Thomas de Maizière wird Gastprofessor für Politikmanagement an der Universität Duisburg-Essen
Am 13. Oktober 2026 übernimmt Dr. Thomas de Maizière an der Universität Duisburg-Essen eine neue Rolle: Im Wintersemester 2026/27 lehrt er als Gastprofessor für Politikmanagement an der NRW School of Governance. Gefördert wird die Gastprofessur von der Stiftung Mercator.
In einem Seminar spricht de Maizière mit Masterstudierenden über politische Entscheidungsprozesse und Regierungspraxis. Eine öffentliche Vorlesung ist ebenfalls geplant. Die Seminare „Taskforce: Demokratie in Gefahr?“ sowie „Medien und Politik: Transparenz, Ethik und Öffentlichkeit in der Demokratie“ leitet PD Dr. Julia Schwanholz. Auf dem Programm stehen unter anderem die Steuerung großer Ministerien und Fragen der Staatsmodernisierung.
Vom Bonner Juristen zum Regierungspraktiker
De Maizière, Jahrgang 1954, ist promovierter Jurist. Geboren wurde er in Bonn als viertes Kind des späteren Generalinspekteurs der Bundeswehr Ulrich de Maizière und der Bildhauerin und Grafikerin Eva de Maizière. Seine Kindheit verbrachte er in Hannover, Koblenz und Hamburg; 1964 kehrte die Familie nach Bonn zurück. Ab 1967 besuchte er das Aloisiuskolleg, 1972 machte er dort Abitur.
Es folgten Wehrdienst und Studium: Von 1972 bis 1974 war er Reserveoffizieranwärter beim Panzergrenadierbataillon 342 in Koblenz und wurde als Fähnrich der Reserve entlassen. 1974 erfolgte die Beförderung zum Leutnant der Reserve, 1977 zum Oberleutnant der Reserve. Mehrere Wehrübungen, unter anderem bei der Schule für Nachrichtenwesen der Bundeswehr, gehörten ebenfalls dazu.
Ab 1974 studierte de Maizière Rechtswissenschaft, Geschichte und Politikwissenschaft in Münster und Freiburg. Die erste juristische Staatsprüfung legte er im August 1979 in Münster ab, das Referendariat begann im Herbst 1979 beim Oberlandesgericht Hamm. Im April 1982 folgte das Assessorexamen. Während dieser Zeit engagierte er sich im Ring Christlich-Demokratischer Studenten Münster. 1986 promovierte er an der Universität Münster zum Dr. jur.; seine Arbeit behandelte informelle Verfahren beim Bundeskartellamt.
Nach dem Studium war de Maizière Stipendiat der Graduiertenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im April 1983 begann er als Mitarbeiter des Regierenden Bürgermeisters von Berlin in der Senatskanzlei. Von Juli 1985 bis 1989 leitete er dort das Grundsatzreferat und war zugleich Pressesprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. 1989 nahm er am Young Leader Program des American Council on Germany teil.
Seine politische Laufbahn begann damit in den 1980er-Jahren in Berlin. 1990 arbeitete er am Aufbau des Amtes des DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière, seines Cousins, mit. Zugleich gehörte er der Verhandlungsdelegation für den deutsch-deutschen Einigungsvertrag an. Später war er an zentralen Stellen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen tätig: zunächst als Staatssekretär im Kultusministerium Mecklenburg-Vorpommerns, ab Dezember 1994 als Chef der dortigen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Berndt Seite. Nach dem Ausscheiden der CDU aus der Landesregierung wurde er 1998 in den einstweiligen Ruhestand versetzt.
Im Oktober 1999 wechselte de Maizière als Leiter der Sächsischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Kurt Biedenkopf nach Sachsen. Im Januar 2001 wurde er sächsischer Finanzminister, im Mai 2002 übernahm er zusätzlich beziehungsweise anschließend das Justizministerium. Im November 2004 folgte die Ernennung zum Innenminister.
In dieser Funktion erhielt und prüfte er Unterlagen des sächsischen Verfassungsschutzes zu mutmaßlichen Verbindungen von Justizvertretern und Lokalpolitikern zu kriminellen Netzwerken, später als „Sachsensumpf“ bezeichnet. De Maizière bewertete die freiheitlich-demokratische Grundordnung als gefährdet und ließ die Beobachtung fortsetzen. Die Parlamentarische Kontrollkommission und die Staatsanwaltschaft informierte er zunächst nicht, weil er die Beweislage nach eigener späterer Darstellung für unzureichend hielt. 2007 geriet dieser Umgang in die Kritik; ein Dresdner Rechtsanwalt erstattete Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt. FDP und Linkspartei forderten de Maizière auf, seine Funktion als Geheimdienstkoordinator ruhen zu lassen.
