zwischen Ende der 1980er- und Mitte der 1990er-Jahre auf popkulturell geprägte Weise mit Country und Deutschland. In der deutschen Independent-Szene der 1990er-Jahre integrierten junge Bands wie Fink und Cow Country-Elemente; Fink distanzierte sich dabei von einem Country-Image.
In der Feldhofhalle geht es am 16. Oktober nun nicht um ein Lexikon, eine alte Plattenkiste oder die nächste Festivalstatistik, sondern um fünf Musiker, Gitarren, Pedal-Steel, Dobro und Songs, die zwischen Nashville und Beverstedt unterwegs sind. Um 19:00 Uhr öffnen sich die Türen.