Minister in bewegten Jahren
Nach der Bundestagswahl 2005 wurde de Maizière Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts im Kabinett Merkel I. Zugleich war er Beauftragter der Bundesregierung für die Nachrichtendienste. Von 2009 bis 2021 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.
Im Oktober 2009 ernannte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn zum Bundesinnenminister. Im Mai 2010 vertrat er den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble bei Beratungen zur Euro-Krise und zum Europäischen Stabilisierungsmechanismus. Im Januar 2011 setzte Deutschland Überstellungen nach Griechenland nach der Dublin-II-Verordnung zunächst für ein Jahr aus; die entsprechenden Asylverfahren sollten in Deutschland geprüft werden. Die Aussetzung wurde mehrfach verlängert, zuletzt im Januar 2016 für ein weiteres halbes Jahr.
Im März 2011 wechselte de Maizière als Nachfolger von Karl-Theodor zu Guttenberg ins Verteidigungsministerium. Im Mai kündigte er Pläne zur Verkleinerung der Bundeswehr an; während seiner Amtszeit wurde die Aussetzung der Wehrpflicht umgesetzt. 2013 wurde ihm nach einer Äußerung über das Anerkennungsbedürfnis von Bundeswehrsoldaten vorgeworfen, sich nicht ausreichend hinter die Soldaten zu stellen.
Im Dezember 2013 wurde er im Kabinett Merkel III erneut Innenminister, seine Amtszeit dauerte bis März 2018. In diesen Jahren äußerte er sich zu einer ganzen Reihe politischer und sicherheitspolitischer Fragen: 2009 forderte er strengere Verhaltensregeln für das Internet, etwa zum Schutz vor Denunziation, Entwürdigung und unseriösen Geschäften. 2010 sprach er sich für eine verlässliche Identifizierung von Nutzern aus und erklärte zugleich, das Internet sei kein rechtsfreier Raum.
2014 bezeichnete de Maizière die Zusammenarbeit deutscher, US-amerikanischer und britischer Nachrichtendienste als unverzichtbar. Edward Snowden nannte er einen Straftäter und forderte dessen Auslieferung an die USA. Im selben Jahr stellte er das geplante IT-Sicherheitsgesetz vor. Es sah Sicherheitsstandards für Unternehmen kritischer Branchen, eine Meldepflicht für Cyberangriffe an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie mehr Personal und Geld für BSI, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz vor. Datenschützer und Netzaktivisten kritisierten unter anderem geplante Speicherungen von Surfprotokollen und IP-Adressen.
Im November 2010 rief de Maizière unter Berufung auf konkrete Ermittlungsansätze und Spuren eine Terrorwarnung für Deutschland aus. Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo 2015 forderte er die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung und verlangte kurz danach, Sicherheitsbehörden müssten verschlüsselte Kommunikation einsehen können. Im selben Jahr plante er, Dschihadisten mit doppelter Staatsbürgerschaft unter bestimmten Voraussetzungen die deutsche Staatsangehörigkeit zu entziehen.
Im Zusammenhang mit Berichten über BND-Unterstützung für NSA-Spionage gegen EU-Institutionen, Frankreich und möglicherweise Unternehmen wurde de Maizière vorgeworfen, seit 2008 davon gewusst und den Bundestag nicht informiert zu haben. Verschiedene Medien und Politiker forderten seinen Rücktritt als Innenminister. Nach dem Abzug aus Afghanistan schloss er neue Auslandseinsätze der Bundeswehr nicht aus; bereits im August 2012 hatte er den Kauf und Einsatz bewaffneter Drohnen befürwortet.
Euro Hawk, Flüchtlingspolitik und öffentliche Kritik
Im Mai 2013 wurde das Euro-Hawk-Programm eingestellt. Die Aufklärungsdrohne verfügte nicht über ein für den zivilen Luftverkehr zertifiziertes automatisches Antikollisionssystem; eine nachträgliche Nachrüstung wurde auf etwa 600 Millionen Euro geschätzt. Die Aufklärungssensoren sollten in einen anderen Flugzeugtyp oder eine andere Drohne eingebaut werden, was bis September 2014 noch nicht umgesetzt war.
De Maizière erklärte im Juni 2013, 2012 zunächst nur abstrakt über Zulassungsprobleme und erst im Mai 2013 über deren vollständiges Ausmaß informiert worden zu sein. Mehrere Staatssekretäre und militärische
